Wann ist man als Musiker gut genug?

Als Musiker fragt man sich von Beginn an, ob man „gut genug“ ist. Gut genug für eine Band, gut genug für einen Auftritt vor Publikum, gut genug für ein Vorspielen und so weiter. Nicht nur am Anfang der sogenannten Musikkarriere trifft man auf diese Frage, auch im späteren Verlauf, wenn zum Beispiel neue Herausforderungen auftauchen. Doch wie lässt sich feststellen, wann man „gut genug“ ist?

Wann ist man als Musiker gut genug

Was bedeutet „gut genug“?

Alles beginnt wie immer mit einer Definition. Was schätzt man selber als „gut“ ein? Wofür willst Du „gut genug“ sein? Frage Dich zunächst konkreter, wofür Du „gut genug“ sein möchtest. Denn ob Du „gut genug“ für ein kleines Ständchen beim Geburtstag Deiner Oma sein möchtest oder „gut genug“, um eine Aufnahmeprüfung zu bestehen, lässt sich ja doch nicht miteinander vergleichen. Da sollte man differenzieren. Und wenn es für das Ständchen bereits reicht, dann setz Dir gleich Dein nächstes Ziel.

Mit anderen Augen

Oft können wir uns selber nicht richtig einschätzen. Da hilft nur die Perspektive von außen. Nach meiner Erfahrung schätzen andere Menschen einen immer etwas anders ein, als man sich selbst. Von außen betrachtet gibt es eben immer auch noch mal einen anderen Blick auf das eigene Können. Ob Du dabei von einem Fachmann und Profi beurteilt wirst oder von einer nahestehenden Person, die keine Ahnung hat, macht selbstverständlich auch wieder einen großen Unterschied. Doch fangen wir mal bei der Selbsteinschätzung an. Da gibt es nämlich zunächst zwei unterschiedliche Szenarien:

Du bist besser als, als Du denkst.

Du versuchst möglichst „perfekt“ zu sein, bist ehrgeizig, dann aber doch nie so hundert prozentig mit Deiner Leistung zufrieden? Und denkst Du vielleicht manchmal, Du hast nicht gut abgeliefert und legst Dir schon Ausreden und eine Rechtfertigung parat? Dann ist der Auftraggeber jedoch völlig begeistert von Deiner Leistung und freut sich schon auf die nächste Zusammenarbeit mit Dir. Er findet es klasse und lobt Deine tolle Arbeit. – Glückwunsch, Du bist besser, als Du denkst! Vermutlich arbeitest Du einfach sehr an Dir und auch ein „Gut“ verleitet Dich nicht dazu, Dich mit einer mittelmäßigen Leistung zufrieden zu geben. Beleuchten wir nun doch mal das Gegenteil dazu.

Du hältst Dich für besser, als Du bist.

Du bekommst von Deinen Freunden immer Lob und Anerkennung, weil Du neuerdings Musik machst und sie das gar nicht von Dir erwartet haben? Sie sagen, Du hättest Talent und solltest mal zu einer Castingshow gehen? Ein paar kritische Stimmen ignorierst Du gekonnt, denn Du weißt, dass Du eigentlich viel besser bist, als die Kritiker behaupten. Wenn Dir Fachleute gute Ratschläge geben wollen, winkst Du ab, weil Du weißt, dass Du das nicht nötig hast. Die sogenannten „Profis“ sind garantiert einfach nur neidisch auf Dich. Du glaubst fest, dass Du der nächste große Musikstar wirst, weil Du schon jetzt soooo gut bist? – Vorsicht! Es könnte sein, dass Du doch nicht so super bist, wie Du denkst. Denn besonders enge Freunde und Familien neigen dazu, nicht immer ganz so realistisch zu bewerten.

Ich mach das schon immer so.

Ach ja, es gibt auch noch die Leute, die schon ewig Musik machen und trotzdem nicht besser werden. Meistens sagen sie Sätze wie: „Ich mach das schon 20 Jahre so, ich kenn mich aus! Vertrau mir!“ – Das ist nicht unbedingt ein schlaues Argument, denn man kann Dinge auch 20 Jahre lang schlecht oder falsch machen! Wenn jemand so viel Zeit in seine Musikkarriere investiert hat, dann sollte er eigentlich schon sehr viel erreicht haben und vorweisen können. Ist trotzdem kein „großer Musiker“ aus ihm geworden, dann hat er wohl 20 Jahre lang die gleichen Fehler gemacht oder es einfach nicht ernst genommen. Nehmen wir mal an, Du willst Dich entwickeln und gut sein.

Eigenen Maßstab an Vorbilder anpassen.

Sich an Vorbildern zu orientieren, die schon so gut sind und die erreicht haben, was man selber erreichen möchte, ist dagegen eine gute Strategie. Denn so strebt man eben immer nach Verbesserung und das bedeutet, dass man sich weiterentwickelt. Begnügt man sich jedoch immer nur mit einer durchschnittlichen Leistung, bleibt man irgendwann einfach in seiner Entwicklung stehen. Stillstand bedeutet oft leider auch Rückschritt.

Übung macht den Meister

Man sagt, ein Meister hat rund 10.000 Stunden eine Sache gemacht, bis er darin Meister wurde. Er hat also viel geübt und sich nicht abbringen lassen. Und tatsächlich nehmen auch Profis Unterstützung in Form von Coachings, Unterricht und Trainings in Anspruch und üben zusätzlich, um ihr Top-Level zu halten und dabei sogar immer noch ein kleines Stückchen besser zu werden. Durch gezielte Gesangsübungen kann man zum Beispiel seinen Stimmumfang um circa einen Ton pro Jahr erweitern. Mariah Carey muss mit ihren 5 Oktaven also ganz schön fleißig geübt haben, wenn man bedenkt, dass eine „normale Stimme“ ungefähr 2 Oktaven schafft. Ist ja auch ganz logisch! Würde ein Sportler plötzlich nicht mehr trainieren, würde er im Wettkampf verlieren. Und so ist das auch bei uns Musikern und Sängern. Wenn wir nicht mehr üben, verlieren wir langsam unsere Sicherheit und unsere (ich nenn es mal) „Geschmeidigkeit“.

Too much?

Gibt es ein „zu perfekt“? Ich glaube nicht, dass man tatsächlich „zu perfekt“ sein kann. Es wird Dir niemand übel nehmen, wenn Du wahnsinnig gut bist und nahezu fehlerfrei abliefern kannst. Bist Du hingegen dauerhaft schlecht, könnte man Dir das schon krumm nehmen oder zumindest das Interesse an Dir verlieren. Aber trotzdem denke ich auch, dass man nicht perfekt, dafür aber authentisch sein muss, um zu begeistern. Es gibt für jede Entwicklungsstufe eine Plattform und ein Publikum. Warum Du Dich also trotzdem trauen solltest, Dich jetzt schon zu präsentieren? Ganz einfach, die Menschen lieben es zu sehen, wie sich jemand entwickelt. Es inspiriert und viele freuen sich mit Dir. Vorausgesetzt man kann eine Entwicklung oder Kontinuität auch erkennen.

Was sagen wildfremde Menschen?

Ob Du „gut genug“ bist, kannst Du prima herausfinden, in dem Du viele verschiedene Personen nach ihrer Meinung fragst. Am Besten fragt man dazu fremde Menschen, die nicht aus einem engen Kumpelverhältnis zu Dir stammen. Sicher ist die Antwort dann nicht immer angenehm, aber dafür ehrlich und repräsentativ. Nimm zum Beispiel ein Video oder ein Audio auf und spiele es anderen Musikern vor. Oder lass Dir Deine Stärken und Schwächen in einem persönlichen Coaching aufzeigen. Ruh Dich bloß nicht auf dem Lob Deiner Oma aus, sondern check auch die anderen Meinungen ab. Nimm dabei keine Meinung persönlich, sondern sieh sie als Verbesserungsvorschlag und Anregung. Auch den persönlichen Geschmack einer Person musst Du nicht überbewerten.

Fazit:

Wenn Dich wirklich beschäftigt, ob Du „gut genug“ bist in Deinem Können, dann ist Dir bewusst, dass man sich entwickeln kann. Du kannst an Dir arbeiten und besser werden – oder auch nicht. Du hast die Wahl! Nimm Hilfe in Anspruch. Nicht nur, um Dich von anderen Menschen einschätzen zu lassen und herauszufinden, wie „gut“ Du aktuell bist, sondern gegebenenfalls auch, um das Beste aus Dir herauszuholen. „Werde eine bessere Version Deiner Selbst!“ Steck Dir Ziele und versuch zu schaffen, was Deine Vorbilder geschafft haben. Bedenke, dass die es aber auch nicht an einem Tag gemeistert haben, sondern ebenfalls viele viele viele Stunden an sich gearbeitet haben. Trau Dich, auch wenn Du Dich noch nicht perfekt fühlst! Ich freu mich, dass Du auf musifiziert.de vorbeigeschaut hast. Bis bald!

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