Halbplaybacks: Musik „vom Band“ statt Rockband

Die Entscheidung, ohne Band oder Instrument aufzutreten und sich stattdessen live von einem Halbplayback begleiten zu lassen, kann unterschiedliche Gründe haben. Zum einen war vielleicht nicht genug Zeit, neue Musiker einzuarbeiten, um einen bestimmten Gig zu spielen. Oder es ist einfach technisch / organisatorisch nicht möglich, im Ablauf der Veranstaltung eine komplette Band unterzubringen. Musikermangel kann natürlich auch ein Grund sein. Es können auch finanzielle Gründe dahinter stecken, wenn man ohne große Band auf der Bühne steht und zum Halbplayback performt. Immerhin sind nicht überall üppige Gagen möglich. Doch welche Möglichkeiten gibt es, mit Halbplayback zu arbeiten und was ist dabei zu beachten?

Halbplaybacks

Im Volksmusik & Schlagerbereich, zum Beispiel bei Stadtfesten, kann man sehr oft den Einsatz von Playbacks und Halbplaybacks beobachten. Hübsche Sängerinnen stehen oft einsam auf einer riesigen Bühne und versuchen das Publikum allein durch ihre Performance zu überzeugen. Aber auch in anderen Genres oder bei Shows im Fernsehen ist das gängige Praxis. Vom Sound her bringt die Arbeit mit Halbplayback mitunter einen großen Vorteil. Der Nachteil liegt eher darin, dass man Tempo und Abläufe der Songs nicht spontan während des Auftritts verändern kann, falls man mal seinen Einsatz verpatzt hat. Aber das ist etwas, was man zum Glück üben kann.

Instrumentale auf CD oder USB-Stick

Wenn du zum fertigen Instrumental live singen willst, müssen dem zuständigen Techniker vorab die Halbplaybacks (die Instrumentalmusik als Stereodatei) vorliegen, wenn er diese starten soll. Man kann dafür eine CD oder einen USB-Stick vorbereiten. Ich empfehle, beides parat zu haben. Bei größeren Shows kann man dem zuständigen Techniker auch bereits im Vorfeld die Dateien per E-Mail zusenden. Man muss nur darauf achten, dass man die Richtigen versendet! Und man sollte sichergehen, dass der Techniker die Dateien wirklich zum Auftritt dabei hat. Besser immer ein Back-up mitnehmen.

Genug Vorlauf für den perfekten Einsatz

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich nur empfehlen, einen Titel für den Beginn des Auftritts zu wählen, der genug Vorlauf hat, bevor du einsetzen musst. Stell dir vor, du wirst angekündigt, der Titel wird bereits gestartet, aber du bekommst gar nicht richtig mit, an welcher Stelle der Song bereits läuft, weil der Applaus lauter ist, als beim Soundcheck erwartet. Wenn dann zu wenig Takte Vorlauf sind, dann kann es passieren, dass du zu spät einsetzt. Einen Titel mit kürzerem Vorlauf oder sogar direktem Einsatz würde ich demnach eher mitten im Konzert spielen – oder sowieso mit In-Ears statt mit Monitorboxen arbeiten, wenn irgendwie möglich. Es ist zum Verzweifeln, wenn man live das Instrumental oder die eigene Stimme nicht hören kann und somit das Gelingen des Auftritts gefährdet ist. Wobei natürlich hauptsächlich die Beschallungstechnik und das Monitoring dafür entscheidend sind! – Ein guter Techniker ist dabei nicht ganz unwichtig…

Richtige Bezeichnung der Titel

Achte bei der Arbeit mit Halbplaybacks auf die richtige Bezeichnung der Titel und Tracks, wenn du sie vor dem Konzert an den Techniker übergibst. Es ist schon ziemlich peinlich, wenn der angekündigte Song nicht der Titel ist, der auch gerade gestartet wird. Am Besten legst du dem zuständigen Techniker auch eine aktuelle Titelliste vor.

Klick

Manche Titel haben ruhige Stellen, in denen kein Beat mitläuft. Besser fürs Timing, und wenn du deinen Einsatz nicht verpassen möchtest, ist mit Klick zu arbeiten, egal ob du dabei ein Instrument zum Halbplayback spielst oder ob du singst. Wer mit einer Band ein Halbplaypack begleiten will, kommt um einen Klick wohl auch kaum herum. Welche Möglichkeiten es dabei gibt, verrate ich gleich. Kannst du für deinen Auftritt nur ein Stereosignal (MP3/WAV) nutzen, dann würde ich vorab in der Produktion noch eine Hi-Hat oder einen Shaker oder Ähnliches an den ruhigen Stellen einbauen. So kommst du auch ohne Klick nicht aus dem Takt.

Laptop & Interface

Etwas mehr Aufwand, aber auch mehr Möglichkeiten hat man, wenn man live mit einem Laptop (auf dem die DAW läuft) & Interface arbeitet. Man kann sich darüber zum Beispiel einen eigenen Monitorsound machen, auch mit Klick. Es ist möglich, bei Bedarf einzelne Spuren im Track zu muten oder auch durch Liveinstrumente zu ersetzen. Man kann vorab einen brauchbaren Mix machen. Mit genug Ein- und Ausgängen am Interface kann man aber auch sämtliche Spuren oder Instrumentengruppen einzeln an den Techniker am FOH rausgeben, damit er live einen guten Mix machen kann. Das hat den Vorteil, dass man den Sound den örtlichen Gegebenheiten gut anpassen kann. Bei Auftritten mit wenig Vorbereitungszeit für Soundcheck etc. empfiehlt es sich auch, mit eigenem Techniker anzureisen, der bereits bei Proben eingearbeitet wurde und die Musik gut kennt.

Live-Player / Sequenzer

Statt Laptop & Interface gibt es auch Live-Player / Sequenzer, die alle Einzelspuren rausgeben können und per Knopfdruck gestartet werden können. Die entsprechenden Spuren und Dateien müssen dafür auf dem Speichermedium des Geräts vorliegen. Hier ist jedoch etwas Vorarbeit nötig, denn alle Spuren müssen vorab vom Rechner exportiert bzw. aus dem Projekt der Songproduktion rausgerendert werden. Auch einen Klicktrack könnte man sich damit aufs Monitoring geben. Diese Geräte wurden extra für den Liveeinsatz entwickelt. Für alle, die also Angst vor einem Rechner- oder Softwareabsturz im Konzert haben oder keinen Laptop für live verwenden wollen, ist so etwas eine gute Alternative.

Beispiel: Cymatic Audio Live Player LP-16

Loopgerät

Als Solokünstler kann man auch mit einem Loopgerät viele coole Sachen beim Liveauftritt einbauen. Dabei kann man sowohl spontan Gesangsparts oder Instrumentales loopen, als auch abgespeicherte und vorbereitete Elemente abspielen. Auch damit könnte man also Musik „vom Band“ einbringen. Jedoch kann man, soweit ich weiß, nur eine Stereosumme an den Techniker rausgeben. Damit besteht seinerseits auch da wenig Handlungsspielraum im Livemix.

Halbplaybacks – wie das aussieht…

Das Arbeiten mit Halbplayback hat schon seine Reize. Wenn man als Band zusätzliche Sounds „vom Band“ beisteuert, kommt man unter Umständen näher an den Sound, den die Fans vom Album gewohnt sind. Auch wenn man als Einzelkünstler mit Halbplayback auf der Bühne steht, wird man die fehlenden Livemusiker akustisch nicht vermissen. Jedoch sollte man sich darüber bewusst sein, dass bei einer Liveshow auch optisch viel zum Überzeugen des Publikums relevant ist. Manche Künstler nutzen dafür Licht- und Videoshows. Andere setzen auf Pyrotechnik oder Tänzer. Und wieder andere kaufen sich Statisten ein, die auf der Bühne den Livemusiker „spielen“ und die Bühne rocken, ohne dass man sie dafür wirklich hören muss. Das Auge „isst“ halt mit!

Video-Tipp: „Aus dem Studio auf die Bühne“

http://www.musotalk.de/page/2/video/aus-dem-studio-auf-die-buehne/

Nutzt du vielleicht auch Halbplaybacks für deinen Auftritt? Wie spielst du diese dabei ab? Von einem Rechner mit Interface oder einem Sequenzer / Live-Player von der Bühne aus? Oder übergibst du dem Tontechniker im FOH deine Musikdatei als Stereospur, die er von dort aus startet. Welche Erfahrungen hast du damit bisher gemacht? Schreib es gern als Kommentar. Ich freue mich, dass du auf musifiziert.de vorbeigeschaut hast. Bis bald.

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