Bist du authentisch oder folgst du dem Trend?

Viele Künstler, die ich für musifiziert.de interviewt habe, gaben jungen Bands und Musikern den Tipp, authentisch zu sein, sich nicht verbiegen zu lassen und das zu machen, worauf sie Lust haben. In Gesprächen mit Menschen, die nicht selber als Künstler auf der Bühne stehen, kam andererseits oft der „gut gemeinte“ Rat, lieber erst mal mit dem Trend zu gehen und wenn es „gut läuft“, könne man ja immer noch sein Ding durchziehen. Zwei gegensätzliche Sichtweisen. Welche ist nun richtig? Jagt man den Trends hinterher und wird dadurch wirklich erfolgreicher? Oder soll man sich selber treu bleiben und erreicht damit vielleicht langfristig gesehen mehr? Genau das habe ich mich auch gefragt und werde die Gedanken dazu mal etwas aufdröseln.

Trend oder authentisch

Die passende Rolle finden

Wir schlüpfen in unserem Leben permanent in Rollen, wenn wir mit anderen Menschen zu tun haben. Das passiert oft unbewusst, aber es passiert. Wenn wir auf den alten Schulfreund treffen, der immer einen Kopf kleiner war oder wenn wir mit einem Vorgesetzten reden, genauso wenn wir der lieben Mutti im Haushalt helfen. Auf Arbeit bist du der Held, weil du die Verkaufszahlen nach oben getrieben hast, am Abend der Getadelte, weil du beim Waschen die rote Socke zwischen den weißen Hemden in der Wäsche vergessen hast. Wir stecken immer in Rollen drin. Und dass auch auf der Bühne. Unsere Aufmachung und unsere Songs bestimmen dabei auch unser Auftreten mit. Wenn man sich in einer Rolle wohlfühlt, dann blüht man auf und ist zu Bestleistungen bereit.

Paradiesvogel im Korsett?

Was aber, wenn man sich gar nicht für die Rolle im paillettenbesetzten Abendkleid gemacht fühlt oder sich mit der Rolle als Entertainer bei der Aprés Ski – Party mit den „schönsten Liedern der deutschen Schlagerszene“ einfach nicht wohlfühlt? Was, wenn man statt seichtem Pop eigentlich harten Rock spielen will oder umgedreht, statt in der Death Metal Band gern im Musical das Publikum verzaubern will? – Vielleicht lässt du dich dann schneller verunsichern oder vielleicht ist es dir gerade dann egal, wie deine Performance ankommt. In jedem Fall ist es ein Kompromiss.

Wenn sich die Chance bietet…Los!

Sollte sich die Gelegenheit bieten, mal etwas Neues zu probieren oder du hast ein super Angebot bekommen, welches du nicht ablehnen solltest, dann ist es womöglich einfacher, mit dem Kompromiss auch Erfolg zu haben. – Auch wenn der nicht deiner „Lieblingsrolle“ entspricht. – Zumindest kurzfristig. Eine Zusammenarbeit mit einer großen Berühmtheit schlägt man wohl nicht einfach so aus, selbst wenn man nicht unbedingt Fan der Person oder des Genres ist. Auch ein guter Plattendeal hat schon Leute dazu bewogen, Schlager zu singen, obwohl sie eigentlich eher ernstere Musik machen wollten. Alles kein Problem! Wenn die Chance da ist und es läuft, dann ist man noch eher dazu bereit. – Vorausgesetzt man kann es mit seinem Gewissen vereinbaren.

Von Null an

Wenn man aber sowieso noch am Anfang steht und noch keine „großen Chancen“ in Aussicht stehen, dann sollte man es vielleicht erst einmal mit dem versuchen, wofür man selber brennt. Die eigene Lebenszeit ist nicht unendlich. Warum Zeit mit Dingen verschwenden, die man selber gar nicht will? Und immerhin kann man mit seiner eigenen Begeisterung auch andere Menschen anstecken. Zudem gibt es keine Garantie dafür, dass man wirklich erfolgreicher wird, nur weil man gerade auf einen Trend aufspringt. Der Faktor für Erfolg liegt meistens eher in den Kontakten und, wie man in der Branche immer wieder hören kann, eben bei der Authentizität!

Das Problem bei Trends: …husch, sind sie wieder weg.

Als Künstler, der nicht bei marktbestimmenden Labels unter Vertrag ist, ist man oft auch zeitlich etwas „hinterher“. Dann, wenn die Trends entstehen (oder festgelegt werden) und die ersten Songs dazu im Radio laufen, müsste man eigentlich schon mit seinem Werk parat stehen. Doch eh sich der Trend auch als solcher zu erkennen gibt, vergeht zum einen Zeit. Zum anderen fängt plötzlich „Jeder“ damit an und will auf der Erfolgswelle mitsurfen. Als plötzlich Dubstep permanent im Radio und in der Werbung zu hören war, schien das plötzlich als Nonplusultra im Mainstream. Und dann war der Hype in dem Ausmaß auch schnell wieder vorbei. Als unabhängiger Künstler braucht man für die Produktion seiner Songs mitunter sehr viel länger, als die Industrie vorlegt und da ist die Vorbereitung für den Release und das Marketing nicht mal mit eingerechnet. In der Zwischenzeit ist der Trend auch schon wieder vorbei. Es sei denn, man produziert bereits auf Verdacht etwas vor, was sich eventuell noch als Trend abzeichnen könnte. 😉

Du machst es ja auch für dich!

Außerdem steht auch noch die Frage aus, ob man dir das, was du tust, auch abkauft. Bist du mit Deiner Rolle auf der Bühne glücklich? Machst du die Musik, die dich selber begeistert? Tust du das, wovon du immer geträumt hast? – Wenn du diese Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, dann wirst du auch vor der vielen Arbeit, die auf dich zukommt, nicht zurückschrecken. Du wirst nicht darüber nachdenken, wie viel Zeit du schon investiert hast. Selbst, wenn du nicht in den Charts landest, „reich und berühmt“ wirst, wirst du mit Erfüllung weitermachen können, und so nach und nach immer mehr Leute von deiner Musik überzeugen können. Einfach, weil du darin „strahlst“.

Wenn du tust, was du liebst,…

…wirst du nicht insgeheim denken: „Wann ist es endlich vorbei?“ oder „Nur noch diese eine Bierzeltmugge und dann steig ich aus!“ – Denn wer auf der Bühne keinen Bock mehr hat, weil er etwas tut, wozu er mal überredet wurde, weil es gerade „mega viel Geld“ bringt oder weil es mittlerweile (oder unter den Bedingungen) einfach keinen Spaß mehr macht, der strahlt natürlich auch seine Unlust aus. Die lässt sich wiederum nur verbergen, wenn genug Energie vorhanden ist. Und Energie entsteht durch eigene Motivation. Woher die Motivation nehmen, wenn es dir selber keinen „Mehrwert“ bietet? Musik ist Emotion und kein „Nullachtfünfzehn“-Job!

Wenn du es selber noch nicht weißt…

Es gibt aber auch noch den Fall, dass man selber noch gar nicht weiß, in welche Richtung man will. Vielleicht ist man noch jung oder steckt noch in der Selbstfindung und möchte erst einmal ganz viel ausprobieren, um sagen zu können, was davon am meisten Spaß macht. Dabei kann man gut über sein eigenes Bauchgefühl feststellen, was sich für einen selber „richtig“ anfühlt und was vielleicht doch nicht so „passt“. Das Schwierige dabei ist lediglich, sich nicht von den Meinungen anderer beeinflussen zu lassen. Auch wenn dein Opi noch so sehr auf Volksmusik steht, wenn du lieber Reggae oder Hip-Hop machen willst, weil es einfach dein Ding ist, dann lässt du dich doch davon auch nicht abbringen. Oder?

Das Eine muss das Andere nicht ausschließen.

Fast vergessen: vielleicht bist du ja auch mit dem, was du machst gerade voll im Trend UND es macht dir Spaß. Na das nenn ich mal Glück! Dann bist du nämlich nicht nur angesagt, sondern auch noch authentisch. Beste Voraussetzungen also für Erfolg! Dann solltest du möglichst keine Zeit vergeuden und versuchen, mit deiner Musik den nächsten Schritt zu wagen, bevor der Trend möglicherweise wieder abebbt.

Was denkst du?

Bist du der Meinung, dass man sich nicht verbiegen lassen sollte und das tun sollte, womit man selber Spaß hat, um auch authentisch zu sein? Oder glaubst du, dass man auch in einer Rolle, die nicht unbedingt den eigenen Vorstellungen entspricht, die Menschen überzeugen kann oder damit sogar schneller erfolgreich wird? Ich bin gespannt, was du dazu meinst. Schreib es gern in die Kommentare. Vielen Dank, dass du auf musifiziert.de vorbei geschaut hast. Bis bald.

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