7 „Glaubenssätze“ von & über Musiker – und die Wirklichkeit

Im Austausch mit anderen Musikern entstand die Idee, dass man doch mal über die „Glaubenssätze“ sprechen müsste. Als Jugendliche dachte ich zum Beispiel noch, man braucht als Musiker unbedingt einen Plattenvertrag. Was dran ist und was vielleicht nur naive Wunschvorstellungen sind, erfährst du jetzt. Hier ist eine Sicht über die „Wahrheit“ der Glaubenssätze von Musikern und über Musiker. Wenn man diese mutmaßlichen Behauptungen und Glaubenssätze mal ohne rosarote Brille betrachtet, dann scheint die Wahrheit eher bitter und pessimistisch. Doch lass dich nicht abschrecken, das lässt auch Chancen erkennen und Möglichkeiten effektiver nutzen. Also Schluss mit den Märchen und Wunschvorstellungen. Es wird Zeit, der Realität ins Auge zu blicken.

Glaubenssätze

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1.  „Wenn ich erst gut bin, werde ich entdeckt und berühmt.“

Wirklich??? Mal im Ernst. Es gibt (mittlerweile) so viel gute Musik da draußen. Glaubst du im Ernst, dass die Welt nur auf dich und deine Musik gewartet hat und du „nur“ gut sein musst, damit du entdeckt und berühmt wirst? Vielleicht bringt dich das bei einer Talentshow weiter, aber gut sein allein, reicht heute leider nicht mehr aus, wenn man sich in der Branche als Künstler etwas aufbauen will. Gut sein, ist jedoch die beste Voraussetzung, um überhaupt ernst genommen zu werden und sich etwas Größeres aufzubauen. Also ist das Üben und das Arbeiten an sich und seinem Projekt ein grundlegender, stetiger Teil auf der Karriereleiter.

2.  „Wenn ich einen Deal mit einer Plattenfirma habe, dann habe ich es geschafft.“

Kommt drauf an. Bist du bei einem kleinen Label, was niemand kennt und was noch am Anfang steht, dann hast du zwar einen Partner, der sich um Sachen wie Vertrieb und anderes kümmert, aber der auch mitverdient. Du musst schon sehr viele Tonträger verkaufen, um überhaupt Geld zu sehen. Und die Ausgaben müssen ja auch erst wieder reinkommen. Zudem hapert es oft an entsprechender Werbung, damit die Welt überhaupt von deiner Musik erfährt. Die erhofften guten Kontakte und Möglichkeiten, durch ein Label in der Branche bekannt zu werden, findet man wenn dann eher bei großen bzw. etablierten Labels, die ihre Künstler auch ins Radio gebracht haben oder bei Labels, die in dem Genre bekannt sind. Die wiederum halten oft eher nach Künstlern Ausschau, die selber schon „groß“ sind bzw. selber genug Fans generiert haben und eine gewisse Reichweite haben. – Ein Newcomer ist ja auch ein Risiko für ein Label.

3.  „Als Musiker werde ich reich sein und mehr verdienen, als in meinem jetzigen Job.“

Genau. 😉 Wenn du erst mal deinen Hit in den Charts hast, dann könnte das wirklich klappen. Ansonsten bedeutet Musiker & Künstler sein in erster Linie: „Überlebenskünstler“ sein. Wer seinen Traum leben möchte, muss besonders anfangs auf vieles verzichten. Wer eher Sicherheiten sucht, sollte bei seinem alten Job bleiben und eine Stelle mit festem Arbeitsvertrag vorziehen. Musiker kann man ja zum Glück auch gut „nebenbei“ sein.

4.  „Es kommt nur auf die Musik an.“

Wenn man erfolgreich sein will, kommt es heutzutage (leider) längst nicht mehr nur auf die Musik an. Klar, in erster Linie muss die Musik gefallen. Aber man bleibt nur im Kopf, wenn man für die Menschen interessant genug ist. Entweder können sich die Fans besonders gut mit deiner Story identifizieren oder du hast etwas Einzigartiges und Anziehendes an dir, was dich interessant macht. Das muss auch nichts mit „gutem Aussehen“ zu tun haben! Das Drumherum muss eben stimmen und durch eine entsprechende Präsenz in die Öffentlichkeit transportiert werden.

5.  „Als Musiker ist man den ganzen Tag kreativ.“

Schön wär es ja! Jedoch sieht der Musiker-Alltag bei den meisten Musikern anders aus. Wenn man noch nicht „reicht und berühmt“ ist und im Radio hoch und runter gespielt wird, hat man auch eher keine Schar an „Bediensteten“ um sich, die einem alle unangenehmen Arbeiten abnehmen. Somit bleibt der ganze Haufen Papierkram, Organisation, Vorbereitung und Hirnschmalz an einem selber hängen. Und das nimmt sehr viel mehr Zeit ein, als man vielleicht annimmt.Wenn du hauptberuflich Musiker bist, musst du zudem auch Jobs machen, die eher in den Dienstleistungsbereich fallen, Geld bringen und weniger kreativ sind. Und die Kreativität will natürlich auch nicht immer, wenn man sie dann mal braucht. Die ist nämlich ein eher scheues „Tier“. Besonders wenn sich auch mal die Schatten der Existenzangst ausbreiten, weil ein Auftrag weggebrochen ist – dann versteckt sie sich erst recht.

6.  „Man muss nur fest an seinen Traum glauben.“

Jain. Der Glaube an sich ist zwar wichtig. Noch wichtiger ist aber, ins Handeln zu kommen. Wenn man nichts dafür tut und alles dem Zufall überlässt, wird es auch nichts. Mit der „Woop“-Strategie kann es jedoch funktionieren. Es wurde bewiesen, dass man allein vom positiven Denken seine Ziele nicht erreicht. Da man sich durch die Vorstellung, das Ziel bereits erreicht zu haben, in ein entspannteres Energielevel bringt, als für die Aktion notwendig ist. Somit hindert man sich nachgewiesen daran, das erträumte Ziel tatsächlich zu erreichen. Da wird mir einiges klar. – Besser: auch mögliche Hindernisse vorstellen und einen konkreten Plan entwickeln, wie diese Hindernisse bewältigt werden können. Und: machen! 😉

7.  „Wenn ich eine Frau wär, wär ich schon längst erfolgreich.“

Es gibt Männer, die denken, dass es Frauen in der Musikbranche einfacher hätten, erfolgreich zu sein. (Das denk ich mir nicht aus!) Doch wenn man selber eine Frau ist, dann ist es leider nicht so easy, wie es scheint. Meine Empfindung sieht eher so aus: Wenn ich das Radio einschalte, dann höre ich eigentlich mehr männliche Interpreten (im deutschsprachigen Raum), die gerade sehr die Pop-Branche dominieren. (z. B. Clueso, Tim Bendzko, Andreas Bourani, Mark Forster, Max Giesinger, Wincent Weiss…) Angeblich sind weibliche Fans emotionaler und kaufen daher auch mehr Musik. Sind deswegen so viele männliche Kollegen im Radio?

Vermutlich ist das einfach auch eine persönliche Empfindung. – Egal ob Mann oder Frau. Statistiken dazu habe ich nämlich nicht. Jedenfalls sind zwei Brüste bzw. die Tatsache, eine Frau zu sein, noch längst keine Garantie für Erfolg! – Im Schlager vielleicht. Aber selbst da gibt es genug Sängerinnen, die trotz tollem Aussehen und super Stimme auf kleinen Dorffesten umhertingeln und nie im Radio gespielt worden sind. – Ist also wieder ein blödes Vorurteil!

Fazit:

Das waren vorerst einige übliche Glaubenssätze, die mir so zu Ohren gekommen sind. Kennst du noch weitere oder hast du eine andere Meinung oder Ergänzung zu den hier aufgeführten, dann lass gern einen Kommentar da. Vielen Dank, dass du auf musifiziert.de vorbeigeschaut hast. Bis bald.

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