Nachgefragt bei Chris der Band CEDRIC

In diesem Interview erfahren wir von Schlagzeugers Chris, wie er musifiziert wurde. Außerdem lernen wir eine weitere Methode des Songwriting kennen, die auch zur Gründung seiner Band CEDRIC führte. Chris verrät zudem, wie es ist, wenn man mit einem professionellen Team zusammenarbeitet und wie sich das Tourleben für ihn anfühlt. Bei der Musik seiner Band CEDRIC geht es quer durch Postrock, Alternative und Postpunk. Konkret:

„Mit imposanten Klangwänden und wütender Sehnsucht, die sich in ihrer Musik gerade rechtzeitig ihren Weg zum Licht bricht, bevor alles eskaliert.“

Chris von CEDRIC

Foto: © Polypons.de

10 Fragen an Chris der Band CEDRIC

1.) Seit wann machst Du Musik?

Chris: „Angefangen habe ich mit 6 Jahren am Cello. Neben einer klassischen Musikausbildung habe ich allerdings schnell gemerkt, dass das Schlagzeugspiel in mir so viel auslöst, dass das Cello immer mehr in der Ecke verstaubte. 2006 habe ich mich dann zum ersten Mal einer Band angeschlossen. Damals haben wir Nirvana, Pearl Jam oder die guten alten Chili Peppers gecovert. Muss schrecklich geklungen haben, war aber damals schon ein Riesenspaß. Da war es auch noch völlig normal in meinem Umfeld, dass jeder eine Band hatte und sich jeder gegenseitig bei Konzerten unterstützt hat. Das würde mir ziemlich fehlen, wenn ich zehn Jahre später geboren worden wäre.“

2.) Womit fängst Du beim Songwriting an?

Chris: „Wir sind, wie viele Bands aus unserer Musikrichtung, eine typische Jam-Band. Wir verkrümeln uns stundenlang im Proberaum und greifen die musikalischen Ideen der anderen Bandmitglieder auf. Manchmal passiert es nach 20 Minuten jammen ohne ein Wort und ohne eine Unterbrechung: Dann hören wir auf zu spielen, grinsen uns an und merken, dass wir auf der richtigen Spur sind. Roman, unser Sänger, findet meistens schon spontan die finalen Gesangsmelodien während des Jams. Er hat so eine Art Fantasiesprache aus englischen Silben entwickelt, die er dabei singt. Dennis, unser Gitarrist, baut dann im Anschluss meist einen Text, der sich klanglich an Romans Fantasiesprache anlehnt, aber dann ein wirklicher Text ist. Danach stauchen wir die 20-minütige Session so sehr zusammen, dass fünf Minuten übrig bleiben. Und das ist dann meist ein fertiger Song. Das alles mag vielleicht nicht die schnellste Methode sein, Songs zu schreiben, aber wir machen es gerne so. Unser Wunsch ist, dass im finalen Song so viel vom Moment der Entstehung drin steckt, wie möglich.“

3.) Wie ist Dein erstes bzw. letztes Album entstanden?

Chris: „Das könnte ich dir wahrscheinlich am besten nächsten Herbst beantworten, denn wir stecken noch mittendrin. Mal haben wir in baufälligen, leer stehenden Häusern aufgenommen, mal in einer Privatwohnung in Neukölln, und auch in verschiedenen Proberäumen. Bei der DIY-Attitüde, die wir fahren, lässt sich das Improvisieren eben nicht vermeiden. 🙂 Ganz ohne Hilfe geht es natürlich auch nicht. Wir haben einen tollen Soundmann, der uns bei der Mikrophonierung hilft. Und wir haben einen Produzenten, der ziemlich genau weiß, was wir klanglich möchten.“

4.) Mit welchen Programmen arbeitet ihr & womit nehmt ihr auf ?

Chris: „Mittlerweile kann man ja bereits mit Omis Uralt-Computer und einem Freeware-Programm ein fettes Album produzieren. Bei uns ist es so, dass wir in den letzten Sessions vor allem mit Logic gearbeitet haben.“

5.) Was tust Du, um Leute auf Deine Werke aufmerksam zu machen?

Chris: „Nichts. Nein, tatsächlich, wir sind zum Beispiel ganz schöne Social Media Muffel. Man findet uns zwar auf YouTube und Facebook, aber wir haben uns bewusst entschlossen, nur dann etwas zu posten, wenn wir wirklich etwas zu erzählen haben. Im Wesentlichen machen wir einfach unser Ding. Und freuen uns riesig, wenn jemand darüber stolpert und es toll findet.“

6.) Um welche Aufgaben kümmerst Du Dich noch selber und was übernehmen Deine Kollegen oder ggf. professionelle Partner?

Chris: „Ich kümmere mich um alle Dinge, die in Sachen Grafiken zu erledigen sind. Dazu zählen vor allem Plakate, Cover und alles, was im Netz passiert. Wir haben glücklicherweise professionelle Partner, die sich um die wirklich anstrengenden Dinge kümmern. Zunächst wären da Undressed Records, die bei uns auch den Posten des Managements übernehmen. Unser Kumpel Paul fährt uns. Beim Booking vertritt uns Torsten von Amadis, der sonst zum Beispiel Bernd Begemann bucht. Für alle rechtlichen Fragen, wie Gema, Gagen, Urheberrecht usw. haben wir einen studierten Musikrechtler im engen Freundeskreis. Bei Musikvideos bekommen wir regelmäßig riesige Unterstützung von Javier, einem spanischen Filmemacher. Und dann wäre da noch Fränk, unser Fotograf. Alles Spitzenleute, die ganz schön viel Schweiß und Geduld für uns aufbringen. 😉 Alle Leute, mit denen wir zusammenarbeiten, sind entweder Freunde oder sind Freunde geworden. Ich glaube, wir könnten uns als Band nicht vorstellen, von einer großen, anonymen Organisation vertreten oder unterstützt zu werden.“

7.) Dein bisher schönstes Musiker-Erlebnis oder Dein größter Erfolg:

Chris: „Ich habe damals mit meiner Band das Bundesfinale des Local Heroes gewonnen und vor zwei Jahren mit CEDRIC im Weltfinale des Emergenza auf dem Taubertal Festival gespielt. Das war schon ganz schön verrückt. Wobei es auch kleine Konzerte gibt, die unheimlich unter die Haut gehen. Gerade wenn das Publikum ordentlich mitgeht, vergesse ich oftmals alles um mich herum. Es gibt dann keinen Moment, bei dem ich mehr bei mir bin, als beim Trommeln. Auch das Tourleben genieße ich immer sehr. Ich glaube, dass das Touren für Außenstehende ganz schön öde und anstrengend klingt. Verstärker schleppen, rumdüsen, auf ungemütlichen Clubsofas schlafen. Aber für mich ist es immer wie Klassenfahrt ohne Aufsicht. Oder wie ein großer, toller Familienurlaub ohne Ziel. Ich glaube, das Allerschönste ist es, wenn Leute ernsthaft von der Musik gerührt sind. Unser Sänger hat mal erzählt, dass sein größtes Ziel erreicht wäre, wenn sich auf einem unserer Konzerte ein Pärchen finden und verlieben würde. Das fand ich irgendwie süß.“

8.) In wie vielen Bands / Musikprojekten hast Du bisher mitgewirkt?

Chris: „Puh, eine Menge. Mal in einer Punkband, mal im Gospelchor, mal in einer Shoegaze-Kapelle. Ich habe schon immer versucht, so viel Zeit wie möglich mit inspirierenden Musikern zu verbringen. Mitunter ist mir das sogar zum Verhängnis geworden, da man dann auf Dauer doch nicht auf so vielen Hochzeiten tanzen kann. Momentan spiele ich neben CEDRIC noch in einer anderen Band mit, die aber gerade nicht in der Öffentlichkeit steht. Außerdem unterstütze ich einen Gitarristen aus San Francisco an den Drums.“

9.) Hast Du eine musikalische Ausbildung genossen? Wenn ja, welche?

Siehe Frage 1.)

10.) Welchen Tipp hast Du für junge Musiker und Bands?

Chris: „Wenn man ambitioniert ist? Tja, dann ganz einfach: Freundlich sein. Klingt total bescheuert, ist aber wirklich unfassbar wichtig. Ich beobachte es viel zu oft, dass Bands dick auftragen und sich ihren Starallüren hingeben. Sich aber dann beschweren, dass niemand mit ihnen zusammenarbeiten möchte und keiner sie bucht. Letzten Endes geht es doch beim Musikmachen darum, eine gemeinsame gute Zeit zu haben und zusammen an einer schönen Sache zu arbeiten. Und wenn sich Bands mit ihrem Verhalten dabei selbst im Wege stehen, ist das echt jammerschade.“

Vielen Dank für das Interview an Chris von der Post-Rock Band CEDRIC. Weitere Eindrücke findet Ihr unter den folgenden Links.

Weblinks:

www.the-cedric-hoax.com

Video: CEDRIC – Communion = Hoax (LIVE @ Taubertal-Festival)

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