Keine Idee beim Songtexten?

Ich werde hin und wieder gefragt: „Wie fallen Dir immer die tollen Texte Deiner Lieder ein? Gibt es da besondere Tricks?“ Oder auch: „Ich will einen Song schreiben, aber mir fällt nix ein…“ Diese Anfragen häufen sich zurzeit bei mir. Und somit habe ich mir mal Gedanken zum Thema gemacht und versuche in diesem Artikel ein paar Hilfestellungen zu geben. Wenn Du also einen Songtext schreiben willst, Du aber vor Deinem weißen Blatt sitzt und Dir trotzdem einfach nichts einfallen will, dann könnte Dir dieser Artikel vielleicht weiterhelfen.

Songwriting

Das weiße Blatt

Zunächst baut so ein weißes Blatt ziemlich viel Druck auf und ist vielleicht nicht die ideale Grundlage, wenn man schreiben will. Mir persönlich kommen die meisten Ideen tatsächlich dann, wenn ich gar nichts zum Schreiben parat habe. Oft zum Beispiel unter der Dusche, weil ich da „loslassen“ kann und es wahnsinnig entspannt. Oder auch, wenn ich mich gerade bettfertig mache und dann eigentlich das Licht ausmachen will. Also nimm erst mal den Druck aus der Angelegenheit und versuch Dich zu entspannen – ohne weißes Blatt, auf dem sofort ein toller Text stehen muss!

Worte formen und reimen

Wenn Ideen entstehen, dann meist in Form von einem ersten Satz. Wenn sich nicht gleich mehrere Sätze „anstauen“, dann versuche ich auch schon passende Wörter zu finden, die sich auf das Endwort im Satz reimen. Wie im Artikel „7 nützliche Tools für Songwriter“ beschrieben, kann man zur Reimsuche auch ein Reimlexikon nutzen. Manchmal schreibe ich aber auch gleich alle Sätze oder Phrasen auf, die mir zum Thema auf der Zunge liegen. Wenn es einmal sprudelt, dann sollte man einfach alles aufschreiben und ja nichts zurück halten. Diese Sätze und Phrasen ordne ich mir dann später und baue sie entsprechend um, sodass sie sich auch reimen. Anderenfalls füge ich zusätzliche Hilfssätze ein, die dann dafür da sind, damit sich der Text am Ende reimt. Diese Sätze müssen dann nicht so bedeutungsvoll sein.

Was aber, wenn man texten muss?

Manchmal schreibe ich Songs im Auftrag und dann habe ich einen Zettel mit allen Stichpunkten zum Inhalt vor mir liegen. Dieser wirkt dann mehr wie ein Protokoll und ich muss erst mal einen Anfang finden. Ich suche mir daraus also zunächst die bedeutungsvollen Teile raus und übernehme Stichpunkte entweder eins zu eins oder denke mir (möglichst kurze) Sätze dazu aus. Die wichtigen Teile auf dem Stichpunktzettel markiere ich mir oder schreibe sie gleich in ein extra Dokument. Und dann fahre ich wieder so fort, dass ich die Satz- bzw. Phrasenlänge meiner Auswahl anpasse. Aber nicht immer hat man einen „reinen“ Reim und ein exaktes Versmaß. Da versuche ich dann wie folgt, einen einheitlichen Rhythmus beim Sprechen zu finden.

Jonglieren mit Wörtern

An einigen Stellen ist es hier clever, eine Atempause zu lassen, ein Wort vorzuziehen oder die Betonung dahingehen zu ändern, dass sich der Rhythmus verändert. Dazu kann man sich ein Metronom (Klick) laufen lassen oder im Takt mitklatschen. Ich experimentiere mir den Wörtern, Silben und der Betonung so lange, bis es passt. Passt ein Wort nicht rein, suche ich, wie im Artikel „7 nützliche Tools für Songwriter“ ebenfalls beschrieben, auch nach Synonymen und tausche Wörter aus. Das empfiehlt sich auch, wenn sich Wörter im Text zu oft wiederholen.

Mir fällt aber kein Thema ein…

Falls man nun aus irgendeinem Grund einen beliebigen Song schreiben „muss“, dann sollte man sich hinsetzen und doch mal alle Themen auf ein Blatt schreiben, die einen zurzeit beschäftigen. Zu jedem Thema sollte man sich auch ein Bild im Kopf ausmalen und sich möglichst detailliert vorstellen, wie man mit jemandem darüber reden würde oder wie man jemanden davon überzeugen könnte. Dazu kann man Stichpunkte machen. Besonders stark wird ein Thema, wenn man die Gefühle dazu beobachtet, herauskristallisiert und diese gleich mit zu dem entsprechenden Thema auf das Blatt schreibt. Wenn man nun mehrere Themen aufgeschrieben hat, dann ist ein Thema natürlich immer besonders stark. Das Thema, zu dem Du die stärksten Gefühle wahrnimmst und zu dem Du die meisten Bilder im Kopf hast, ist dann das perfekte Thema für den Song.

Wenn die Inspiration fehlt…

Fehlt Dir einfach die Inspiration, Dir Themen zu überlegen, dann mach Dich im Kopf frei und tue etwas „Neutrales“. Geh eine Runde Spazieren, mach den Abwasch, hör etwas Musik oder lies etwas Schönes, triff Dich mit Leuten, telefoniere oder male. (Fernsehen hilft jedoch dabei nicht unbedingt.) Irgendwas zur Ablenkung eben, was den Kopf frei macht. Sport vielleicht? Genau in solchen Momenten kommt einem genau der Geistesblitz zu einem Song, auf den man die ganze Zeit „gewartet“ hat. Man merkt, dass man plötzlich anfängt, unbewusst Formulierungen zu bilden und Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Jedenfalls mir geht es dabei so, wenn ich merke „der Song kommt“.

Zwing Dich…

Wenn die Idee zum Thema da ist, dann setz Dich hin und zwing Dich zum Schreiben! Stell Dir Deinen Wecker auf 10 oder 20 Minuten und nimm Dir dafür Zeit. Schreib irgendwas zum Thema auf. Stichpunkte, Sätze, Phrasen – und versuche aus den Worten einen Songtext zu formen. Du solltest Dich in dieser Zeit von Nichts und niemandem ablenken lassen. Oft muss man nur anfangen und dann kommt die graue Masse in Bewegung. Wenn Du nach der eingestellten Zeit merkst, dass Du in Fahrt gekommen bist, dann schreib weiter, solange Du kannst. Auch wenn Du kurz vor dem Ziel merkst, dass Dir die Puste ausgeht und Du eigentlich gern aufhören möchtest. Zwing Dich dann trotzdem bis zu einem bestimmten Zeitpunkt (den Du selber einschätzen und vorab festlegen solltest) dran zu bleiben.

Sei aber nicht zu streng mit Dir!

Merkst Du allerdings gleich nach den ersten 10 bis 20 Minuten, dass Du Dich einfach nicht auf das Thema einlassen kannst, weil die Konzentration weg ist oder Dich andere Sachen beschäftigen, dann hör fürs Erste auf. Entweder bist Du dann für heute ausgepowert und brauchst neue Energie oder einfach Ruhe. Oder Du nutzt einfach das Thema, was Dich gerade mehr beschäftigt. Doch sei nicht zu streng mit Dir. Songtexte zu schreiben, ist eine kreative Arbeit. Und Kreativität lässt sich nicht immer erzwingen. Besonders wenn man sich wie ausgebrannt fühlt oder auch mal eine „emotionsflache“ Phase erwischt.

Lieber wenig geschrieben, als Nichts.

Wenn Du beim Texten nicht die Fülle an Sätzen und Phrasen erreichst, die Du Dir vorgenommen hast, dann verzage nicht. Notiere Dir trotzdem alles sehr gut, speichere Deine Ideen ab oder sammle sie in einem kleinen Buch. Oder nimm sie im Handy oder so auf. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man darin wieder kramt. Und manchmal kann man daraus auch alte Ideen aufgreifen, sie ergänzen oder sogar mehrere angefangene Texte zu einem verknüpfen. Vorausgesetzt es passt inhaltlich. Also nutze Dein Archiv an Ideen und bediene Dich daran, wann immer Du es brauchst oder Dir Ideen fehlen. – Auch wenn das nur kurze Ideen zu Sätzen oder Stichpunkten sind.

Fazit:

Die meisten Songschreiber schreiben ihre Songs sicher auch eher dann, wenn sie sowieso einen Einfall haben. Das mache ich bei meinen eigenen Songs ja auch zum größten Teil so. Da fliegen mir die Ideen eher zu. Aber es gibt auch die anderen Situationen, wo man eben dringend eine Idee braucht. Ich hoffe, ich konnte mit meinem Artikel ein paar Anregungen geben, wie man auch noch an das Texten rangehen kann. Falls Du dabei ganz anders vorgehst oder noch Ergänzungen oder Vorschläge hast, dann schreib es gern in die Kommentare. Ich freue mich, dass Du wieder auf musifiziert.de vorbei geschaut hast. Bis bald.

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