Nachgefragt bei Marian Kronbügel

Marian Kronbügel ist Gitarrist aber auch Geschäftsführer der Max Demian Band. Im Interview verrät er uns aus musikalischer und unternehmerischer Sicht, wie man eine Coverband erfolgreich führt. Ein gutes zwischenmenschliches Zusammenspiel sowie eine genaue Aufgabenverteilung scheint dabei ebenso wichtig zu sein, wie das Setzen von Prioritäten. Was wir über die Musik seiner Band außerdem wissen sollten:

„Die Max Demian Band ist die kreativste Mischung aus Musikstudenten, Musikverrückten und Altrockern aus Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt und pflegt auf großen und kleinen Bühnen hingebungsvoll die Liebe zu Soul, Rock ’n‘ Roll und Beatpop.“

Marian Kronbügel

Foto: © Max Demian Band

10+1 Fragen an Marian Kronbügel

1.) Seit wann machst Du Musik und wie hast Du begonnen?

Marian Kronbügel: „Als Kind habe ich regelmäßig die Gitarre meiner Mutter in Beschlag genommen und darauf alles geübt, was mir zwischen die Finger kam. Parallel gab es instrumentalen Unterricht, unter anderem beim großartigen Sven Schubert in Leipzig, der mich bis heute als Musiker am meisten geprägt und beeinflusst hat. Insgesamt also eine recht solide Ausbildung, die im Übrigen – auch mit 33 Jahren – andauert. Ständige Entwicklung finde ich wichtig und erwarte sie ebenso von meinen Mitstreitern – auch von denen mit akademischer Musikausbildung.“

2.) Wie oft übst Du?

Marian Kronbügel: „Nach Möglichkeit eine halbe Stunde täglich – meist ausschließlich Technik. Proben mit der Band finden dagegen relativ unregelmäßig statt. Ein- bis zweimal im Monat. Das hängt davon ab, wie viele Gigs gespielt werden. Im Winter nehmen wir uns immer mehr Zeit, um das Programm zu entwickeln oder an Details zu arbeiten. Da wir relativ weitläufig verteilt sind (zwischen Leipzig und Berlin) und Treffen immer großen logistischen Aufwand bedeuten, üben wir darüber hinaus auch auf Recordings.“

3.) Wie lernst Du Songs auswendig?

Marian Kronbügel : „Für die Instrumentalisten ist die Herausforderung nicht so groß. Es wird ein Ablauf festgelegt und den hat man dann relativ schnell intus. Musik ist ja logisch aufgebaut. Die Gesangsabteilung hat´s da schwerer. Für das Erlernen der Texte rate ich zur Abstraktion, also keinem verstehenden (inhaltlichen) Lernen, sondern einer Art struktureller Rezeption. Dabei lernt man erst ganz profan, wie der Text aufgebaut ist (Anzahl der Strophen, Refrains etc.), dann sucht man sich in jeder Struktureinheit Schlüsselwörter (meist in der ersten Zeile) und versucht sich an denen entlangzuhangeln, bis das automatisch geht (meine Empfehlung: „Warum fällt das Schaf vom Baum?“ von Christiane Stenger).“

4.) Lebst Du vom Musikmachen? Wenn ja, wie lange schon?

Marian Kronbügel: „Wir hatten als Band gerade in den letzten Jahren immer wieder Anfragen, die uns in diese Richtung geführt hätten. Für Agenturen oder Managements sind wir als fertiges Konstrukt mit funktionierender (Infra-)Struktur und publikumswirksamem (Cover-)Konzept verhältnismäßig attraktiv und würden ohne großen Aufwand seitens der Agenturen schnell Geld abwerfen.

Aber ich glaube im Gegensatz zu vielen (außerhalb der Band) nicht, dass das Leben von Musik mit 50 oder mehr Gigs im Jahr ein erstrebenswertes Ziel ist. Die Branche ist kompliziert und lässt praktisch keinen kreativen Entfaltungsspielraum. Das ist ein viel verbreiteter Irrtum. Sie schluckt Musiker, deformiert sie moralisch und in jeder Hinsicht und spuckt sie irgendwann wieder aus. Die wirklich Kreativen stehen im Profibereich in aller Regel nicht (mehr) auf der Bühne. Meine Leute wissen das, manche kommen aus dieser Tretmühle (mein Perkussionist war beispielsweise in den 90ern mit Tina Turner und Lenny Kravitz auf Tour) und sind froh, ohne Existenzdruck, der auch bei vielen großen Musikern da ist, Musik machen zu können.

Alle sind entweder Studenten oder arbeiten in eher klassischen Jobs (es gibt bei uns überproportional viele Musiklehrer). Wir haben das Glück, auf relativ hohem Level Musik machen zu können, aber uns nicht verkaufen zu müssen. Alle Einnahmen fließen in die Band. Das hat über die nun bereits zehn Jahre viele Annehmlichkeiten für alle Beteiligten geschaffen, finanziert unsere Technik und gemeinsame Aktionen. Eine – wie ich finde – großartige Form von Freiheit.“

5.) Wodurch erzielst Du als Musiker Einnahmen?

Marian Kronbügel: „Wir erzielen als Band Einnahmen rein aus Auftrittsgagen.“

6.) Um welche Aufgaben kümmerst Du Dich noch selber und was übernehmen Deine Kollegen oder ggf. professionelle Partner?

Marian Kronbügel: „Bei mir laufen praktisch die Fäden aus allen Bereichen (intern und extern) zusammen. Viele Aufgaben, die anfallen, verteile ich dann nach Fähigkeiten und Kompetenzen innerhalb unserer Struktur weiter. Meine Hauptaufgabe ist damit eher konzeptioneller und administrativer Natur. Außerdem bin ich bei Booking und Marketing neben meinen beiden stellvertretenden Geschäftsführern noch stark eingebunden und betreue selbst das Vertragsrecht sowie die sozialen Medien.

Ansonsten gibt es permanent delegierte Teilbereiche innerhalb der Band (Blaskapelle, Satzgesang, Style-Design-Beauftragte, Titelplanung, Ältestenrat etc.), die separat Zuarbeiten leisten bzw. üben. Für die Technik haben wir unseren Toningenieur und den Licht-Chef. Außerdem helfen uns externe Partner jeweils bedarfsweise. Besonders für Merch, Steuer, LKW, Video oder Website haben wir großartige, professionelle Unterstützer. Außerdem sind wir über verschiedene Wege mit einer Schule, einer Musikschule und einer Uni kooperativ verbunden.“

7.) Wie gehst Du mit Lampenfieber um?

Marian Kronbügel: „Lampenfieber habe ich ganz selten. Mir gehen vorher viele Dinge durch den Kopf, die meine Mitmusiker oder einfach die anstehende Aufgabe betreffen. Deshalb komme ich in der Regel nicht dazu, mir über mich selbst Gedanken zu machen.“

8.) In wie vielen Bands / Musikprojekten hast Du bisher mitgewirkt?

Marian Kronbügel: „Außerhalb der MDB hatte ich in den letzten zehn Jahren musikalisch praktisch keine ungenutzten Kapazitäten. Zwei Jahre habe ich gelegentlich mal in einer Jazzband gespielt und war noch an einem Singer-Songwriter-Projekt beteiligt. Aber mir war immer klar, was mir wichtig ist und worauf ich mich zu konzentrieren habe. Ich glaube, man kann mehr erreichen, wenn man seine Prioritäten klar setzt und sich fokussiert.“

9.) Wie gehen Freunde & Familie mit Deinem Musikerdasein um?

Marian Kronbügel: „Gut. Anders ginge es nicht. Meine alten Freunde und meine Familie sehen mich selten, machen mir aber nie Vorwürfe und wissen, dass ich mich bemühe, die Kontakte zu erhalten. Auch meine Freundin hat großes Verständnis. Den Rest meines Freundeskreises bildet im Wesentlichen die Band. Ich gehöre zu den glücklichen Musikern, die sich praktisch nie erklären müssen. Mein Umfeld hat den Intellekt, zu verstehen, dass ich die Musik auch in dieser Dosis und Intensität brauche, dass sie integraler Teil von mir ist und mir nicht weggenommen werden kann. Dafür bin ich extrem dankbar. Wir versuchen, diese Akzeptanz auch für die Peripherie der gesamten Band über Integration – beispielsweise durch Gespräche oder gemeinsame Aktionen – zu erzeugen.“

10.) Welchen Tipp hast Du für junge Musiker und Bands?

Marian Kronbügel: „Ich sehe immer wieder, dass junge Musiker ihr Streben darauf ausrichten, reich und berühmt zu werden. Die haben oft eher den Marketing-Sprech drauf, bevor sie ein Wort Harmonielehre verstanden haben. Ich glaube, erfolgreich ist man dann, wenn man mit der Musik für sich selbst glücklich ist. Der Weg dorthin führt meiner Meinung nach über die ständige qualitative Entwicklung und den Kontakt zu anderen Musikern. Also mein Tipp: übt und muckt und sprecht, so oft es geht. Und bleibt immer freundlich und demütig. Alles andere ergibt sich. Erzwingen kann man Berühmtsein sowieso nicht. Soweit ich das beurteilen kann, ist es auch nicht erstrebenswert.“

Frage +1 Was wolltest Du schon immer mal von anderen Musikern wissen?

Marian Kronbügel: „Praktisch alles. Nur so kommt man weiter.“

Vielen Dank für das Interview an Marian Kronbügel. Wer nun interessiert ist und sich die Max Demian Band mal genauer ansehen und anhören möchte, der bekommt unter den folgenden Weblinks einen ersten Eindruck.

 

Weblinks:
www.maxdemianband.de
www.facebook.com/maxdemianband

 

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