Vor- & Nachteile, wenn man als Solokünstler unterwegs ist

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In jungen Jahren wollen die meisten Musiker zunächst in einer Band spielen und haben große Träume und Pläne. Wenn man dann im Laufe der Zeit in verschiedenen Bands zu Hause war, dann hat man auch die Vor- und Nachteile des gemeinsamen Musikmachens kennengelernt. Und umso älter man wird, umso weniger Menschen finden sich scheinbar als feste Band zusammen. Die Interessen müssen eben auch stimmen und mit den persönlichen Verhältnissen kombinierbar sein. Da das nicht immer einfach ist, entscheiden sich einige Musiker, ihren Weg allein weiterzugehen. In diesem Artikel beschreibe ich die Vor – und Nachteile, wenn man solo unterwegs ist.

als Solokünstler unterwegs

Lampenfieber

Nicht allein auf der Bühne stehen zu müssen, ist für etliche Musiker Grund genug, in einer Band zu spielen, statt allein. Auch wenn die anderen Musiker der Band sonst immer anderer Meinung sind, ist man doch gemeinsam stark, wenn es darum geht, auf die Bühne zu gehen. Man kann sich quasi an den Händen fassen und sich als eingeschworener Trupp dem Lampenfieber stellen. Als Solokünstler gehört für viele Menschen doch noch etwas mehr Überwindung und Mut dazu, sich zu trauen. Immerhin wird man „da oben“ ganz allein dem Publikum „ausgeliefert sein“.

Entscheidungen treffen

Wenn man solo unterwegs ist, dann muss man seine Entscheidungen immer allein treffen. Mir persönlich fällt das oft schwer. Niemand hat Einblick in mein Vorhaben und kennt die Details wie ich. Und weil mir daher auch keiner eine Entscheidung abnehmen kann, ist es oft schwer, allein abzuwägen, was „richtig und falsch“ ist. Auf der anderen Seite, muss man nicht erst nachfragen, ob alle anderen mit einer Entscheidung einverstanden sind. Man muss sich nicht rechtfertigen, wenn man einmal eine Entscheidung getroffen hat.

Reflektieren

Wenn man solo unterwegs ist und allein auf der Bühne steht, fehlt am Ende des Tages auch die Möglichkeit, die eigene Leistung aus einer anderen Perspektive zu bewerten. Die eigene Empfindung ist subjektiv. Auch nach langem Reflektieren kommt man nicht immer zu einer objektiven Einschätzung. Vielleicht war man an dem Tag echt gut, hatte aber miese Laune oder es ging einem nicht gut. Und schon schätzt man auch den Auftritt und die eigene Performance viel schlechter ein, als es letztendlich der Fall war. Das Publikum bekommt die Nuancen und möglichen kleinen Fehler kaum mit. Gut ist es dann, wenn Du eine Begleitperson dabei hast, die das auch aus Deiner Sicht beurteilen kann und schon öfter dabei war.

Tolle Erlebnisse

Du kommst nach Deinem Soloauftritt von der Bühne, alles lief super und das Publikum ist begeistert. Aber niemand ist da, um Deinen Kick mit Dir zu feiern. Du stehst da „allein unter Menschen“, versuchst irgendwie für den Moment dazuzugehören, aber kannst mit niemandem Deinen tollen Auftritt auswerten. Als Band hingegen (vorausgesetzt man ist eine Einheit) bekommt man gemeinsame Höhenflüge und das Gefühl wird getragen von den Geschichten, die man sich danach noch lange erzählt. Aber auch innerhalb der Band kann es zu unterschiedlichen Wahrnehmungen kommen. Während der eine Höhenflüge hat, ärgert sich ein anderer beispielsweise über verpatzte Einsätze und neutrale Gesichter im Publikum.

Aufgabenverteilung

Während man sich als Soloact um seinen ganzen Kram alleine kümmert, hat man in der Gemeinschaft als Band, im Idealfall eine faire Aufgabenverteilung. Der eine kümmert sich um die Werbung und Öffentlichkeitsarbeit, der andere schreibt die Songs, ein anderer kümmert sich um Booking und Verträge und ein anderer bringt seine Stärken im Recording mit ein. Wenn Du Solo unterwegs bist, machst Du den Kram allein. – OK, in einer Band kann Dir das auch passieren, wenn nicht alle an einem Strang ziehen. Die meisten erfolgreichen Bands funktionieren jedoch als Team sehr gut, weil auch die Aufgaben gut verteilt sind.

Finanzen

Ein klarer Pluspunkt in der Pro- und Kontraliste ist selbstverständlich der Fakt, dass Du Deine Einnahmen als Solokünstler nicht mit anderen Bandmitgliedern teilen musst. Du kümmerst Dich um alles selbst und bekommst im Gegenzug die kompletten Einnahmen. Das ist doch auch fair!

Termine

Ein weiterer Vorteil, wenn man solo unterwegs ist, besteht meiner Meinung nach in der Freiheit, Termine schnell zusagen zu können, ohne erst mit einer kompletten Band den Kalender abgleichen zu müssen. Besonders wenn Bandmitglieder in mehreren Projekten spielen, ist es schwierig, immer alle Anfragen annehmen zu können. Dass ein Veranstalter nach einer Absage eher nicht noch mal nach einem Auftritt fragen wird, ist sicher bekannt. Als Solokünstler hingegen ist man sehr flexibel und frei in seiner Termingestaltung und kann auch kurzfristige Anfragen annehmen, wenn sie reinpassen.

Unabhängigkeit

Wenn man allein Musik macht, dann ist man natürlich auch in der musikalischen Gestaltung unabhängig. In einer Band hat jeder andere Vorstellungen und Vorlieben. Der musikalische Geschmack ist auf der einen Seite breiter gefächert und das bringt durchaus auch unterschiedliche Einflüsse in die Musik der Band. Auf der anderen Seite ist man allein auch musikalisch flexibel und kann Dinge ausprobieren und Experimente wagen, auf die man sich in der Gruppe nicht immer hätte einigen können.

Jammen

Eindeutiger Nachteil, wenn Du nicht in einer Gruppe musizierst, ist, dass Du nicht mit Deiner Band jammen kannst. Es sei denn, Du hast ein Loopgerät und andere Aufnahmemöglichkeiten, um mit Dir selber Musik zu machen und verrückte Sachen beim Jammen entstehen zu lassen. Doch auch nicht in jeder Band wird gejammt und experimentiert! Kommt eben immer auf die Leute an! Falls Du als Solokünstler doch mal richtig Bock hast, einen Abend gemeinsam zu musizieren, dann verabrede Dich einfach mal mit befreundeten Musikern aus Deiner Region zum unverbindlichen Musikmachen oder besuch eine öffentliche Jamsession in einem Lokal Deiner Stadt.

Ambitionen

Eine Gruppe von Musikern sollte in einem gemeinsamen Projekt auch die gleichen Ambitionen verfolgen. Will beispielsweise einer hoch hinaus und träumt von einem Plattendeal und großen Bandtouren, ein anderer freut sich nur auf die Probe, weil er die Leute so cool findet und im Proberaum gemeinsam quatschen und Bierchen trinken will, dann passt es schon nicht. Wieder ein anderer legt seine Prioritäten vielleicht lieber auf eines seiner anderen Musikprojekte und ein anderer hat keine Zeit, weil die Familie im Rücken sitzt. Wenn sich alle einig sind und das gleiche Ziel haben, ist alles klar. In jedem anderen Fall hat man als Solokünstler deutlich bessere Chancen, seine Ziele auch zu erreichen.

Fazit:

Es hängt immer davon ab, was man will und welche Bandmitglieder man um sich hat. Natürlich verändern sich die Menschen auch im Laufe der Zeit und auch die Ziele sowie Träume sind dann nicht mehr die Gleichen, wie vor zehn Jahren. Das sollte man als Team regelmäßig abchecken. Wenn es irgendwann einfach nicht mehr passt, dann ist es eben so. Und wenn Du trotzdem nicht alleine auf der Bühne stehen willst, eine feste Band aber nicht möglich ist oder nicht infrage kommt, dann besteht auch immer noch die Möglichkeit, sich Musiker einzukaufen und beispielsweise für eine gemeinsame Tour zu buchen. Finanziell sollte man dann gegebenenfalls die Gage der Musiker anpassen und anders kalkulieren, als wenn sie fest in der Band sind und ebenfalls Aufgaben übernehmen. Nicht dass Du am Ende als „Chef“ die ganze Arbeit am Hals hast und die Musiker im Verhältnis mehr verdienen, als Du selbst.

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