Die Bühne und ich

Als Musikerin und Sängerin sollte ich wohl eine bessere Verbindung zu ihr haben. Und doch habe ich sie gemieden in den letzten, sagen wir mal, 1-2 Jahren. Vielleicht war es auch kürzer oder länger, wer weiß. Ich mochte sie nicht sehen und sie hat mich auch nicht vermisst. Wir haben uns eine Auszeit gegönnt. Wenn das Feuer nicht mehr brennt, dann kann auch der Funke nicht überspringen. Oder steckte doch etwas ganz anderes dahinter? Und wie kam es überhaupt dazu? Wie habe ich die Zeit ohne sie stattdessen verlebt? Geht das überhaupt, Musikerin sein und auf sie verzichten – auf die Bühne? Mehr dazu verrate ich in diesem Beitrag.

Die Bühne und ich

Wenn das persönliche Verhältnis zur Bühne nicht mehr stimmt…

Ich erinnere mich an viele Auftritte. Einige zusammen mit Musikern, die meisten aber solo. Manche in der Öffentlichkeit, manche privat und geschlossen. Es waren natürlich viele tolle Momente dabei. Und doch erinnere ich mich, dass ich mich zuletzt als Künstlerin nicht mehr frei auf der Bühne gefühlt habe. Es war sehr oft mit falschen Erwartungen und Druck verbunden, oder mit schlechten Erfahrungen. Ich versuchte, letztendlich meine Unzufriedenheit über meine Gage auszugleichen. Wenn mir der Rahmen für meine Musik unpassend oder weniger „würdig“ erschien, dann verkaufte ich mich gern zu einem höheren Betrag, als bei Konzerten, die mir Spaß machten. Doch das ging natürlich nicht immer und so habe ich immer weniger und irgendwann kaum noch gespielt.

Warum wollte ich nicht mehr auftreten?

Es gab nicht nur einen Grund. Solo auf der Bühne zu sein, war eigentlich kein Problem, jedoch hat es mich oft gestört, dass ich das Erlebnis im Anschluss mit niemandem auswerten und teilen konnte, wenn ich so ganz allein Vorort war und meinen „Job“ machte. Ich wünschte mir, dass jemand dabei wär, der mich als Rückhalt oder Beteiligter begleitete. Das hat leider oft nicht geklappt. Am Ende eines Auftritts war es deshalb meist schwierig, überhaupt einen Auftritt beurteilen zu können. Dazu kamen die Verantwortung und der Aufwand in allen weiteren Bereichen wie Transport, Absprachen mit Techniker und Veranstalter, manchmal auch der Aufbau der Technik/des Equipments, Werbemaßnahmen im Vorfeld, der anschließende CD-Verkauf etc. – Es war nicht nur die künstlerische Darbietung auf der Bühne, sondern zusätzlich viele organisatorische Fragen, die drumherum geklärt sein mussten. Ich hatte nicht mehr die Kraft und Lust, das alles allein zu machen. War ich schwächer geworden oder brauchte ich nur mal eine Pause?

Ein Problem ist das Zusammenspiel verschiedener Ursachen.

Sicher hatte ich eine Phase, in der ich unzufrieden war und schwächer wurde. Es machte keinen Spaß mehr. Rückschläge und falsche Erwartungen nagten am Selbstwertgefühl. Und private Probleme, die man nicht verarbeiten konnte, spielten Körper und Geist zusätzlich einen Streich. Doch es hatte durchaus auch mit dem Job selbst zu tun. Und damit, wie die Arbeit – besser gesagt „diese Kunstform“ – geschätzt wird und im eigenen Umfeld Anklang findet.

Als Beispiel: In meiner Familie ist es sehr schwer, die Menschen zu begeistern. Die sind sehr schwer zu beeindrucken. Und irgendwann ist man da ausgebrannt und hat einfach keine Lust mehr, um Unterstützung zu bitten oder gar zu beeindrucken. Wenn man dann noch an einem Ort lebt, an dem noch mehr Menschen leben, denen scheinbar nichts gut genug ist, dann fühlt man sich irgendwann eben auch nicht mehr „gut genug“. Aber das kann man bis zu einem gewissen Punkt noch kompensieren oder ausblenden. Denn es gibt ja glücklicherweise immer noch genug Leute mit Interesse.

Perlen vor die Säue…

Am Schlimmsten finde ich nach wie vor, wenn man als Künstler deplatziert ist. Ich habe meine Musik nicht für wilde Tanzabende, laute Stadtfeste oder für ein Publikum geschrieben, was sich bloß nebenbei bespaßen lassen will. Ich wollte nicht mehr nur eine Sängerin sein, die irgendwo spielt, nur damit sie spielt. Wenn also jemand IRGENDEINE Sängerin suchte, die einfach nur schön singt oder IRGENDEINEN Livemusik-Act brauchte, dann wollte ich es nicht sein. Ich habe meine Musik geschrieben, weil sie mich bewegt und ich damit sehr persönliche Dinge verarbeitet habe und ich mich kreativ ausdrücken wollte. Das ist einfach nichts für nebenbei und schon gar keine „leichte Unterhaltung“.

Es gibt genug Musik, die da hundert Mal besser passt und die sogar die „Mainstream“-Vorgaben erfüllt. Das war nie mein Ziel, auch wenn einige Mitläufer das in mir sehen wollten! Ich wollte mich nicht als Pausenclown oder Lückenfüller fühlen. Ich stehe zu meiner Musik und will mich nicht irgendwo abstellen lassen, wo man das nicht zu schätzen weiß und noch nebenbei Fußball schaut. (Alles schon erlebt…) Aber das war auch nicht der einzige Grund…

Wenn der Körper nicht so mitmacht…

In meinem Artikel über die „klaffende Tube beim Singen“ habe ich es ja schon mal beschrieben. Es passierte mir immer öfter, dass ich diese Probleme im Ohr hatte und somit bei Auftritten das Intonieren erschwert wurde. Ich fühlte mich immer unsicherer, selbst wenn ich positives Feedback im Anschluss erhielt. Dazu kamen weitere ungünstige Symptome, auf die ich gar nicht näher eingehen möchte. Und so ergab es sich irgendwann, dass ich nicht mehr so gern live vor Menschen auftreten wollte. Das Singen im Studio oder auch mal für ein Video dagegen war und ist kein Problem. Da kann ich mir immerhin auch Zeit für mein Problem mit der klaffenden Tube nehmen. Nach ein paar Kniffen schließt sie sich zum Glück bei mir oft wieder, zumindest für eine kurze Weile. In einem Auftritt konnte ich das nicht beheben.

Was lief noch so schief?

Zu meinen negativen Erfahrungen kamen neben den Auftritten, auf denen ich deplatziert war, etliche Auftritte, auf denen ich unter ganz ungünstigen Bedingungen spielen musste. Und das war meistens dann der Fall, wenn ich mich auf der Bühne nicht hören konnte. Nicht wegen der eben angesprochenen klaffenden Tube, sondern weil das Monitoring unzureichend oder gar nicht zu hören war, trotz des Soundchecks. Man kann noch so professionell und bemüht sein, wie soll man gut spielen oder singen, wenn man sich nicht hört? Irgendwann hat man einfach kein Bock mehr auf solche „Pannen“. Aber darüber will ich mich jetzt nicht weiter auslassen. Das gehört wohl leider zum Geschäft und war Gott sei Dank auch nicht immer so!

Nicht mehr auf der Bühne! – Was habe ich stattdessen gemacht?

Wenn ich nur noch selten auf der Bühne stand, was habe ich als freiberufliche Musikerin denn dann gemacht? Abgesehen von privaten Veränderungen haben sich für mich neue Möglichkeiten ergeben. Neben meinem Einzelunterricht, den ich nach wie vor gebe sowie diversen Studiojobs im Bereich Sprache & Gesang und gelegentlichen Songaufträgen, hat sich für mich im letzten Jahr auch ein Weg ins Theater aufgetan. Doch Entwarnung, nicht etwa auf die Bühne, sondern hinter die Kulissen.

Neue Erfahrungen…

Ich entdeckte für mich das Arbeiten aus der Deckung in einem völlig anderen Gebiet. Nämlich im Bereich Video & Ton. Es macht Spaß und gibt mir zudem die nötige Inspiration für eigene Projekte. Außerdem erlaubt es mir natürlich auch den Blick in die Bühnenarbeit eines Theaters, die ich bis dato noch nicht kannte. Diese Arbeit mache ich nun neben meiner Selbstständigkeit als Nebenjob bzw. manches fließt auch in die Selbstständigkeit als neuer Aufgabenbereich mit ein. Ich habe eigentlich gar nicht nach Nebenjobs gesucht und ein Job im Supermarkt oder so, wäre deshalb auch überhaupt nicht infrage gekommen, es hat sich eher so ergeben.

Bei der Entscheidung, ob ich es überhaupt machen will, ging es mir nicht um Geld! Wobei ich zugeben muss, dass dieser Aspekt mittlerweile doch ganz nett ist, wenn man bedenkt, dass man mit einem gewissen Betrag pro Monat rechnen kann. Vielmehr brauchte ich wohl die Abwechslung und neue Erfahrungen – hauptsächlich wollte ich aber das Theater besser kennenlernen. Etwas in mir hatte sich das wohl heimlich gewünscht und als kleiner Teil etwas Großes zu unterstützen, war und ist absolut reizvoll.

Nie wieder auf die Bühne???

Vielleicht könnte man jetzt denken, dass ich nie wieder auf die Bühne möchte. Nein, das stimmt so natürlich nicht! Ich suche mir die Gelegenheiten jetzt nur besser aus. Wenn sich Möglichkeiten bieten, meine Musik in einem passenden Rahmen einem aufmerksamen Publikum zu präsentieren, dann will ich das gern machen, sofern ich mich ausreichend darauf vorbereiten kann. Und ich hatte sogar schon wieder Gelegenheit, zu spielen, wo ich mich wohlgefühlt habe und nicht „allein“ war.

Es ist schön, wenn man dann wieder dieses Glück empfinden kann, weil auch der Funke tatsächlich auf das Publikum übergesprungen ist. Dennoch werde ich wohl weiterhin keine Touren spielen wollen und Auftritte sollen immer etwas Schönes und Besonderes für mich bleiben. Das darf selten sein, nur nicht alltäglich. Da bin ich für Qualität statt Quantität. Wie ist es bei dir? Stehst du gern und oft auf der Bühne oder ist es bei dir ähnlich oder ganz anders? Schreib gern einen Kommentar. Ich freue mich, dass du auf musifiziert.de vorbeigeschaut hast. Bis bald.

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