Digitale Schlinge – Musiker in der Falle?

Es hat sich bis zum heutigen Tag viel verändert, was die Internetnutzung als Musiker und Webseitenbetreiber betrifft. Auf der einen Seite haben wir so viele Möglichkeiten, wie nie zuvor, als Selbstvermarkter aktiv zu sein. Wir brauchen keine „Zwischenstation“ mehr, sondern können unseren Content, egal ob Musik, Videos, Bilder oder Blogbeiträge direkt dem Endverbraucher zur Verfügung stellen sowie unsere Seiten selbst pflegen und aktualisieren. Auf der anderen Seite hat bereits vor einiger Zeit eine Entwicklung begonnen, die ich sehr beunruhigend und zugleich frustrierend empfinde. Als Musiker ist man selbstverständlich ebenfalls betroffen, denn die eigene Präsenz im Netz steht auf dem Spiel und damit auch eine wichtige Grundlage. Ich habe das Gefühl, dass es den „Kleinen“ immer schwerer gemacht wird, überhaupt bestehen zu bleiben. Was ich damit meine, möchte ich in diesem Beitrag mal loswerden. Aber Achtung, dieses Thema könnte schlechte Laune verursachen.

Digitale Schlinge

Früher, als alles noch in Ordnung war…

Vor nicht allzu langer Zeit konnte man auch ohne Budget im Internet noch viel schaffen. Wenn man fleißig genug war, konnte man auf Facebook viele Menschen erreichen, sogar kleine YouTuber konnten mit ihren Videos Geld durch Monetarisierung verdienen, eine eigene Webseite und Onlinepräsenz war ein Kinderspiel und stellte kein Risiko dar. Mittlerweile muss man sich mehr als gut informieren, viele Besonderheiten beachten und dafür am besten noch Jura und Marketing zusammen studiert haben. Doch nicht mal die Experten scheinen alles zu wissen und zu durchschauen, weil sich alles verändert. Es ist wie im Supermarkt, wenn du eigentlich mittlerweile weißt, wo das Brot liegt und plötzlich alles umgeräumt wurde. Du fängst immer wieder ganz bei null an.

Frust auf YouTube

Mich persönlich hat es sehr geärgert und auch etwas getroffen, als YouTube seine Richtlinien zur Monetarisierung Anfang des Jahres verändert hat. Bisher war es so gewesen, dass man seine Videos monetarisieren konnte und dann ab einem Betrag von 70 Euro ausbezahlt wurde. Das konnte im Prinzip jeder machen. Ich hatte gerade zwei Mal die Marke erreicht und mich über das kleine Taschengeld gefreut. Doch dann wurde zugunsten der großen YouTuber wieder alles umgestaltet. Ab sofort seien 1.000 Abonnenten sowie 4.000 Stunden Wiedergabezeit im Jahr Grundvoraussetzung, um sich für die Monetarisierung zu bewerben. Tja, wie soll man mit kurzen Musikvideos diese Wiedergabezeit schaffen? Schade eigentlich für kleinere Kanäle. Und sehr ärgerlich, wenn man gerade kurz vor der nächsten Auszahlung stand. Aber gut, es gibt Schlimmeres.

Einschränkungen der Reichweite auf Facebook

Besonders negativ ist mir natürlich auch die Einschränkung der Reichweite bei Facebook aufgefallen. Wenn man nicht gerade eine Werbeanzeige auf Facebook schaltet, dann hat man noch Glück, wenn überhaupt 5 Prozent der eigenen Follower neu gepostete Beiträge im Newsfeed sehen. Das hat sich nach meinem Empfinden in den letzten Jahren dramatisch entwickelt, für Seitenbetreiber ins Negative wohlgemerkt. Ich persönlich verliere deshalb auch langsam das Interesse an Facebook. Klar habe ich auch meine Erfahrungen mit „gesponserten“ Beiträgen gemacht. Aber gebracht hat es tatsächlich nicht wirklich viel. Das ist aber ein anderes großes Thema. – Zudem empfinde ich Beiträge von Musikern, die als „gesponsert“ angezeigt werden, selbst eher als lästig. Das hat immer einen komischen Beigeschmack und verleitet eher selten dazu, den Beitrag zu liken oder zu teilen.

Algorithmus – your best friend?

Doch nicht nur auf Facebook ist diese Beschneidung der Reichweite zu spüren. Natürlich auch bei YouTube oder Instagram ist mir diese Veränderung aufgefallen. Man sieht im Feed nur noch Beiträge der immer gleichen Seiten – bestimmte Seiten werden trotz neuer Posts nicht im Feed angezeigt, selbst wenn man sie abonniert hat. Ich bin technisch nicht so bewandert, dass ich erklären könnte, warum das so ist. Sicher spielt unser Surf- und Konsumverhalten eine große Rolle und Algorithmen im Netz kennen uns besser, als unsere Freunde über uns Bescheid wissen. Doch inwiefern, sollen wir Dinge nicht sehen oder mitbekommen? Und werden jetzt hauptsächlich bezahlte Beiträge unterstützt? Für mich fühlt es sich sehr gelenkt, beschränkt und zensiert an. Man erfährt eher nebenbei in persönlichen Gesprächen, dass Band oder Musiker XY ein neues Video rausgebracht hat, obwohl man das eigentlich im Newsfeed online hätte angezeigt bekommen sollen. Das ist doch traurig!

DSGVO: wie soll man ihr je gerecht werden?

Ich weiß gar nicht mehr, wie viel Zeit ich diesem Thema schon geopfert habe. Die neue Datenschutz Grundverordnung (kurz DSGVO), die seit Mai 2018 in der EU in Kraft getreten ist, macht es auch uns Musikern schwer. Dass wir auch vorher schon in der Pflicht waren, auf unserer Webseite alle notwendigen Angaben im Impressum zu hinterlegen, ist klar und akzeptabel. Doch der Rattenschwanz, der an der DSGVO dran hängt, ist nahezu unüberschaubar. Eine rechtssichere Datenschutzerklärung auf der Homepage ist das eine, aber das allein reicht lange nicht.

SSL-Verschlüsselung, Cookie-Hinweise, Verträge mit Kunden, Whatsapp-Nutzung oder Auftragsdatenverarbeitungsverträge mit allen Drittanbietern wie Webhoster oder Newsletteranbietern, ein rechtssicherer Onlineshop, sowie Änderungen im Fotorecht, die Speicherung von E-Mails und die Einhaltung der ganzen Datenverarbeitungsregelungen, auch als Seitenbetreiber in sozialen Netzwerken wie Facebook, sind nun weitere Themen, mit denen man sich gezwungenermaßen unbedingt auseinandersetzen muss, um hohe Strafen zu vermeiden. Wie soll man diesen vielen Anforderungen je gerecht werden? – Mit einem Bein immer am Abgrund – gleichgesetzt mit allen Großkonzernen und Verdächtigen?

Wie viel Zeit und Aufwand muss man noch investieren, nur damit man sicher sein kann, nicht wegen eines Fehlers abgemahnt zu werden. In der Zwischenzeit hätte man sich auch um seine Musik und Karriere kümmern können. Und dennoch, auch wenn ich mich belesen und versucht habe, allen Anforderungen, die an mich als Musikerin und Webseitenbetreiberin gestellt werden, gerecht zu werden, bleibt immer noch der bittere Beigeschmack, dass man etwas übersehen hat.

Was früher erlaubt war, ist jetzt falsch…

Man hat schnell den Eindruck, dass das was früher normal war, jetzt verboten sei. Das, was wir so geschätzt haben, also die Freiheit Inhalte zu teilen, wird nun mit so vielen Fallen versehen, dass man sich wie blind auf einem scharfen Mienenfeld fühlt. Das was früher ganz normal war, also ein Kontaktformular auf der Webseite, eine Kommentarfunktion oder ein Gästebuch auf der Webseite, schlicht weg die bisher ganz normale Nutzung, wird nun zur digitalen Schlinge. Und wenn du Pech hast, Bämm! Überall wird Angst und Panik vor Abmahnungen verbreitet und für jedes Onlineprofil muss irgendwas beachtet werden. Das nervt doch und hindert am eigentlichen Erschaffen von Content in jeglicher Art.

Werbekennzeichnung in Social Media

Das nächste leidige Thema, was im Moment im Social Media Bereich für neue Unsicherheit sorgt, ist die Frage der Kennzeichnung von Inhalten mit Produkten und Marken, die man in Posts verlinkt hat. Selbst wer sich ein Produkt selbst gekauft hat, müsse wohl nun jeden Beitrag mit der Kennzeichnung „Werbung“ versehen, wenn er die Firma im Beitrag verlinkt. Also auch, wenn es sich nicht um eine Zusammenarbeit handelt und wenn man selbst gar nichts davon hat. Das heißt jeder, der sein Studio mit seinem Equipment online vorstellt und die jeweiligen Firmen zur schnelleren Auffindbarkeit im Post verlinkt, (wie man das eben in sozialen Netzwerken tut), müsste das als Werbung kennzeichnen? – Was für ein Wahnsinn! Man hat den Eindruck, dass die Menschen, die solche Beschlüsse, Regelungen und Gesetze erlassen, noch nie im Social Media unterwegs waren. Da prallen Welten aufeinander. Überhaupt scheint man von den digitalen Medien & Onlinebusiness in der „normalen“ Welt noch nicht so viel mitbekommen zu haben, wie mir mein letzter Besuch beim Gewerbeamt deutlich gemacht hat.

Was tun?

Es hilft leider alles nichts. Man muss sich selbst immer wieder aufs Neue im Netz informieren. Am besten man bestellt sich Newsletter von kompetenten Seiten, um sich zu diesen Themen regelmäßig ein Update zu holen oder lässt sich von Experten beraten. Wer es sich leisten möchte, kann sich auch Dienstleister buchen, die die eigene Homepage checken und „sicher“ machen. Oder man macht es wie die großen Firmen und stellt sich einen Online- & Datenschutzbeauftragten ein. Vielleicht möchte ja jemand in der Band diesen verantwortungsvollen Bereich übernehmen…? Und vielleicht ist spätestens jetzt auch eine Rechtschutzversicherung zu empfehlen. Es gab wohl mittlerweile auch schon Leute, die ihre Webseiten offline genommen und sämtliche Profile gelöscht haben. Das ist vielleicht übertrieben. Wer einfach nur Zeit für die Aktualisierung brauch, kann sich auch mit einem Wartungsmodus behelfen oder Profile als „nicht öffentlich“ schalten, bis alle Punkte geklärt sind. Jedoch ist nicht nur der Onlinebereich von der DSGVO betroffen, sondern auch die Daten im normalen Alltag, also auch Verträge und Mails beispielsweise.

Fazit:

Ja, ich gebe es zu, ich habe mit diesem Beitrag meinem Frust freien Lauf gelassen und hatte leider nicht viele Lösungsvorschläge. Sehen wir es mal als Diskussionsrunde. Vielleicht geht es dir ja auch so und du willst mal vom Leder ziehen. Schreib gern einen Kommentar dazu. Hast du vielleicht selbst Tipps und Erfahrungen zu diesem Thema oder weitere Erkenntnisse, dann halte dich nicht zurück. Ich freu mich, dass du auf musifiziert.de vorbeigeschaut hast. Bis bald.

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