Nachgefragt bei Enza

Heute tauchen wir zusammen mit Enza von metaTronics ab in die Welt des Psychedelic Hype, fernab vom Mainstream, und erkunden den Erschaffensprozess ihrer Musik. Sie komponiert und arrangiert ihre Stücke mittlerweile selbst, setzt auch ihre Stimme unterschiedlich ein und kreiert sogar Visualisierungen zu ihren Tracks. Ihre Mandala-Musik-Filme beschreibt sie selbst als: sehr entspannend, in gewisser Hinsicht auch bewusstseinserweiternd.

„Sie führen den Geist in einen Zustand, der einen Pol zur allgemeinen Hektik des Zeitgeistes bietet und auf unterbewussten Ebenen wie hochenergetische, emotionale Fahrstuhleffekte wirkt.“

Enza

Foto: © Claudia Hinze

10 Fragen an Enza von metaTronics

1.) Seit wann machst Du Musik?

Enza: „Als Gartenkind bereits wurde ich in die musikalische Früherziehung geschickt. Mein Vater wollte ursprünglich Pianist werden, und somit wurde ich mit dem Klavier vertraut, als ich die ersten Tasten spielen konnte. Vor dem Klavierunterricht wollte ich mich aber immer drücken. Ich kann nicht gut und fließend nach Noten spielen, aber ich konnte mich stundenlang mit eigenen kleinen Kompositionen und Harmonien am Klavier beschäftigen. Als 15-Jährige bekam ich von irgendwoher eine alte Gitarre, auf der ich dann klimperte und meine ersten Songs verfasste. Irgendwie immer schon dudelten mir die inneren Melodien im Kopf herum und wollten raus.“

2.) Womit fängst Du beim Songwriting an?

Enza: „Ich gehe für gewöhnlich so vor, dass ich erst den Text schreibe – und zwar stets entsprechend der Muse, die mich gerade küsst, anschließend die Tonlage der Emotion herausfinde und den Rhythmus, und dann parallel an Musik und der Semantik vom Text schraube, bis es stimmig ist.“

3.) Wie ist Dein erstes bzw. letztes Album entstanden?

Enza: „Offenbar ist es eine „überbewusste Führung“ gewesen, die mich Ende 2006 mit dem Programmierer und Grafikkünstler Solaris RA zusammenbrachte. Ich war im Grunde seine Manifestation, denn er wünschte jemanden kennenzulernen, der so schöne Musik machen kann, wie Enya, weil er für seine Filmprojekte GEMA-freie Musik brauchte. Der Name Enza ist ein Buchstabenspiel meines Personennamens, und diesen Namen hatte ich schon vor unserer ersten Begegnung sehr lange. Erstaunlicherweise sind das „Y“ und „Z“ bei der amerikanischen Tastatur genau einmal vertauscht … ich begegnete ihm wirklich durch Zufall, weil ich auf einer seiner Webseiten landete und diese mich so in den Bann zog, dass ich mich für seine Arbeit per Mail bedankte.

Noch erstaunlicher ist gewesen, dass er nur etwa 50 km von meiner damaligen Bleibe entfernt wohnte. Wir kamen schnell zusammen, und im Jahr 2007 produzierte ich, auf seine Anweisung hin, 144 Tracks, was mir der Übung diente und ihm das nötige Material lieferte. 2008 ließen wir das Label „metaTronics“ für meine Person registrieren. Und von dem damals geschaffenen Fundus nahmen wir die, für jenes besondere Projekt, passendsten Stücke und produzierten damit unsere erste DVD „Evolution“, die wir in einer limitierten Auflage á 1000 Stück pressen ließen und über einen selbst programmierten Onlineshop anboten. Um die Öffentlichkeitsarbeit hatte er sich gekümmert, und da er ein Programmierer der ersten Stunde des WWW gewesen ist, hatte er auch das entsprechende Umfeld, um eine interessierte Zielgruppe zu erreichen.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren habe ich mich sporadisch in die Welt der Musik begeben und neue Tracks kreiert, und insgesamt kann ich mittlerweile auf einen Fundus von knapp zehn Stunden Material blicken. Meine jüngste Arbeit ist ein Crossover-Klassik-Projekt. Ich hatte einen Karton voller Noten von meinem Vater geerbt und nahm mir daraus den „Musikalischen Klavierunterricht von Mayer-Mahr“ zur Brust, machte diese alten, und bereits weitestgehend vergessenen Melodien wieder hörbar, gab ihnen einen individuellen Pep und kreierte die Filmchen dafür. Ich habe bereits eine DVD mit Menü dafür fertiggestellt. Das Werk schlummert allerdings noch in meiner Archivkiste und bedarf einer interessierten und fachkompetenten Rezension.“

4.) Mit welchen Programmen arbeitest Du & womit nimmst Du auf?

Enza: „2004 lernte ich das Kompositionsprogramm „Reason“ von Propellerhead kennen und hatte das Gefühl, dass mir Flügel wuchsen, weil ich damit in der Lage war, meine inneren Melodien hörbar zu machen. Bis vor einem Jahr habe ich meine Stimme mit Adobe Audition aufgenommen, doch leider ist der alte PC in die ewigen Jagdgründe hinüber gegangen und damit auch das Programm. Mittlerweile ist die Software von Propellerhead aber so weit entwickelt, dass damit auch aufgenommen werden kann. Die Filmchen kreiere ich mit Mandelbulb 3D und Magix.“

5.) Was tust Du, um Leute auf Deine Werke aufmerksam zu machen?

Enza: „Da ich momentan weder einen eigenen Internetzugang habe, noch eine gute Webseite, beschränke ich mich zurzeit darauf, nur kurze Vorschauen und Hörproben sowohl bei YouTube, als auch bei Facebook hochzuladen. Die vergangenen zwei Jahre nach Solaris´ Tod war ich wie gelähmt und konnte fast gar nichts tun. In meiner Trauerphase, und als ich schließlich gar nicht mehr weiter wusste, hatte ich versucht, via Startnext ein Projekt zu generieren, doch es sollte wohl nicht sein. In diesem Jahr – vor einigen Wochen – hatte ich einige Verlage und Managerbüros kontaktiert, doch diese Idee und das Projekt scheinen so neu zu sein, dass damit bisher kaum jemand etwas anfangen konnte. Jedenfalls bekam ich noch keine Resonanz von den Damen und Herren des Musikbiz.“

6.) Um welche Aufgaben kümmerst Du Dich noch selber und was übernehmen
Deine Kollegen oder ggf. professionelle Partner?

Enza: „Mein Partner und Mentor, Solaris RA, der die ursprünglichen Visualisierungen kreierte und für die Öffentlichkeitsarbeit und die monetären Belange verantwortlich war, ist im Frühjahr 2014 in die andere Dim gegangen, sodass ich momentan ganz auf mich gestellt bin. Weil ich nun allein vor diesem Riesenprojekt stehe (ich habe Visionen, die für manche Persönlichkeiten hochinteressant sein könnten) und auch keine individuelle Site habe, bin ich momentan dabei, mich mit PHP, MySQL und CSS zu befassen, damit ich wenigstens in der Lage dazu sein werde, mir eine individuelle, „virtuelle Visitenkarte“ zu kreieren. Allerdings werde ich dafür gewiss noch etwas länger brauchen. Ich habe bisher nur fragmentale Grundkenntnisse in dem Bereich. Für professionelle Hilfe in dieser Hinsicht wäre ich sehr dankbar.“

7.) Dein bisher schönstes Musiker-Erlebnis / Dein größter Erfolg:

Enza: „Als wir 2009 unsere dritte DVD „Creation“ produzierten, hatten wir bereits so viele Menschen auf uns aufmerksam gemacht, dass wir viele Vorbestellungen entgegen nehmen konnten, womit das Presswerk bezahlt wurde. Als uns die Palette mit den frisch gepressten Datenträgern geliefert wurde und wir daraufhin die gesamten gepackten Päckchen und Pakete mit den DVDs für unsere Unterstützer zur Post brachten, kamen mir Tränen vor Freude. Das Feedback und der Dank für unser Wirken taten sehr wohl. Mit dem Erfolg konnten wir in den folgenden Jahren noch weitere Projekte umsetzen. Solaris administrierte damals seine/unsere Webseiten und veröffentlichte darin die Erfolgsberichte unserer Fans und die Dankschreiben.“

8.) In wie vielen Bands bzw. Musikprojekten hast Du bisher mitgewirkt?

Enza: „Als Jugendliche traf ich mich einige Wochen lang mit einer Punkband zum Proben. In den 90ern wurde ich bei einer Reggae-Band als Backgroundsängerin aufgenommen, doch auch das sollte nicht lange währen. 2002/3 übte ich meine Stimme gerne mit einem Gospelchor, der auch in der Öffentlichkeit auftrat. Ich habe in mehrere Spaces hineingeschnuppert, damit ich wissen konnte. Eine Zeit lang nahm ich bei einigen Contests teil, um mich zu üben. In all dieser Zeit machte ich erkenntnisreiche Erfahrungen.“

9.) Hast Du eine musikalische Ausbildung genossen? Wenn ja, welche?

Enza: „Bis auf dass ich schon recht früh in die Welt der Musik geführt und darin angeleitet wurde, bin ich Autodidakt.“

10.) Welchen Tipp hast Du für junge Musiker und Bands?

Enza: „Achtet bei Verträgen immer darauf, dass ihr eure Urheberrechte behaltet, und unterschreibt niemals etwas, das ihr nicht verstanden habt.“

Vielen Dank für das Interview an Enza. Wenn Ihr Euch für ihre Mandala-Musik-Filme interessiert oder einfach neugierig seid, dann schaut gern auf dem YouTube-Kanal „mrsolarisra“ oder auch unter den angegebenen Videolinks vorbei.

Videolinks:

Sarabande in F moll
Trip in 3D
AMAAH