Schritt für Schritt zum eigenen Songtext

Dieser Beitrag richtet sich an Menschen, die einen Songtext schreiben wollen, aber selbst noch keine Erfahrung damit haben und nicht wissen, wie sie beginnen sollen. Mir ist bewusst, dass jeder eine andere Herangehensweise hat, wenn es um so etwas Kreatives, wie das Schreiben eines Songs geht. Und ich erfinde auch nicht unbedingt etwas Neues, sondern stelle lediglich eine bewährte Möglichkeit vor, die ich selbst gern nutze. Für viele Anfänger, die ganz ohne Plan vor dieser ungewöhnlichen Aufgabe stehen und erstmals einen Songtext aus dem Ärmel schütteln sollen/wollen, ist dies ein kleiner Leitfaden. Fangen wir ganz klein an. Wir unterteilen den Prozess in kleinere überschaubare Aufgaben. Viel Erfolg beim (vielleicht) ersten Songwriting deines Lebens.

Schritt für Schritt zum eigenen Songtext

1. Stichpunkte sammeln

Nimm dir etwas zum Schreiben und überleg, was dich bewegt. Denk mal zurück an die letzte Zeit oder beobachte mal deine Gedanken, wenn du gerade vor dich hinträumst. Tauchen Bilder im Kopf auf? Falls ja, schreib sie auf und beschreibe sie möglichst genau und auch bildhaft. Schreibe Stichpunkte auf zu den Gedanken, die dich bewegen. Wenn dich Gefühle „quälen“, dann schreib auch diese auf, beschreib sie und versuche sie in Worte zu fassen. Dieser Schritt kann auch im Kopf erfolgen, wenn du etwas geübter bist.

2. Persönliches allgemein verpacken

Versuch dir zu überlegen, wie du nun einer fremden Person, von diesen Gedanken und Gefühlen erzählst. Es hat in der Tat auch etwas Therapeutisches. Die Kunst besteht darin, das Persönliche, was einen Fremden vielleicht eher abschrecken könnte, möglichst allgemein zu formulieren und nicht zu direkt zu benennen. Es sollte für den Zuhörer später noch die Möglichkeit bestehen, seine eigene Geschichte in den Song hinein zuinterpretieren.

3. umgangssprachliche Redewendungen nutzen

Nun versuchst du allgemein, möglichst authentisch (also in deiner Umgangssprache) in kurzen Sätzen/Phrasen zu beschreiben, worum es geht. Dabei kann man auch Redewendungen mit einfließen lassen. Dadurch fühlt sich der Zuhörer später noch besser verstanden und mit dem Song verbunden. Beginne beispielsweise mit allgemeinen Phrasen wie: „Mein Leben ist…“, „ich hätte nie gedacht…“, „Es ist, wie es ist…“, „Im letzten Sommer…“ oder „Stell dir vor…“. Schreibe deine Gedanken und Gefühle also wie eine Art Geschichte in möglichst kurzen Sätzen auf. Bleib dabei möglichst allgemein, aber bildlich, gern auch übertrieben.

4. Reihenfolge

Falls deine Stichpunkte und Sätze noch sehr durcheinander gewürfelt sind, dann versuche eine sinnvolle, eventuell dramaturgische oder chronologische Reihenfolge dazu zu finden. – Wie bei einer Geschichte. Ordne deine Ideen zunächst nur grob. Das funktioniert natürlich besser am Computer oder Tablet, als auf Papier. Aber auf Papier geht es natürlich auch, man braucht ggf. ein paar Seiten mehr. Die Reihenfolge ist nun aber nicht in Stein gemeißelt! Es könnte durchaus sein, dass wir daran in einem späteren Schritt noch ein paar Anpassungen machen.

5. Länge anpassen

Vielleicht hast du noch nicht mega viele Sätze/Phrasen beisammen. Das ist nicht schlimm. Nimm dir nun zunächst nur je zwei kurze Phrasen vor, die auch von der Handlung zusammenpassen. Lies jetzt den ersten Teil vor und klopfe die betonten Silben im Rhythmus auf dem Tisch mit. Beachte, dass man im Song später auch die Betonung variieren kann. Probier aus, was dir besser gefällt. Der eine Satz sollte nun an den anderen angepasst werden. Dazu kann man kürzen, umformulieren oder verlängern. Manchmal helfen hierbei auch Synonyme weiter. Sollten dir keine „Alternativwörter“ einfallen, sieh doch mal in einem Synonymlexikon nach.

Beispiel:
Ich träume schon lange davon —-> Ich träume schon so lang‘ davon
Ich hätte nicht gedacht, dass ich es schaffe —–> hätt‘ nicht gedacht, dass ich es schaff‘

6. Reime finden

Den fünften und sechsten Schritt kann man auch miteinander kombinieren. Zusätzlich zu den beiden Phrasen aus dem letzten Schritt, versuche ich nun ähnlich lange Verse zu bilden, die sich auf die vorhandenen Teile reimen. Der Klopfrhythmus der betonten Silben sollte im Idealfall dazu passen. Die zusätzlichen Phrasen, die wir jetzt schreiben, sind dazu da, um einen Reim zu bilden. Man kann auch hier entweder eine zusätzliche Beschreibung oder eine umgangssprachliche Redensart nutzen. Es gibt übrigens reine Reime sowie unreine, beides ist erlaubt. Im Reimlexikon findest du mögliche Wörter, die sich auf dein gesuchtes Wort reimen. Das machst du mit allen relevanten Sätzen aus deiner Notiz.

Beispiel:
Ich träu – me – schon so – lang da – von (A)
hätt‘ nicht – ge – dacht, dass – ich es – schaff (B)
Bis heu – te – wars mei – ne Miss – ion (A)
Ich schlag- mich- durch, – mit le – tzter Kraft (B)

7. Reimschema

Im letzten Beispiel siehst du einen Kreuzreim, da sich die Zeilen abwechselnd aufeinander reimen: ABAB. Es gibt verschiedene Reimschemen. In vielen Songs werden die einfachsten Formen verwendet, zum Beispiel der Paarreim (AABB), der Kreuzreim (ABAB) oder der Haufenreim (AAAA). Beispielsweise wär es also auch möglich, die Zeilenreihenfolge zu ändern, sofern der Inhalt dann noch sinnvoll ist.

Beispiel Paarreim:
Ich träu – me – schon so – lang da – von (A)
Bis heu – te – wars mei – ne Miss – ion (A)
hätt‘ nicht – ge – dacht, dass – ich es – schaff (B)
Ich schlag- mich- durch, – mit le – tzter Kraft (B)

8. Nicht jeder Song reimt sich

Für den Fall, dass sich das Umgangssprachliche in deinem Text so stark durchsetzt und es trotzdem bildlich und allgemein ansprechend ist, kannst du in Songs auch auf Reime verzichten. Es ist dann ohne Melodie zwar nicht unbedingt als Songtext oder Gedicht erkennbar, doch auf der anderen Seite kann man niemanden in sein künstlerisches Schaffen reinreden. Es gibt ja auch bekannte Songs ohne erkennbares Reimschema. Bspw. „Hand in my pocket“ von Alanis Morissette.

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9. Strophen und Refrain festlegen

Egal, ob deine Sätze und Phrasen sich nun aufeinander reimen oder nicht, jetzt sollte man sich Gedanken um den Songablauf machen. Welcher Teil eignet sich gut als Einleitung und könnte eine erste Strophe sein? Welche Teile unterscheiden sich vom Rest? Gibt es vielleicht eine Gegenmeinung im Text, die für einen C-Teil geeignet ist? Und was ist der bedeutendste Part, der am stärksten ist – der Refrain? Der Refrain kann durch einfache „Ohhhs“ und „Aaahhhs“ ergänzt und so zum einprägsamsten Element im ganzen Text werden, sowie später das Publikum zum Mitsingen anregen.

10. Songablauf

Bestimmt hast du von diversen Songabläufen gehört. Hier mal ein paar Beispiele: Ich benenne die Songteile hier mal wie folgt: Strophe = A, Refrain = B, C-Teil = C. Ein Song könnte demnach wie folgt ablaufen: ABABCB oder BABAB oder AABACB. Überleg dir, was deine Aussage und Handlung im Song gut unterstreicht und was passen könnte. Es ist dein Song. Gestalte ihn nach deinen Vorstellungen. Natürlich kann man den Song später immer noch umarrangieren, wenn man zum Beispiel den letzten Refrain unbedingt wiederholen möchte.

Fazit :

Eine bildhafte, aber allgemeine Beschreibung deiner Gedanken und Gefühle kann durch Umgangssprache und Reime sowie einen guten Ablauf aller Elemente bereits die „halbe Miete“ zum ersten eigenen Song sein. Natürlich muss man die Formulierungen noch ausfeilen sowie die Länge und Betonung der Verse anpassen. Doch es ist nicht unmöglich. Man muss sich nur überwinden und erst einmal anfangen. Diese Schritt für Schritt Anleitung ist eine mögliche Herangehensweise an das Schreiben eines Songtextes. Irgendwann denkt man auch nicht mehr in Einzelschritten, sondern alles fügt sich zusammen und mit der Erkenntnis, worauf man achten muss, entsteht der Songtext fast intuitiv im Kopf. Wie man zur passenden Melodie kommt, erfährst du in einem anderen Beitrag. Ich hoffe, ich konnte dir beim Texten ein wenig behilflich sein. Schön, dass du auf musifiziert.de vorbei geschaut hast. Bis bald.

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