Warum man als Musiker besser ausgeschlafen ist?

Vielleicht geht es dir auch manchmal so und du kommst in Situationen, wo du dich als Künstler(-in) erklären musst, wenn du kein Frühaufsteher bist. Tatsächlich gibt es genug Gründe, warum man als selbstständiger Musiker nicht so zeitig aufsteht, wie manch „Normal-Arbeitnehmer“, der sich morgens gezwungenermaßen früh rausquält, schlecht gelaunt auf Arbeit schleppt und mault, weil schon wieder Montag oder erst Dienstag ist. Mal davon abgesehen ist ein Montag ja nur fies, wenn man etwas tut, was einem keinen Spaß macht. Aber das ist wieder eine andere Entscheidung. Ich arbeite gern ausgeschlafen, fange zwar dadurch etwas später an, nutze meine Zeit aber auch gern bis in die Nacht. So passe ich mich meinem persönlichen Rhythmus besser an, als mir von einem „frühen Vogel“ die Laune verderben zu lassen. Was noch dafür spricht, als kreativer Mensch, Musiker(-in) oder Sänger(-in) ausgeschlafen zu sein?

Warum man als Musiker besser ausgeschlafen ist

Frühaufsteher oder Langschläfer?

Als Erstes möchte ich vorwegnehmen, dass es eine untergeordnete Rolle spielt, wann du schläfst und aufstehst. Ob du als Frühaufsteher morgens um 6 Uhr wach wirst oder ob du vielleicht gegen 10 Uhr das erste Mal die Augen aufmachst und ausgeschlafen bist, das ist ja eher eine Frage der Gewohnheit. Wer über Jahrzehnte immer morgens um 6 Uhr aufstehen musste, dem wird es auch dann kaum schwerfallen, wenn er das nicht mehr muss. Das ist also keine herausragende Leistung, die etwas über Fleiß oder Leistung einer Person aussagt! Es geht in diesem Beitrag mehr um das Ausgeschlafensein und seine Vorteile an sich. Doch wie viel Schlaf braucht man eigentlich? – Dazu musst du wissen, dass jeder Mensch unterschiedlich viel Schlaf benötigt. Als Faustregel gilt: ausgeschlafen ist, wer von sich aus wach wird, ohne dass ein Wecker, Albträume oder andere Störungen ihn aufwecken. Aber warum ist es nun besser, ausgeschlafen zu sein?

1.) Zum Singen braucht man Energie.

Besonders für die Arbeit mit der Stimme ist es wichtig, ausgeschlafen zu sein. Das ist zum Beispiel von Bedeutung, wenn es um Gesangsaufnahmen, Proben und Auftritte geht. Beobachte mal, wenn du unausgeschlafen aufstehst, wie „morgendlich“ (krächzend oder belegt) auch deine Stimme klingt, wenn du dann etwas singst. Das klingt zwar sicher auch mal interessant, aber ist für authentische Stimmarbeit nicht wirklich brauchbar. Daher muss die Stimme gepflegt werden. Und genügend Schlaf ist ein Teil davon. Außerdem wissen wir als Sänger(-in), dass wir beim Singen den ganzen Körper einsetzen und genügend Energie brauchen. Wer unausgeschlafen da hängt und immer wieder vor Müdigkeit in sich zusammenfällt, hat nicht nur Probleme, wenn es um das Treffen der Töne geht, sondern auch die Stimme wird unnötig belastet, weil der Körper nicht richtig mitmacht.

2.) Kreativität

Wer nicht in einem kreativen Beruf arbeitet, kann es vermutlich schlecht nachvollziehen. Doch Kreativität ist Kopfarbeit und um die „Drähte im Kopf“ zum Glühen zu bringen, benötigt es ebenfalls viel Energie. Ausgeschlafen kommt man teilweise nicht nur auf bessere Ideen, sie lassen sich auch besser umsetzen, wenn man somit auch noch genug Elan, Kraft und Ausdauer hat. Vermutlich ist der Grund, warum viele Menschen so große Ziele haben und dann doch nichts umsetzen, weil sie Schlafmangel oder einfach keine Energie und Ausdauer für die Umsetzung haben…aber das ist nur meine Vermutung. Wann bist du am kreativsten?

3.) Schönheitsschlaf

Wer ausgeschlafen ist und auch regelmäßig ausreichend Schlaf bekommt, tut sogar etwas Gutes für sein Aussehen und wirkt dadurch nicht so schnell alt und verbraucht, wie jemand, der unausgeschlafen mit Augenringen und grimmigem Blick durchs Leben schlürft. Viele Musiker(-innen) möchten außerdem auf der Bühne auch eine Art Vorbild sein und jemand, zu dem man aufschaut, jemand der strahlt. Alles steht und fällt mit der entsprechenden Ausstrahlung. Und das ist durch ausreichend Schönheitsschlaf um einiges leichter.

4.) Effektivität

Wer morgens keine wichtigen Termine und Verpflichtungen hat oder keine Kinder versorgen muss, hat gar keinen Grund, sich unausgeschlafen aus dem Bett zu quälen. Die meisten Menschen tun das ohnehin nur, weil sie zur Arbeit müssen. – Nicht etwa, weil sie freiwillig so gern unausgeschlafen aufstehen! Deutschland gilt angeblich als Land der Frühaufsteher. Allerdings gehen davon viele sogenannte Frühaufsteher auch nur recht widerwillig ihrem Job nach und machen lediglich Dienst nach Vorschrift. Ist ja auch kein Wunder, wenn man Schlafstörungen hat. Deshalb trifft eine „Frühaufsteher-sind-tüchtiger“-Regel eben auch nicht pauschal auf jeden zu. Wer unausgeschlafen zu früh raus muss, hat bestimmt eine Ahnung, warum es „Morgengrauen“ heißt.

Heutzutage gibt es zum Glück Strom, man ist nicht mehr an das Auf- und Untergehen der Sonne gebunden, um seine Arbeit zu verrichten und kann sich seine perfekte Zeit also selbst wählen. Nicht zu vergessen gibt es ja auch Berufe wie in der Musik- und Veranstaltungsbranche, wo man eben auch bis nachts oder in die frühen Morgenstunden arbeitet. Es wär unfair diese Menschen als „weniger tüchtig“ oder gar faul zu bezeichnen, nur weil sie keine Frühaufsteher sind. Jeder sollte individuell herausfinden, wann er am effektivsten arbeitet. Denn ausgeschlafen schafft man mehr, in wesentlich kürzerer Zeit – auch wenn es keine Routinearbeiten sind, und es passieren nicht so viele Fehler wie bei Müdigkeit.


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5.) Schlafen ist gesund.

Zellen regenerieren besser im Schlaf. Es heißt nicht umsonst: „Schlaf dich gesund!“. Als Musiker und Selbstständiger kann man es sich nicht leisten, andauernd krank zu sein und jede Erkältung mitzunehmen. Aus dem Grund ist eine gesunde Menge Schlaf das beste Mittel zur Vorbeugung von Krankheiten, zur Selbstheilung und Regeneration. Die logische Konsequenz ist, dass Müdigkeit dagegen das Immunsystem schwächt und man leichter für bestimmte Krankheiten anfällig ist. Zudem „badet“ der Musiker vor Publikum ja auch regelmäßig in Adrenalin, davon muss man sich auch erst mal wieder erholen.

6.) Im eigenen Rhythmus leben.

Zum Schluss würde ich sagen, lebe in deinem eigenen Rhythmus, nutze deinen Flow und versuch dich nicht in fremde Gewohnheiten oder Erwartungen zu pressen, die nicht deiner Natur entsprechen. Bist du als Frühaufsteher ausgeschlafen und dein Leben funktioniert damit besser, dann bleib dabei und lebe nach dem Sprichwort „Morgenstund hat Gold im Mund“. Bist du hingegen erst später ausgeschlafen, weil du eher ein Nachtmensch bist und deine Leistungskurve damit auch erst etwas später am Tag beginnt, dann lass dich nicht von Sprüchen stressen und mach dein Ding. Denn du weißt ja „der frühe Wurm wird vom Vogel gefressen“. Wie denkst du über das Ausschlafen? Hast du ein schlechtes Gewissen, wenn du es tust, oder musst du deine Lebensgewohnheiten als Musiker manchmal sogar rechtfertigen? Schreib gern einen Kommentar dazu. Vielen Dank, dass du auf musifiziert.de vorbei geschaut hast. Bis bald.

One Response to “Warum man als Musiker besser ausgeschlafen ist?

  • Hallo Sabine, ein Zwiespalt! Einerseits wird das eigene Kind viel zu schnell groß, andererseits freut man sich auf die Jahre, wenn man nicht mehr mit aufstehen muss vor der Schule… Leider ist es wirklich so, dass man in Deutschland als „faul“ gilt, wenn man bis nach 7 schlafen möchte. Da muss man vermutlich einfach an seiner eigenen Einstellung arbeiten, so dass einem das egal ist. Die gesellschaftliche Meinung wird man nicht ändern können. Die im „Hamsterrad“ müssen es sich ja irgendwie schön reden, wenn sie sich im „Morgengrauen“ aus dem Bett quälen müssen um in die Arbeit zu hetzen. So wie „wir Kreativen“ uns schön reden müssen, dass wir meistens wenig Geld und eine eher wackelige Altersversorgung haben (ich verallgemeinere/überspitze hier ein wenig ;). Alles hat nun mal seinen Preis!
    LG Katja

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