Musikgenre – Finde als Künstler deine Nische!

Wenn du Musik machst, wurdest du bestimmt schon mal gefragt, was das für Musik ist. Manche Künstler tun sich nicht schwer damit, sich festzulegen, welche ihre Richtung ist und wo man sie einordnen soll. Andere hingegen, zu denen ich mich auch zähle, probieren noch viel aus, haben viele Einflüsse und wollen sich eigentlich gar nicht so richtig festlegen, wenn es um das Genre geht. Trotzdem möchte man seine Musik vermarkten und dem richtigen Publikum präsentieren. Außerdem will man seine Musik vielleicht digital und physisch verkaufen und einem Vertrieb übergeben. Spätestens dann muss die Musik einem Genre zugeordnet werden. Zu diesem Thema machen wir uns hier mal ein paar Gedanken.

Musikgenre Finde deine Nische

Das große Obergenre

Die Frage nach dem Genre kommt auf, sobald man sich als Künstler im Internet präsentiert und auf diversen Plattformen positionieren möchte. Dabei stehen oft unterschiedliche Hauptrichtungen zur Auswahl. Die Gängigen wie beispielsweise Pop, Rock, Metal, Schlager, Elektro, Indie, Alternativ, Klassik, Hip-Hop usw. sind dabei üblich. Und das ist auch der erste Schritt. Man sollte zunächst ein bis zwei Hauptrichtungen für sich festlegen können, um dann zu schauen, wie man seine Musik noch detaillierter beschreiben könnte. Denn man kann das Genre noch weiter eingrenzen und definieren, sogar bei einigen Musikanbietern und Musikplattformen. Was das bringt?

In welchem Musikgenre-Becken schwimmst du?

Stell dir vor, du bist ein kleiner Fisch in einem Ozean vieler kleiner Fische und der Ozean heißt Pop-Musik. Es wird sehr schwer sein, als kleiner Pop-Act von vielen dort aufzufallen und sich auf dem Markt durchzusetzen. Nun stell dir mal vor, du bist der größte Fisch in einem kleinen Teich, in dem nur wenige Fische schwimmen. Dieser Teich ist ein Vergleich für (d)eine Nische und dort findet man noch Musikliebhaber, die nach wie vor Geld für Musik ausgeben, aber auch sogenannte „Superfans“, die praktisch alles von ihrem „Star“ kaufen. Du wirst als der größte „Fisch“ neben sehr wenigen anderen in diesem kleinen Bereich sehr viel besser wahrgenommen und hast demzufolge auch mehr Einfluss auf deinen Erfolg. Wie könnte diese Nische nun heißen und aussehen?

Das hätte ich vorher wissen müssen…

Ich hatte mir, als ich mein erstes Album fertig hatte, auch erste Gedanken darüber gemacht. Mal abgesehen davon, dass ich dieses Album heute anders machen würde, hatte ich trotzdem die Idee, es in der „Deutsch-Pop“ Ecke zu platzieren. Witzige Geschichte dazu: Als ich das Album bei dem digitalen Vertrieb meiner Wahl einreichte, gab ich demzufolge als Genre „German-Pop“ an. Als der Tag der Veröffentlichung da war, wär ich jedoch am Liebsten im Erdboden versunken. Denn nichts ahnend wurde mein Album auf iTunes plötzlich in der Kategorie „Schlager“ platziert.

Was für eine Schande! „Peinlich!“, dachte ich mir. Die Bezeichnung „German-Pop“ wurde mit „Schlager“ übersetzt. Aber woher sollte ich das wissen? Ich kontaktierte den Vertrieb und lies das Genre in „Pop“ ändern. Schlagerfans könnten mit meiner Musik nicht viel anfangen, und im Bereich „Pop“ würde man meine Musik in den Onlineshops sonst auch nicht finden. Die Änderung klappte zum Glück aber recht schnell. So schwimmt mein kleines Album also trotzdem neben ganz vielen anderen im „Becken“ der allgemeinen Popmusik.

Ja, aber…?

Vielleicht sagst du jetzt „Ja, aber die Stars im Radio haben ja auch keine kleine Nische. Und die sind erfolgreich im großen Schwimmbecken.“ – Stimmt! – Und die haben auch noch ganze Abteilungen im Rücken. Es wirken also viele Leute mit. Oft ein großes Team an Experten, welches durch mächtige Marketingkampagnen die nötige Werbung macht und so die Aufmerksamkeit auf den Künstler richtet. Als kleiner „Ich-mache-alles-selbst“-Künstler hat man das ja nicht. Trotzdem gibt es weniger bekannte Künstler, die im „kleinen Becken“ genug Fans haben, um ihre Musik allein zu vermarkten, zu verkaufen (…und sogar davon leben können.). Klar, wer noch genug Geldscheine oben drauf packt, kann auch so einiges erreichen! Aber wir gehen mal davon aus, dass wir diese Mittel nicht haben.

Definiere deine Nische

Wir haben als Künstler bessere Chancen, eine Fanbase und Community um unsere Musik aufzubauen, wenn wir eine bestimmte Nische bedienen. – Etwas, was nicht jeder macht! Wir überlegen uns also, nachdem wir nun qualitative Musik erschaffen haben, was ist daran anders? Sind es die Instrumente? Spielst du vielleicht Rock mit mittelalterlichen Instrumenten? Oder bist du eine tanzende Geigerin, die zu elektronischer Musik abgeht? Vielleicht singst du in Fantasiesprache zu epischer Musik? Oder bist du der König düsterer Gesänge und bevorzugst schwarze Kleidung? – Ich bin mir sicher, dir fallen sofort Künstler als Beispiel ein, die schon ihre Nische gefunden haben, damit auffallen und somit einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erreicht haben.

Besonderheit hervorheben

Sobald man weiß, was „das Besondere“ an der eigenen Musik ist, versucht man die Besonderheit hervorzuheben. Man weiß zukünftig dadurch genau, welches Element oder welchen Effekt man einsetzen muss, um weiterhin dieser Nische treu zu bleiben. Eine Künstlerin aus dem Celtic-Rock Bereich setzt beispielsweise also eher auf Harfe statt Klavier. Falls es dir schwerfällt, über Jahre immer „das Gleiche“ zu machen, dann könntest du auch versuchen, pro Album eine Nische zu finden. Trotzdem wird es bestimmt eine entscheidende Zutat deiner Musik geben, die sich wie ein roter Faden durch deine Songs zieht. Das ist dein „Oberthema“ oder auch dein Wiedererkennungsmerkmal. Im Marketing wird auch gern der Begriff „Alleinstellungsmerkmal“ / „USP“ genannt.

Muss das sein?

Ich muss zugeben, mich schreckt das Thema „Alleinstellungsmerkmal“ auch sehr ab. Man macht Musik und kann sich selber vielleicht gar nicht so richtig einschätzen und beurteilen. Und dann soll man wissen, was das Besondere und Einzigartige daran ist? Um Gottes Willen. Aber, da wir als „Ich-mache-alles-selbst“-Künstler eben auch Marketingexperte sein müssen bzw. sein sollten, wenn wir uns selber vermarkten wollen, führt kein Weg daran vorbei, sich dazu mal Gedanken zu machen.

Bei dieser Frage können schon mal Wochen, Monate und Jahre ins Land gehen, bis du mit überzeugender Sicherheit, sagen kannst, was dich als Künstler denn letztendlich ausmacht. Bis dahin irrt man etwas unentschlossen umher. Beschreibungen und Definitionen auf Plattformen und Seiten werden alle paar Monate geändert, weil man jedes Mal denkt „Das isses jetzt!“ und letztendlich geht nach kurzer Zeit der ganze Spuk von vorne los. Doch es lohnt sich dranzubleiben und von Zeit zu Zeit abzuchecken, was man da eigentlich macht und warum es jemand gut finden sollte.

Folgende Fragen können bei der Suche nach der eigenen Nische hilfreich sein:

  • Welche Instrumente verwende ich hauptsächlich?
  • In welcher Sprache schreibe ich meine Songs?
  • Was ist am Gesang besonders?
  • Was ist am Inhalt der Songs besonders? Worum geht es in der Musik?
  • Welche Menschen fanden es (außer Familie und Freunde) bisher gut und warum?
  • Woran erinnert die Musik?
  • Welche Emotionen weckt diese Musik?
  • Welche Kombination in meiner Musik ist ungewöhnlich?
  • Gibt es andere Künstler, die ähnlich klingen? Wie definieren sie ihre Musik?
  • Was ist typisch für das Genre, was ich vorgebe zu machen?

Fazit:

Das ist ein echt schwieriges Thema, was mitunter viel Zeit in Anspruch nehmen kann! Hilfreich sind dabei gegebenenfalls kompetente Einschätzungen von außen. Nicht immer trifft man mit seiner Selbsteinschätzung den Nagel auf den Kopf. Doch wenn man eine Nische gefunden hat und sich dort etablieren kann, dann hat man die wohl beste Voraussetzung für eine fundierte und treue Fanbase, die das Angebot an Musik und Merch dankend annehmen wird. Wie ist das bei dir? Hast du schon eine Nische gefunden und wie hast du das geschafft? Oder bist du auch noch mit dieser Frage beschäftigt? Schreib gern einen Kommentar dazu. Ich freue mich, dass du auf musifiziert.de vorbei geschaut hast. Bis bald.

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