Nachgefragt bei Ilona Boraud

In diesem Interview geht es um die Songtexterin Ilona Boraud. Sie gibt einen Einblick in ihre Arbeitsweise und verrät ein paar Highlights und interessante Details aus ihrem Schaffen. Dabei schreibt sie nicht für ein eigenes Musikprojekt, sondern für verschiedene Auftraggeber unterschiedlicher Genres von Pop/Rock, (Jazz-)Chanson, über Musikkabarett, Kinderlied, bis hin zu Schlager. Wie es scheint, will sie sich da gar nicht unbedingt festlegen, sondern sagt selbst:

„Ich schreibe deutsche Liedtexte für fast alle Musikrichtungen, denn ich liebe die Abwechslung!“

Ilona Boraud

© Foto: Sarah Winter | meinLICHTSPIEL

10 + 1 Fragen an Ilona Boraud

1.) Seit wann bist Du musifiziert?

Ilona Boraud: „Außergewöhnlich spät! Als Kind und Jugendliche war ich musikalisch sehr aktiv, aber dann machte ich jahrelang gar keine Musik und hörte auch nur selten welche. Von neuem mit dem Musik-Virus infiziert wurde ich erst vor wenigen Jahren durch Roger Cicero, dessen frühe Texte von dem genialen Frank Ramond geschrieben wurden: originell, treffend, ironisch. Aus bloßer Bewunderung wurde Handeln. Zunächst betrieb ich das Songtexten nur als Hobby, doch schon bald professionell.“

2.) Womit fängst Du beim Songwriting an?

Ilona Boraud: „Wenn ich eine Melodie betexten will, analysiere ich zuerst Metrik und Aufbau, sammle möglichst viele inhaltliche Ideen mit passenden Reimen und schreibe alles von Hand auf. Aus diesem Schreiben heraus entwickelt sich meist automatisch ein Fluss. Wenn nicht, gehe ich mit der Musik auf den Ohren eine Runde durch den Wald! Andere Komponisten vertonen lieber einen bestehenden Text. Das kann einer sein, den ich extra schreibe, oder einer, der schon in meiner Schublade liegt. Manchmal werde ich auch gebeten, einen vorhandenen Songtext zu überarbeiten.“

3.) Wie ist Dein erstes bzw. letztes Album entstanden?

Ilona Boraud: „Die Geschichte, wie ich zum Album-Projekt „Nur einen Moment“ gekommen bin, zeigt, dass man einfach alles probieren soll. Manchmal hat man Glück und kommt zur rechten Zeit! In der Zeitung las ich das Portrait von Thomas Bierling, woraufhin ich Kontakt zu ihm aufnahm, um ihn zu fragen, ob er als Kabarett-Pianist und -Komponist Texte bräuchte. Es stellte sich dann heraus, dass er gar kein Kabarett mehr machte, allerdings plante er ein „Easy Listening“-Album mit seinen eigenen Kompositionen für die Sängerin Gabrielle Heidelberger und suchte Textdichter dafür. Ich schrieb auf bereits vorhandene musikalische Ideen, immer weiter wurde an den Songs gefeilt und arrangiert. Schließlich wurde das Ganze in einem Studio mit sehr guten Musikern aufgenommen. Von der Idee bis zum Erscheinen der CD vergingen mehr als zwei Jahre. Aber das Ergebnis ist gut und ungewöhnlich!“

4.) Mit welchen Programmen arbeitest Du & womit nimmst Du auf?

Ilona Boraud: „Da meinem Empfinden nach die Handschrift der menschlichen Seele näher ist als die Computer-Tastatur, schreibe ich immer zuerst auf Papier. Wichtig dabei ist eine große Tischplatte, auf der ich die bis zu zehn DIN-A-4-Seiten pro Text nebeneinander legen kann. Erst später gehe ich an den PC. Ich bin keine Sängerin. Wenn ich mich selbst aufnehme, dann höchstens, um einem Komponisten eine Idee vorzutragen. Diese Aufnahmen mache ich mit meinem MP3- Player, und sie dürfen niemals in die Öffentlichkeit gelangen!“ 😉

5.) Was tust Du, um Leute auf Deine Werke aufmerksam zu machen?

Ilona Boraud: „Werbung für die Songs, an denen ich beteiligt bin, machen meist die Interpreten selbst. Dabei lege ich Wert darauf, dass mein Name irgendwo ersichtlich ist. Aber ich unterstütze auch gerne bei der Werbung, denn das ist ja genauso Aufmerksamkeit für mich als Songtexterin. Songs, deren Texte von mir stammen, findet man auf meiner Soundcloud-Seite und meinem YouTube-Kanal. Facebook nutze ich intensiv, um meine Kontakte über Neues von mir zu informieren, um mein Netzwerk zu erweitern und um an interessante Infos zu kommen, wie beispielsweise über die Seite www.musifiziert.de.“

6.) Um welche Aufgaben kümmerst Du Dich noch selber und was übernehmen Deine Kollegen oder ggf. professionelle Partner?

Ilona Boraud: „Ich mache alles selbst: Textdichtung, Marketing, Networking, Korrespondenz,… Bei technischen oder rechtlichen Fragen wird es manchmal knifflig, aber da habe ich zum Glück inzwischen ein Netzwerk an netten und kompetenten Leuten, die ich fragen kann.“

7.) Dein bisher schönstes Musiker-Erlebnis oder Dein größter Erfolg?

Ilona Boraud: „Muss ich mich da für eines entscheiden? Momentan genieße ich die vielen positiven Rückmeldungen zu Gabrielle Heidelbergers Album „Nur einen Moment“, zu dem ich neun Texte beigesteuert habe. Riesig gefreut habe ich mich, dass ich die Qualifikation für die Textdichter-Masterclass „Celler Schule“ geschafft habe, denn für die zehn Plätze gab es über hundert Bewerbungen. Und ein besonderer Höhepunkt war, dass mein Text „Eure Liebe“ beim Textwettbewerb Traulieder der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gewonnen hat (128 Einsendungen, drei Preise). Er erscheint nun im offiziellen Beiheft zum Gesangbuch. Wenn ich mir vorstelle, dass über etliche Jahre Tausende von Menschen meinen Text singen werden und das Lied für viele Paare ein Bestandteil eines ganz wichtigen Momentes in ihrem Leben sein wird, dann macht mich das sehr glücklich!“

8.) In wie vielen Bands / Musikprojekten hast Du bisher mitgewirkt?

Ilona Boraud: „Mit vielen Komponisten habe ich Kontakt. Mit elf davon habe ich bereits fertige Songs, und mit fünf davon habe ich bis jetzt auf Tonträger oder bei Konzerten veröffentlicht. Es ist also noch einiges in der Pipeline, das hoffentlich demnächst in die Welt hinaus darf. Über weitere Kontakte und interessante Projekte freue ich mich immer.“

9.) Hast Du eine musikalische Ausbildung genossen? Wenn ja, welche?

Ilona Boraud: „Als Kind und Jugendliche hatte ich musikalische Früherziehung und Flötenunterricht und sang in diversen Chören. Zehn Jahre lang hatte ich Klavierunterricht. Mein erster Lehrer war wie ein Opa für mich. Als er plötzlich starb, war das ein großer Schock. Es folgten ein anspruchsvoller Rumäne und ein pädagogischer Realschul-Lehrer. Doch die erste Liebe und den ersten Klavierlehrer vergisst man ja bekanntlich nie… 😉 Heute ist mir der Musikunterricht von damals von großem Nutzen. Auch wenn ich selbst nicht singe oder komponiere, so verstehe ich doch meist sehr gut, was Interpret oder Komponist von mir wollen. Ich arbeite ausgesprochen gerne mit Leuten zusammen, die eine solide musikalische Ausbildung haben.“

10.) Welchen Tipp hast Du für junge Musiker und Bands?

Ilona Boraud: „Baut Euch mehrere Standbeine auf! Alle Musiker, die ich kenne, die über Jahre erfolgreich sind, haben mehrere Jobs gleichzeitig: ausführender (Cover-)Musiker, Songwriting, Unterricht, (Hörspiel-)Produzent,…“

Frage +1 Was wolltest Du schon immer mal von anderen Musikern wissen?

Ilona Boraud: „Frage: Wie geht man damit um, berühmt zu sein? – Antwort: Ich glaube, ich käme ganz gut damit zurecht.“ 😉

Vielen Dank für das Interview an Ilona Boraud. Sie ist online über folgende Links zu finden.

Weblinks:

YouTube-Kanal von Ilona Boraud

https://www.facebook.com/ilona.gobo.5

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