Nachgefragt bei Libertree

Libertree produziert ihre Musik selbst. Als Solo Female Vocalist & Independent Artist im Bereich Trip-hop, Urban & Electronica weiß sie am Besten, wie ihre Musik klingen soll. Dass man als unabhängige Produzentin und Songwriterin zunächst etliches lernen und ausprobieren muss, stört sie nicht, sondern motiviert sie sogar. Zugleich verrät sie im Interview, welche inneren Konflikte diese Unabhängigkeit in ihr aber auch manchmal auslösen und warum sie davon abrät, sich mit anderen zu vergleichen. Ihr Projekt Libertreemusic beschreibt sie als:

„Künstlerisch, philosophisch, manchmal dunkel, manchmal lebensfroh, aber immer eigen.“

Libertree

© Foto: Libertree

10 + 1 Fragen an Libertree

1.) Seit wann bist du musifiziert?

Libertree: „Ich war schon immer infiziert mit Musik. Als Kind war ich ein Kassetten-Freak und habe alles aus dem Radio aufgenommen und dann in Kinder-Englisch mit geträllert. Mit 9 hab ich mich ins Tanzen verliebt. Mit elf habe ich meine ersten Texte (damals mehr Gedichte bzw. „Deutschrap“) geschrieben. Mit 13 habe ich mir ein Mikrofon und die Software Magix Music Maker gekauft und illegal Beats bei Kazaa Light runtergeladen. Meine Freundinnen haben damals angefangen zu feiern und ich habe Beats geschnitten und Songs recorded. Das war toll. Jahre später habe ich rausgefunden, dass die Beats von bekannten Leuten wie Jay-Z und Dr. Dre waren. Also gut, dass ich immer zu schüchtern war, irgendwas zu veröffentlichen. Das hätte Ärger gegeben.“ 😉

2.) Womit fängst du beim Songwriting an?

Libertree: „Uff, das ist ganz unterschiedlich. Einige Songs wachsen mit mir über Monate oder manchmal sogar Jahre. Wie z.B. ‚Drums & Lights‘. Dieser Song hat sich so oft verändert, genau wie ich: verschiedene Beats, verschiedene Farben, verschiedene Recodings. In solchen Fällen passt sich die Instrumentalisierung dem Songwriting bzw. meiner Stimmung an. Aber umso tiefer ich ins Produzieren gehe, desto öfter beginne ich mit einem kleinen Beat-Gerüst und lasse mich einfach fallen. Die meisten Songs werden wahrscheinlich nie veröffentlicht, aber manchmal schaffe ich es, genau die Stimmung einzufangen, die ich mir gewünscht habe. Das sind meine liebsten Momente. Es ist so leicht, sich in Kreativität zu verlieren. Projekte zu beenden und loszulassen ist oft das Schwierigste für Perfektionisten wie mich.“

3.) Wie ist dein erstes bzw. letztes Album entstanden?

Libertree: „Haha, das war super. Ich hatte sechs Songs, die ich mochte und keine Ahnung von Sounddesign oder Frequenzen, geschweige denn von Kompressoren etc. Aber ich wusste, ich wollte alles selber machen. Das heißt mein Laptop, mein One-speaker von Bose und ich haben uns isoliert und einfach gemacht. Das war eine wunderschöne Zeit. Das Lustige ist, umso mehr ich lerne übers Produzieren, Mastern und Veröffentlichen, desto unsicherer und verlorener fühle ich mich. Ständig hinterfrage ich mich selber, und Vergleiche mit anderen sind pures Gift. Meine erste EP (2016) hat mir so viel Kraft und Selbstbewusstsein gegeben – trotz des Wissens, dass ich nicht weiß, was ich mache… 🙂

Jetzt (2018) habe ich meine dritte EP veröffentlicht. Ich habe inzwischen ein eigenes kleines Studio bei mir zu Hause. Das war immer mein Traum. Nicht abhängig zu sein von Beat-makern oder Marketing-Entscheidungsträgern (oder Männern generell – nur 2% aller Produzenten weltweit sind Frauen). Künstlerische Freiheit ist für mich alles.“

4.) Mit welchen Programmen arbeitest du & womit nimmst du auf?

Libertree: „Ich arbeite mit Logic Pro X (recording, producing) und mit iZotope´s Ozone* (mastering). Meine Videos und Fotos bearbeite ich mit Premiere Pro bzw. Photoshop und bin auch sehr zufrieden damit.“

5.) Was tust du, um Leute auf deine Werke aufmerksam zu machen?

Libertree: „Gute Frage, nächste Frage 😉 Es ist super schwer durch den Lärm der heutigen Musiklandschaft zu dringen und anders sein wird nicht unbedingt belohnt. Früher dachte ich, wenn man passioniert, talentiert und fleißig ist, dann wird irgendwann der Punkt kommen, an dem sich alles fügt. Ich war sehr naiv. Am Ende sind Kontakte und Selbstdarstellung wahrscheinlich alles. Und das ist genau das, wovor viele Künstler zurückschrecken. Wir sind sensible und oft introvertierte Wesen und es gibt so viele Leute da draußen, die zwar nicht selber schreiben, aber für ihr Leben gerne im Rampenlicht stehen. Das ist für viele Nicht-Musiker oft interessanter als neue musikalische Erfahrungen.

Aber dank des Internets gibt es diverse Möglichkeiten für kleine Künstler. Oft kosten diese Geld und bringen nicht viel, aber Research ist alles und dabei sein die halbe Miete. Instagram und Facebook sind immer tolle Plattformen, um sich mit Gleichgesinnten zu connecten. Submithub ist eine interessante Seite, um mit Bloggern in Kontakt zu treten. Aber die Suche geht immer weiter.“

6.) Um welche Aufgaben kümmerst du dich noch selber und was übernehmen deine Kollegen oder ggf. professionelle Partner?

Libertree: „Ich kümmere mich um alles. Halb aus Überzeugung, halb, weil ich kaum eine andere Möglichkeit habe. Ich bin ein Arbeitstier und liebe es, neue Sachen zu lernen und auszuprobieren. Wobei ich selbst Künstlern mit einem soliden finanziellen Background empfehlen würde, jeden einzelnen Bereich mindestens einmal kennenzulernen. Sei es die Produktion bzw. das Mastering, Branding, Networking, Marketing oder Storytelling. Alles gehört zusammen und baut aufeinander auf. Selber verantwortlich zu sein hat, wie alles im Leben, seine Vor-und Nachteile, aber ich persönlich genieße es sehr.“

7.) Dein bisher schönstes Musiker-Erlebnis oder dein größter Erfolg:

Libertree: „Mein größter Erfolg ist wahrscheinlich, dass ich keine Angst mehr habe und mich akzeptiere, wie ich bin. Meinen eigenen musikalischen Stil gefunden zu haben, macht mich stolz und ich bin gespannt, wie weit ich als independent Artist kommen kann.“

8.) In wie vielen Bands / Musikprojekten hast du bisher mitgewirkt?

Libertree: „Ich war immer Solokünstlerin, habe aber lange Zeit mit Beatmakern und Produzenten zusammengearbeitet. Ab und zu hab ich auch mal in Bands mitgewirkt (5-6), aber das Ziel war immer meinen eigenen Stil zu finden und mich kreativ zu verwirklichen.“

9.) Hast du eine musikalische Ausbildung genossen? Wenn ja, welche?

Libertree: „Als Kind hatte ich Klavierunterricht, in meiner Jugend Gesangunterricht. Mit 18 habe ich Musik studiert an einer Privatuni hier in Berlin, die allerdings sehr schlecht war. Um ehrlich zu sein, habe ich aber auch nie geglaubt, dass Unterricht mehr als Inspiration sein kann. Ich glaube nicht daran, dass es nur ein „Richtig“ gibt, und liebe es, mir Sachen selber beizubringen und mein eigenes Ding zu machen. Dank Google/YouTube/Tutorials haben wir jetzt alle die Möglichkeit, alles zu lernen und ich bin sehr dankbar dafür.“

10.) Welchen Tipp hast du für junge Musiker und Bands?

Libertree: „Schau nicht nach Anderen und sei du selbst. Wir brauchen meiner Meinung nach nicht noch mehr von der gleichen Sache. Lass dich nicht runterziehen und hör niemals auf, Musik zu machen – auch wenn es manchmal wehtut. Sei mutig und geduldig. Wenn du es fühlst, werden auch andere es fühlen.“ 😉

Zusatzfrage: Was wolltest du schon immer mal von anderen Musikern wissen?

Libertree: „Wie geht ihr um mit Künstlertiefs, Depressionen und Selbstkritik?Ich gehe feiern. Das kann man hier in Berlin ganz gut.“ 🙂

Vielen Dank für das Interview an Libertree. Musik, Termine und Infos findest du online auf folgenden Seiten.

Weblinks:

https://www.libertreemusic.com/

https://smarturl.it/Libertree

https://www.youtube.com/libertreemusic

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