Nachgefragt bei Bernd Harmsen

Bernd Harmsen ist Textdichter für verschiedene Musikprojekte, aber in eigener Sache auch Songwriter sowie Musiker. Hauptsächlich textet er für Rock- sowie Popmusik, spielt selbst aber am Liebsten Rockmusik oder seit neuestem auch Folk bei Liveauftritten. Beim Songwriting und Produzieren seiner Songs zu Hause hat er über viele Jahre Erfahrungen gesammelt. Wie er es schafft, dass dabei so schnell neues Material entsteht und worauf er Wert legt, verrät er in den folgenden Zeilen. Über sich als Musiker sagt er:

„Ich bin drei: Rock Bernd, Folk Bernd und Bernd, der Texter.“

Bernd Harmsen

© Foto: Bernd Harmsen

10 Fragen an Bernd Harmsen

1.) Seit wann machst du Musik?

Bernd Harmsen: „Ich „bastle“ – das kann man nicht anders nennen – seit ca. 20 Jahren eigene Songs am Computer, und schreibe seit 16 Jahren Songtexte für andere. Meine ältesten und treuesten Kunden sind die Jungs von „MotorPlanet“, einer Blues- / Hardrockband aus Bremerhaven, seit ein paar Jahren auch mit Frontfrau.“

2.) Womit fängst du beim Songwriting an?

Bernd Harmsen: „Für MotorPlanet und einige andere Partner schreibe ich Texte auf deren Musik. Ansonsten schreibe ich viele Lyrics „einfach so“ und biete sie zur „freien“ Nutzung an, also für Hobby-Projekte, die dann oft im Internet veröffentlicht werden. So kommt es, dass es manchmal drei oder vier verschiedene Songs gibt, die denselben Text benutzen. Bei Texten ohne „Auftrag“ lege ich meistens eine Standard-Songstruktur zugrunde: Verse – Verse – Chorus – Verse – Chorus – Bridge – Chorus. Dadurch sind die Texte einigermaßen universell einsetzbar.

Meine eigenen Rocksongs entstehen „verkehrt herum“. Da produziere ich erst einen Backing-Track, erst anschließend versuche ich, eine passende Melodie und einen Text dafür zu finden. D.h. da mache ich Topline-Writing, das ich für andere ablehne, weil ich dort nicht selbst der Sänger bin. Der auslösende „Funken“ zu einem neuen Song entsteht meistens aus einem Gitarren-Riff oder -Sound. Bei den Folksongs jedoch steht der Text im Vordergrund und ich beginne mit den Lyrics. Dann überlege ich mir die Melodie – wobei ich beim Schreiben soundso immer Melodien im Kopf habe, nur erinnere ich mich nicht unbedingt immer daran. 😉 Zuletzt suche ich passende Akkorde.“

3.) Wie ist dein erstes bzw. letztes Album entstanden?

Bernd Harmsen: „Meine eigenen Songs nehme ich zu Hause auf. Inzwischen spiele ich auch den Bass selbst, sodass ich nur noch für das Schlagzeug MIDI benutze. Dabei leisten mir die sogenannten Grooves des MT PowerDrumKit (ein VST Plugin) gute Dienste. Meine Songs nenne ich „rough Demos“, weil ich auf die Produktionsqualität wenig Wert lege. Mir liegen und gefallen die ganzen modernen produktionstechnischen Effekte und Möglichkeiten nicht (Kompressor, EQ …). Deshalb setze ich sie selbst auch nur sparsam ein. Angesichts meines eher bescheidenen musikalischen Könnens wäre mehr Aufwand wohl auch übertrieben. 😉 Aber es ist tatsächlich auch so, dass ich selbst eher Liveaufnahmen (heute meistens Videos) der internationalen Künstler kaufe als Studioproduktionen. Das liegt natürlich auch an meinem Lieblings-Genre, dem Blues-Rock. Wenn der nicht nach „Live“ und verrauchter Kneipe klingt, taugt er nichts. 😉

Angesichts meiner doch recht bescheidenen Ansprüche produziere ich die Tracks entsprechend schnell. Zwischen den einzelnen Arbeitsschritten können mitunter Wochen liegen, die tatsächliche „netto“ Bearbeitung dauert aber selten mehr als 8 Stunden. Am schnellsten gehen Bass und das Einsingen, da reicht – mir – mitunter eine Aufnahme. Sprich: ca. 5 Minuten Aufnahme, etwas EQ, etwas Hall drauf (immer dieselben Einstellungen), fertig.“

4.) Mit welchen Programmen arbeitest du & womit nimmst du auf?

Bernd Harmsen: „Ich benutze so eine Light-Version von Cubase. Wobei einer der Aspekte, der mir das „Produzieren“ verleidet, die – für Audio und MIDI zudem unterschiedlichen – Latenzen sind, die man mühselig aus den Aufnahmen wieder herausfriemeln muss. Inzwischen habe ich da zwar Routine, dahin zu kommen hat aber gedauert…“

5.) Was tust du, um Leute auf deine Werke aufmerksam zu machen?

Bernd Harmsen: „Hauptsächlich suche ich nach Partnern, für die ich texten kann. Das ist auch der einzige Bereich, mit dem ich etwas Geld verdiene (GEMA-Tantiemen). Letztlich haben immer meine Partner mich gefunden, indem sie im Netz (Google) nach Textern aktiv gesucht haben. Dank meiner Aktivitäten in – hauptsächlich Amerikanischen – Songwriter-Boards, wurden sie dabei auf mich aufmerksam. Es gibt zwar auch Dienste, die Musikerkontakte vermitteln – das hat aber für mich bislang gar nichts gebracht. Ein einziger „Geschäfts“-Kontakt (und auch nur ein einziger Song) kam über Facebook zustande.

Mein erstes(!) Konzert letztes Jahr kam zustande, weil mich der Wirt angesprochen hatte, ob ich nicht einmal bei ihm auftreten möchte. Er kannte mich als Gast, von meinen Aktivitäten hatte er über Facebook mitbekommen. Für das Nächste im März habe ich einen anderen Wirt im Nachbarort direkt angesprochen.“

6.) Um welche Aufgaben kümmerst du dich noch selber und was übernehmen deine Kollegen oder ggf. professionelle Partner?

Bernd Harmsen: „Abgesehen von meinen eigenen Privatprojekten schreibe ich ja eigentlich nur die Texte, damit ist mein Part erledigt. In ein paar Fällen habe ich auch die Einträge in die GEMA-Datenbank mit übernommen, was eigentlich Sache des jeweiligen Komponisten wäre. Wenn der nicht Mitglied einer Verwertungsgesellschaft ist, muss ich das natürlich soundso.“

7.) Dein bisher schönstes Musiker-Erlebnis oder dein größter Erfolg:

Bernd Harmsen: „Die langjährige Zusammenarbeit mit MotorPlanet ist das Größte (und auch Einträglichste), das mir passiert ist. Fast alle ihre Texte stammen von mir. Und sie machen die Musik, die mir am besten gefällt. Dann hat mir das Texten für Hot Mama riesig Spaß gemacht, und mir gefallen die Songs sehr, die dabei herausgekommen sind. Das war eine Herausforderung für mich, weil das eigentlich so gar nicht meine Musik war (Djent), und dann musste ich ja auch noch exakt auf die Musik texten… Verstärkt galt das auch für Larry Blustain (Jazz). Da brauchte ich sogar zum ersten Mal seit der Schulzeit die ausgedruckten Noten. Und dann war es natürlich schmeichelhaft, für einen Muttersprachler zu schreiben (ach ja: ich texte – nur – Englisch).

Aber auch bei den nicht-kommerziellen Internet-Projekten kommt auch oft Großartiges heraus. Am schönsten fand ich bislang „All by itself“, ein Song, der durch die Zusammenarbeit von Hobbymusikern via Internet entstand. Ich hatte Tränen in den Augen, als ich den zum ersten Mal hörte, so schön ist der. Und da gibt es noch einige mehr, die mich wirklich schwer beeindruckt haben. Und dann gibt es „natürlich“ KOMIR, das Schweizerisch-Deutsche Duo, das um die 60 Texte von mir vertont und teilweise mit wunderschönen Animationen versehen auf YouTube veröffentlicht hat.“

8.) In wie vielen Bands / Musikprojekten hast du bisher mitgewirkt?

Bernd Harmsen: „Das bedeutet für mich: für wie viele habe ich getextet? Wenn man alle Hobbyprojekte mitzählt, sind das über 50 Musiker/Komponisten, für die ich geschrieben habe und ca. 250 Songs. Natürlich sind es weit weniger Künstler, die ihre Songs tatsächlich aufführen und/oder auf CD produzieren. Da gab/gibt es drei Bands, von denen nur MotorPlanet noch existiert, sowie drei Einzelkünstler mit insgesamt ca. 70 Songs.“

9.) Hast du eine musikalische Ausbildung genossen? Wenn ja, welche?

Bernd Harmsen: „Autodidakt.“

10.) Welchen Tipp hast du für junge Musiker und Bands?

Bernd Harmsen: „Verständlicherweise machen gerade junge (Schüler-)Bands alles falsch. 😉 Sozusagen alles, was nicht mit der Musik selbst und dem Anbaggern von Mädchen zu tun hat. Ich habe den Eindruck, dass Musiker ganz besonders bürokratiefeindlich eingestellt sind, und deshalb verbindliche Absprachen etc. meiden. Das hat die Nachteile, dass die Band (und der Name) automatisch aufhört zu existieren, wenn nur ein Mitglied aussteigt – und dass auch die Songs nicht weiter genutzt werden können.

Wenn jemand also die Musik ernst nimmt und vorhat, dabei zu bleiben, sollte er/sie die grundlegenden Rollen, Rechte und Pflichten vertraglich fixieren (ein einfacher GbR-Vertrag reicht; jede Band ist soundso eine GbR, auch wenn sie es nicht weiß). Dabei sollte auch geklärt werden, wer der/die Songwriter sind . „Wir machen alles zusammen“ hört sich gut an, ist aber Unfug, denn da hängen Rechte daran. Ohne Registrierung bei der GEMA oder einer Partnergesellschaft, d. h. ohne die Möglichkeit zur Lizenzierung, sind die Songs praktisch – außerhalb der aktuellen Konstellation – kaum nutzbar. Und gut 100 € an Tantiemen pro Kneipenkonzert (mit ausschließlich eigenen Songs) sind vielleicht nicht viel, aber doch auch ein gutes Beibrot.“

Vielen Dank für das Interview an Bernd Harmsen. Wer mehr über seine Arbeit erfahren und Kontakt mit ihm aufnehmen möchte, der findet auf der folgenden Webseite die Möglichkeit dazu.

Weblink:

„Lyrics in Progress“: http://bernd-harmsen.com

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