Nachgefragt bei Yvonne Mwale

Die Sängerin und Songwriterin Yvonne Mwale hat schon viel in ihrer Musikerkarriere erlebt und erreicht. Vom Leben auf der Straße, über Coverbands bis hin zur Zusammenarbeit mit „Starmusikern“ liest sich ihre Geschichte wie ein spannendes Drehbuch. Weltmusik, Jazz und Soul liegen ihr besonders. Dass man beim Musikmachen unter Umständen über sich hinaus wachsen kann und dass aufgeben keine Option ist, erfahren wir unter anderem in diesem Interview. Sie sagt über sich:

„Ich versuche die traditionelle Musik aus meiner Heimat Sambia mit Jazz, Blues und Soul zu verschmelzen und erzähle darin oft Geschichten aus meinem Leben.“

Yvonne Mwale

© Foto: Felix Sboron

10 + 1 Fragen an Yvonne Mwale

1.) Seit wann machst Du Musik?

Yvonne Mwale: „Angefangen zu singen habe ich schon sehr früh in der Familie, da war ich vielleicht 5 Jahre alt. Später habe ich dann zu besonderen Anlässen in der Schule oder Kirche vorgesungen. Da meine Eltern früh verstorben sind, habe ich ein paar Jahre auf der Straße gelebt, da war dann erst mal Pause mit Musik. Um etwa 2005 herum habe ich mich dann einer Cover-Band angeschlossen, um etwas Geld zu verdienen. Das war dann praktisch mein Start in die Musik als Beruf.“

2.) Womit fängst Du beim Songwriting an?

Yvonne Mwale: „Meistens geht es bei mir mit der Melodie los. Ich summe dann einfach etwas vor mich hin, das bringt mich dann in eine bestimmte Stimmung. Aus der Stimmung heraus entstehen dann oft auch Textfragmente oder der Chorus zu dem Stück. Diese Ideen nehme ich dann meistens erst mal auf. Wenn mir ein Stück besonders gefällt wird das immer wieder gesungen und so entwickelt sich das dann. Oft wird der komplette Text aber erst ausgearbeitet, wenn ich weiß, dass es bald ans Aufnehmen geht. Vor Kurzem hat mir mein Mann auch einen Looper geschenkt. Damit nehme ich dann auch schon mal ganze Stücke mit Beat und harmonisierten Backing Vocals auf, einfach weil es Spaß macht. Mal sehen, wie viel davon in das nächste Album einfließt.“

3.) Wie ist Dein erstes bzw. letztes Album entstanden?

Yvonne Mwale: „Auch wenn ich auf diversen Alben schon mitgewirkt habe, ist mein erst eigenes Album erst 2011 in Tansania entstanden. Das war sozusagen der Startschuss für mich als Solokünstlerin. Vertrieben wurde das von dem dänischen Indie-Label Caravan Records. Allerdings ist das aus heutiger Sicht ein ganz anderes Niveau. Das erste Album wurde mit einfachsten technischen Mitteln und viel Computereinsatz programmiert.

Mein neuestes Album „Msimbi Wakuda“ hingegen ist komplett handgemacht. Wir habe das mit meiner aktuellen Band bei Heinz Hess in den Art of June-Studios in Frankfurt aufgenommen. Das haben wir vor allem, weil dort genügend Räume vorhanden sind, um mit der kompletten Band gemeinsam aufzunehmen. Wir haben dort also fast wie auf der Bühne gespielt, durch Glasscheiben kann sich jeder untereinander sehen. So haben wir dann in 3 Tagen die Stücke eingespielt. Für Gitarre, Percussion und Vocals haben wir noch ein paar Tage für die Overdubs drangehängt. Das Album ist auf o-tone music erschienen und wird von Soulfood vertrieben.“

4.) Mit welchen Programmen arbeitest Du & womit nimmst Du auf?

Yvonne Mwale: „Da ich selbst nicht aufnehme, muss ich mich damit nicht so auseinandersetzen. Demos nimmt mein Mann aber meist in unserem Homestudio mit Logic Pro auf. Das Studio, in dem ich meine letzten beiden Alben aufgenommen habe (Art of June, Frankfurt am Main), arbeitet aber mit Nuendo.

Wenn ich selbst mal etwas aufnehme, um eine Idee nicht zu vergessen, muss entweder mein iPhone herhalten oder aber GarageBand auf dem iPad.“

5.) Was tust Du, um Leute auf Deine Werke aufmerksam zu machen?

Yvonne Mwale: „Besonders zu Albumveröffentlichungen habe wir eine PR-Agentur, die dann natürlich einiges in die Wege leitet und Interviews und Berichte in Radio und Presse arrangiert. Ansonsten bin ich auf Facebook ziemlich aktiv. Und zu einigen Konzerten bekommen wir im Vorfeld oder anschließend auch oft etwas Presse. Vielleicht habe ich auch etwas Glück, dass der Markt in meinem Genre vielleicht nicht ganz so hart umkämpft ist wie im Pop/Rock-Bereich. Aber man muss sich natürlich immer im Gespräch halten, wenn man etwas verdienen möchte.“

6.) Um welche Aufgaben kümmerst Du Dich noch selber und was übernehmen Deine Kollegen oder ggf. professionelle Partner?

Yvonne Mwale: „Ich konzentriere mich eigentlich voll und ganz auf meine Musik und darauf, auf der Bühne ein gutes Programm abzuliefern. Da ich meine Songs selbst schreibe und komponiere, ist es mir auch wichtig, vor jedem Auftritt in der richtigen Stimmung zu sein und mein ganzes Gefühl in die Darbietung mit einfließen zu lassen. Booking, Marketing, Technik usw. wird glücklicherweise von meinem Management bzw. den jeweiligen Agenturen erledigt, sodass ich mich ganz auf die Musik fokussieren kann.“

7.) Dein bisher schönstes Musiker-Erlebnis oder Dein größter Erfolg:

Yvonne Mwale: „Eines meiner größten Erfolge war sicher als ich 2009 in meinem Heimatland Sambia bei den nationalen Music Awards als „Beste Nachwuchskünstlerin“ ausgezeichnet wurde. Das war schon was für meine damals noch recht junge Musikkarriere. Als schönsten Erlebnis würde ich aber eher ein Jazz Festival in Tansania betrachten. Dazu waren Musiker aus den USA eingeladen. Das waren Bobby Rickets (sax), Tony Bunn (bass) und Delmar Brown, ehemaliger Keyboarder von „The Police“ und „Sting“. Denen fehlte damals eine Sängerin. Also wurde ich angerufen.

Wir haben dann gemeinsam geprobt und zwei Konzerte auf dem Festival gespielt. Das hat musikalisch in mir einiges verändert. Es war das erste Mal für mich mit derart professionellen und improvisationssicheren Musikern zu spielen. Die haben Sachen aus mir herausgeholt, die ich selbst noch gar nicht von mir kannte. Das war für mich so ein Erlebnis, bei dem ich dachte: Wow! Du kannst ja noch mehr! Da musst Du was draus machen!“

8.) In wie vielen Bands / Musikprojekten hast Du bisher mitgewirkt?

Yvonne Mwale: „Seit 2011 trete ich eigentlich nur noch unter eigenem Namen auf. Zuvor habe ich allerdings auch in Coverbands gesungen, die längste Zeit in der Gruppe „B Sharp“. 2009/2010 hatte ich mit einigen Freunden die Band „Nyali“, mit der ich auch meine erste Europatournee hatte. Diese Band ist dann allerdings wieder auseinandergegangen, da wir unterschiedliche Pläne im Leben hatten und ich selbst nach Tansania umgezogen bin. Dort habe ich dann angefangen nur noch unter eigenem Namen zu arbeiten.“

9.) Hast Du eine musikalische Ausbildung genossen? Wenn ja, welche?

Yvonne Mwale: „Nicht im üblichen Sinne. In den meisten Teilen Afrikas haben wir keine richtigen Musikschulen oder eine strukturierte musikalische Ausbildung. Das ist auch in meiner Heimat Sambia nicht anders. Allerdings war meine Mutter Sängerin in einer recht populären Band und hat mir da sicher einiges mitgegeben. Später habe ich dann durch erfahrene Musiker, mit denen ich zusammengearbeitet habe, aber auch in diversen Workshops viel dazugelernt. Bei meinen Gesangstechniken habe ich mir aber auch vieles bei der traditionellen afrikanischen Musik abgeschaut – das lernt man in Musikschulen und im Studium wahrscheinlich eher nicht.“

10.) Welchen Tipp hast Du für junge Musiker und Bands?

Yvonne Mwale: „Nicht aufgeben. Und niemals denken man hätte jetzt genug gelernt. Es gibt immer mehr zu entdecken. Und mit harter Arbeit und viel Ausdauer schafft man es auch als Musiker weiterzukommen.“

Frage +1 Was wolltest Du schon immer mal von anderen Musikern wissen?

Yvonne Mwale: „Wie bringt Ihr die Musik und Familie unter einen Hut? – Wenn ich Konzerte habe, bringen wir die Kinder meistens bei den Großeltern unter. Wenn es aber ohnehin schon hektisch zugeht, ist nicht immer so einfach.“

Vielen Dank für das Interview an Yvonne Mwale. Weitere Infos und Musik sind unter den folgenden Links zu finden.

Weblinks:
www.yvonnemwale.com
www.facebook.de/YvonneMwaleMusic

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