Aufnehmen zu Hause

Meistens ist man beim Aufnehmen im Heimstudio auf sich gestellt. Dabei entstehen besonders anfangs manchmal unerwünschte Ergebnisse, die man sich nicht erklären kann. Hier können ein paar kleine Punkte ganz entscheidend sein und zu einer besseren Aufnahme, und damit einem besseren Endergebnis führen. Doch meistens ist niemand da, der uns auf unsere kleinen Fehler aufmerksam machen kann. Deshalb habe ich hier mal ein paar Gedanken zum Aufnehmen im Heimstudio zusammengefasst.

Alleine aufnehmen: keiner da zum Recorden?

Nicht immer hat man im heimischen Studio das Vergnügen, jemanden zur Seite zu haben, der die Aufnahmen startet, sortiert und stoppt. Das geht aber im Zweifelsfall auch allein. Kostet Dich dann eben etwas mehr Zeit, weil Du vom Rechner zum Mikro rennen musst und nach der Aufnahme wieder zurück. Aber mit etwas mehr Vorlauf zum einzusingenden Part geht auch das. Wenn es sich um einfache Demos handelt, wo ich erst mal nur die Gesangsmelodie festhalten will, schnapp ich mir auch einfach mal mein SM58 und singe damit direkt am Rechner ein. Damit habe ich sehr wenig Nebengeräusche (zBsp. vom Lüfter des Rechners) mit drauf. Aber auch mit einem Großmembranmikrofon plus Absorberschirm hält sich das mit den Nebengeräuschen in Grenzen.

One Take

Wenn ich einen Song das erste Mal aufnehme, dann meist komplett in einem Stück. Das ist dann sozusagen mein Orientierungstake, an dem ich anschließend die Marker für Strophe und Refrain etc. setzen kann. Es kommt auch vor, dass der erste Take, in einem durch, so gut und gefühlvoll wird, dass er einfach nicht zu toppen ist. Es ist bei einigen Songs auch so, dass die ersten drei Aufnahmen so gut sind, weil die Stimme noch gechillt klingt oder noch das ursprüngliche Gefühl zum Song drin steckt, dass man direkt diese Takes nehmen könnte. Daher ist es immer zu empfehlen, dass derjenige, der die Aufnahme startet, auch die ersten Takes festhält „wo es noch um nichts geht“.

Partweise aufnehmen

Ansonsten nehme ich gern partweise meine Songs auf. Ich singe dann mehrmals die erste Strophe, dann die Zweite, den C-Teil und meist zum Schluss erst den Refrain. Es werden dabei so viele Takes aufgenommen, bis ich mit dem jeweiligen Take zufrieden bin. Auch gedoppelte Stellen werden dabei gleich aufgenommen bzw. rausgesucht. Hintergrund ist, dass der Refrain oft mehr Energie und Stimme abverlangt. Ich bin nach den Strophenparts also gut eingesungen, um locker den Refrain zu schaffen. Und es ist angenehmer für die Stimme, wenn ich nach einem kräftezehrenden Refrain nicht danach noch einen ruhigen Part singen muss, wo die Stimme entspannt klingen soll. Wichtig beim Partweise-aufnehmen ist, dass man sich nicht im Sound verändert. Also dass man weder den Stimmsound, die Aufnahmeeinstellungen oder den Abstand zum Mikrofon zu krass verändert. Auch die Strophen und den Refrain an unterschiedlichen Tagen aufzunehmen, ist nicht unbedingt zu empfehlen, da man an jedem Tag etwas unterschiedlich klingt. Das hat auch etwas mit dem Gemütszustand zu tun. Mehr zu Gesangsaufnahmen und wie man sich als SängerIn darauf einstellt, findest Du übrigens in meinem Gratis-PDF zum Newsletter auf der Startseite.

Raumklang: wie viel Raum soll man hören?

Für Vocalaufnahmen ist es optimal, wenn man einen Raum zur Verfügung hat, der relativ trocken klingt. Also, der nicht nachhallt und klackernde Echos von sich gibt. Das kann man durch ein paar Klatschtests oder lautes Rufen / Singen sehr einfach herausfinden. Wir alle wissen, eine leer geräumte Wohnung klingt sehr nach Bahnhofshalle oder Badezimmer. Wenn man einen trockenen Raum möchte, dann sind Absorbermatten, also solche Schaumstoffmatten, die man an der Wand befestigen kann bzw. skulpturartige Holzkonstruktionen bei Profis stark gefragt. (Eierkartons bringen übrigens nicht wirklich etwas.) Bei Aufnahmen in den heimischen 4 Wänden hilft aber auch ein großer Teppich auf dem Boden, schwere Vorhänge an den Fenstern, Polstermöbel oder, wie in meinem Video schon gezeigt, übergeworfene Stoffe und Decken über dem Kleiderschrank. Für alle Fans atmosphärischer Aufnahmen, vielleicht habt ihr ja auch den Film „Can a song save your life“ gesehen, – man kann auch ganz bewusst unterschiedliche Raumklänge oder natürliche Umgebungsgeräusche in seinem Song mit aufnehmen. Im Akustikvideo zu meinem Song „Nicht nur“ haben wir beispielsweise auf einem halligen Flur aufgenommen, weil ich den Hall dort so schön fand.

Ich hab da ein Latenzproblem

Besonders als Anfänger kann man mit dem Begriff „Latenz“ nicht unbedingt etwas anfangen. Doch wenn man dieses Phänomen erlebt, ist es wirklich unangenehm beim Singen und lässt eigentlich keine brauchbaren Aufnahmen zu. Stell Dir vor, Du hast Deine Kopfhörer auf, hörst Musik und Klick und willst nun in das Mikro singen, um Deinen Gesang aufzunehmen und Dein Gesang klingt verzögert. Du hörst Dich quasi doppelt. Einmal von außen in Echtzeit und einmal unter dem Kopfhörer leicht verzögert. Auch das kann man durch einen Klatschtest vor dem Mikrofon herausfinden. (Tontechniker klatschen irgendwie lieber, als selber was ins Mikro zu singen.) Das Problem mit der Latenz lässt sich aber beheben, in dem man die Buffersize in den Einstellungen der Soundkarte runterstellt. Zum Beispiel auf 256. Ich schätze mal, dass nur Heimstudios dieses Problem haben, weil man sich meistens nicht die teuersten und besten Rechner und Soundkarten leistet. Aber es ist kein Problem, wenn man weiß, was zu tun ist. Also einfach eine kleinere Puffergröße einstellen.

Mit dem EQ die Aufnahme säubern

Jetzt hat man doch eventuell nicht den besten Raum zum Aufnehmen oder das tollste Mikro oder, oder, oder. Dann lässt sich in vielen Fällen noch viel mit dem Equalizer „retten“. Du kannst mit einem Mehrband-EQ sehr gut Deine Aufnahmen säubern und für den Mix vorbereiten. Zum Beispiel kann man bei Gesangsaufnahmen immer einen Low Cut setzen. Das heißt, man dreht den Bassbereich bis ca. 100 Hz raus. Wenn man kein verrauschtes Mikro hat, dann kann man in den Höhen aber auch etwas dazugeben, um für etwas Brillanz zu sorgen. Zusätzlich kann man auch einige Bereiche im Soundspektrum spitz hochziehen, um nach Frequenzen zu suchen (sweepen), die pfeifen oder koppeln. Diese zieht man dann nach untern. Ein EQ mit Analyser ist dabei besonders für Anfänger ganz gut geeignet, weil man dann auch gleich sieht, was im Frequenzspektrum passiert. Viel mehr mache ich aber mit dem EQ auch nicht. Man kann ja auch viel verwurschteln und dann klingt es vielleicht ungewollt wie Blechbüchse.

Nähe zum Mikrofon

Die Nähe zum Mikrofon entscheidet über den Klang der Aufnahme. Bist Du nah am Mikro, klingt es sehr intim und direkt. Stehst Du weit weg, ist unter Umständen mehr vom Raumklang auf der Aufnahme. Man kann sich aber grob merken: Wenn man leise singt, geht man näher an das Mikro. Und wenn man dann mit den gleichen Einstellungen etwas lauter singt, dann vergrößert man für die lauten Stellen etwas den Abstand. Eigentlich logisch. Und dann ist da ja noch der Popschutz zwischen Mikrofon und Vokalist, der Dir zärtlich die Nase stupst, wenn Du mal wieder mit geschlossenen Augen bei Deinen gefühlvollen Parts zu nah kommst. Ich erschrecke mich da regelmäßig. Optimal ist es, einen Mindestabstand von etwa einer Handbreite zum Mikrofon Abstand zu halten.

Richtig Pegeln

Am wichtigsten ist ein sauberes Eingangssignal, zwischen -12 und -6 db. (Höchstens -6 db) Du solltest Deinen Pegel so einstellen, dass die lautesten Stellen nicht clippen. Sonst hast Du eine verzerrte Aufnahme. Und wer will das schon. Wenn irgendwo was rot aufleuchtet, war es zu laut. Für verzerrte Wünsche gibt es im Nachhinein ja auch noch Distortion-Effekte und Ähnliches. Also gleich zu Beginn die Eingangsläutstärke richtig einpegeln. Sind die Aufnahmen zu leise, kann man sie zur Not auch im Programm normalisieren. (Dadurch werden sie lauter.) Aber damit werden auch ggf. unerwünschte Nebengeräusche auf der Aufnahme lauter. Egal ob für Gesangsaufnahmen oder Instrumentenaufnahmen (wie die Gitarre), vor dem Aufnehmen sollte zu erst der Eingangspegel überprüft werden und dann kann es mit dem Aufnehmen losgehen.

Das waren jetzt mal einige Hinweise fürs Aufnehmen zu Hause. Ich bin selber keine Tontechnikerin, denke aber, dass man diese Dinge als Basiswissen für das Homerecording trotzdem wissen sollte. – Es schadet jedenfalls nicht. Stimmst Du in den Punkten zu oder fällt Dir noch eine Ergänzung dazu ein, dann schreib sie gern in die Kommentare. Ich freue mich, dass Du wieder auf http://musifiziert.de/ vorbeigeschaut hast. Bis bald.

 

 

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