Schwierige Voraussetzungen beim Singen

Dass sich mit verletzter Hand schwer Gitarre spielen lässt, ist offensichtlich. Doch auch beim Singen gibt es neben der gefürchteten Heiserkeit schwierige Voraussetzungen und Umstände, die Deine Stimme beeinträchtigen können. Warum es Frauen dabei manchmal schwerer haben und was man vorweg tun kann, um bestimmte Risiken zu vermeiden, verrate ich Dir in diesem Artikel.

Rauchen nicht gestattet

Wird in Deiner Nähe geraucht? Speziell der Qualm von Zigaretten, Zigarren oder was auch immer in Deiner Nähe geraucht wird, kann sich (besonders wenn Du Nichtraucher bist) negativ auf Deine Stimme beim Singen auswirken. Auch ich bin schon in der Situation gewesen, dass sich Zuschauer in meiner Nähe eine Zigarette angezündet haben und ich durch den Qualm husten musste und somit einige Töne abgewürgt habe. Der Dampf einer Elektrozigarette sollte da nicht unbedingt stören. Doch wenn Du auch darauf empfindlich reagierst, solltest Du den Dampfenden bitten, nicht in Deine Richtung zu pusten. Im Vertrag oder bei der Vereinbarung könnte man bereits vorher darauf hinweisen, dass das Rauchen nicht gestattet ist, weil es die Stimme belastet und sich negativ auf die gesangliche Leistung auswirken kann. Aber das gilt nicht nur für den Auftritt, sondern auch für die Proben, in denen Deine Bandkollegen hoffentlich Rücksicht nehmen. Das umstrittene Thema Raucher und Nichtraucher überspringen wir an dieser Stelle lieber.

Lagerfeuer: Wenn aus Romantik Atemnot entsteht

Du sitzt gemütlich am Lagerfeuer, gibst Deine Songs zum Besten und der Wind dreht. Der Qualm bläst plötzlich in Deine Richtung und nicht nur Deine Augen fangen an zu brennen, sondern auch das Atmen fällt Dir schwer. Du bist schon im Ansatz zum Husten und quälst Dich, Deinen Song trotzdem elegant zu Ende zu bringen. Genau dann wird aus dem romantischen Lagerfeuerabend mit Live-Musik ein ärgerliches Erlebnis, was Du auf keinen Fall wiederholen möchtest. Hab dieses Szenario einfach im Hinterkopf und versuche flexibel zu reagieren oder gleich genug Abstand zum Feuer zu halten, dass der Qualm gar nicht so weit kommt.

Deosprays: Wieder voll eingedieselt

Egal, ob Du Dich vor Deinem Auftritt selber noch mal mit frischem Duft versorgen willst, oder ob sich jemand in Deiner Nähe mit Deo einsprüht, versuch es nicht einzuatmen. Denn in vielen Deos sind Inhaltsstoffe, die sofort die Atemwege reizen und Du das Gefühl hast, husten zu müssen. Und wir wissen jetzt bereits, dass ein Hustenanfall der Stimme kurz vor dem Auftritt ziemlich zusetzen kann. Nach so einem Hustenanfall ist es gut, wenn man noch eine Stunde hat, sich zu beruhigen und die Stimme sanft wieder einsingen oder mit leichten Übungen normalisieren kann.

Bühnennebel

Es gibt in einigen Bühnenanweisungen mancher Musikgruppen und Künstler, die Anweisung, auf Bühnennebel zu verzichten. Denn manche SängerInnen reagieren darauf allergisch. Das kann dazu führen, dass der Auftritt abgebrochen werden muss oder gar nicht erst stattfindet. Solltest Du also ebenfalls diese Erfahrung bei Dir gemacht haben oder Dir nicht sicher sein, dann bitte vor Deiner Show das zuständige Bühnenpersonal darum, bei Deiner Performance keinen Nebel zu verwenden.

Scharfes Essen

Auch scharfes Essen kann zu einer Reizung der Schleimhäute führen und Dir beim anschließenden Singen unter Umständen Probleme bereiten. Besonders, wenn man es nicht gewohnt ist. Zum Thema Essen und Trinken bin ich bereits in meinem Artikel „Fit durch den Auftritt“ eingegangen. Normalerweise kommt das Essen und Trinken ja nicht mit Deinen Stimmlippen in Berührung, da Luft- und Speiseröhre getrennt sind. Aber verschluckst Du Dich und bekommst einen Hustenanfall, ist es wiederum sehr schwierig direkt im Anschluss zu singen.

Nur für Frauen: der Zyklus und die Stimme

Warum haben es jetzt Frauen manchmal schwerer? Ganz einfach. Weil sich nicht nur die Laune, sondern auch die Stimme während des Monatszyklus der Frau verändert. In den Zeiten der Menstruation schwellen die Schleimhäute der Stimmlippen mehr an. Die Stimmlippen verfestigen sich etwas, sodass Du als Frau nicht ganz so leicht die Höhen beim Singen erreichst wie gewöhnlich. Ich finde meine Stimme dann auch etwas rauer und tiefer, was jedoch interessant für Sprachaufnahmen sein kann. Der Unterschied ist für mich selber nur minimal, und bewusst wahrgenommen habe ich das auch erst, als ich davon erfahren habe, einige Zeit sehr genau darauf geachtet habe und angefangen habe, auch höher zu singen. Ich persönlich empfinde allerdings die Zeit einige Tage vor der Menstruation beim Singen als „unbequemer“. Aber das ist sowieso eine sehr „unbequeme“ Zeit, in der viele Frauen mit diversen Beschwerden zu kämpfen haben.

Wusstest Du,

dass die Aufführungen der Opernsängerinnen am Theater früher sogar so geplant wurden, dass sie nicht in die „akuten“ Tage der Menstruation fallen? Dafür gab es 3 Tage Schonfrist. Heutzutage spielt das leider kaum mehr eine Rolle – zum Unmut für Sängerinnen und Phoniater/HNO Ärzte. Vielleicht ein weiteres Zeichen der Leistungsgesellschaft oder eine Folge der Gleichstellung der Geschlechter? Ich weiß es nicht. Dennoch ist es gut, wenn man darüber etwas weiß und seine Stimme während des Zyklus beobachtet und versteht, warum sie ggf. unterschiedlich klingt und wann ein Aufnahmetermin im Studio vielleicht eher ungünstig ist. Liebe Kolleginnen, wie sind denn Eure Erfahrungen diesbezüglich?

(Hier gibt es Links zum selber forschen: WeltN24 ; PDF Studie ab Seite 90 )

Allergien

Ich kenne jemanden, der bei Pfefferminz immer mindestens sieben Mal hintereinander niesen muss. Andere sind allergisch gegen Katzenhaare, Hausstaub, Gräser, Pollen, Äpfel, Erdnüsse …. Diese Liste kann ich hier bei Weitem nicht vervollständigen. Es gibt unzählige Allergien und die verschiedensten Auslöser. Wenn Du weißt, worauf Du allergisch reagierst, dann vermeide in jedem Fall den Kontakt zum auslösenden Reiz wenn Du singen musst, denn auch die Schleimhäute können entsprechend reagieren. Ich denke, dass man als Allergiker sowieso nicht mit dem auslösenden Stoff in Verbindung kommen sollte und sich ärztlich beraten lassen sollte, um weiteren Schäden vorzubeugen. Aber in der Liste mit den schwierigen Voraussetzungen, darf dieser Punkt nicht fehlen.

Reizung durch giftige Dämpfe und Gase

Sicher wird kaum jemand in einer frisch gestrichenen Garage auftreten oder in einem Raum, an dem die Wände schimmeln oder der Fußbodenbelag und diverse Baumaterialien chemisch riechende, giftige Dämpfe verströmen. Aber man weiß ja nie. Und nur für den Fall, man kann dort keine frische Luft zuführen und es wird einem schon beim Sprechen schlecht und schwindelig beim Atmen, dann sollte man eventuell doch von einem Auftritt in diesem Umfeld absehen.

Fazit:

Ich bin natürlich keine Ärztin oder Wissenschaftlerin, sondern einfach eine Beobachterin. Und ich will auch keine Angst verbreiten. Doch ich denke, alles, was einen Einfluss auf unsere Stimme hat, sollten wir im Auge behalten. Und wenn es uns nicht gut tut, sondern hindert oder gar schadet, dann sollten wir es versuchen, bereits von Beginn an zu meiden. Was der Stimme dagegen gut tut und was uns beim Singen hilft, das sollten wir stattdessen bewusst in unseren Alltag versuchen zu integrieren. Was fällt Dir zum Singen unter schwierigen Voraussetzungen noch ein und wie waren Deine Erfahrungen damit bisher? Schreib es gern in die Kommentare. Ich freue mich, dass Du wieder auf musifiziert.de vorbeigeschaut hast. Bis bald.

3 Responses to “Schwierige Voraussetzungen beim Singen

  • Liebe Binegra,
    erstmal herzlichen Dank für Deine schöne Musik und die wertvollen Tips in Deinem Blog! Ich lese Deine Zeilen sehr gerne, staune und lasse mich inspirieren. Schaffst Du das alles alleine? Musik komponieren und präsentieren, Blog und Webseite pflegen, Soziale Medien füttern, Videos drehen und hochladen und dazu der bürokratische Kram…ich bin sehr beeindruckt!
    Ich kann absolut bestätigen, wie die Stimme sich während des Zyklus verändert. Auch ich erlebe Tage, an denen ich mit Leichtigkeit sämtiche Höhen erreiche und andere Tage, an denen mich dieselbe Tonlage unglaublich anstrengt und natürlich auch nicht so schön klingt (für mich zumindest). Aber auch meine eigene Verfassung spielt eine große Rolle. Manchmal fühle ich mich völlig frei und manchmal spüre ich richtig, wie ich eng werde, meine Kehle und Brustkorb sich wie eingepfercht anfühlen und so dann auch kaum Präsenz herauskommt.
    Auch auf Parfums reagiere ich im wahrsten Sinne allergisch, die Stimme belegt, der Kopf dröhnt, ich kann kaum atmen. Komischerweise habe ich das Problem mit Zigaretten weniger.. Liegt aber vielleicht auch an der inneren Einstellung. Unsere Stimme ist schon ein phantastisches Wunderwerk und ein großartiger Spiegel unseres inneren Befindens.
    Ein großes Geschenk!
    Ich freue mich, mehr von Dir zu hören und sende ein herzliches bis bald!
    Claudia

    • Hallo Claudia, Vielen Dank für Deinen Kommentar und die vielen lieben Worte. Ja bisher versuch ich, das alles allein zu machen. Ist tatsächlich auch etwas Arbeit. Da es mir aber Spaß macht, empfinde ich es nicht als solche und mach das so Stück für Stück. Ja, die Stimme ist wirklich ein Wunderwerk. Und ich finde es wahnsinnig spannend darüber mehr zu erfahren und bewusst zu beobachten. Es sind noch einige Themen offen, über die ich dazu auch noch schreiben möchte. Freu mich, wenn Du weiter meine Beiträge verfolgst und gern auch eigene Erfahrungen dazu teilst. Bis bald. Liebe Grüße, Binegra

  • Und vielen Dank für den hochinteressanten Link zum Einfluss der Hormone auf die Stimme!
    Da klärt sich doch so einiges…

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