Nachgefragt bei Richard Holzmann

Der Gitarrist, Komponist, und Arrangeur Richard Holzmann ist im Genre Fingerstyle und klassische Musik zu Hause. Er erzählt im Interview über einige seiner Erfahrungen beim Musikerschaffen. Vom Kind, welches zunächst kaum Interesse am Gitarrenspiel hatte, entwickelte sich ein motivierter Musiker mit Eigeninitiative, der mittlerweile auf vielen Bühnen stand und verschiedene Projekte bereicherte. Seine eigene Musik beschreibt er selbst (fast bescheiden) als:

„Virtuoses Sologitarrenspiel.“

Richard Holzmann

Foto: © Raiko Sanchez

10 Fragen an Richard Holzmann

1.) Seit wann bist Du musifiziert bzw. seit wann machst Du Musik?

Richard Holzmann: „Im Alter von zwölf Jahren begann ich mit dem Gitarrenspiel und bin nach und nach immer weiter musifiziert worden. Doch bereits in meiner Kindheit sind musikalische Hörerfahrungen zu finden, an die ich mich heute noch genau erinnern kann, weil ich diese mit einem starken Gefühl verbunden habe.“

2.) Womit fängst Du beim Songwriting an?

Richard Holzmann: „Mir sind Rhythmus und eine schöne Akkordstruktur immer besonders wichtig zu Beginn einer Komposition. Wenn ich also nicht impulsiv, d.h. beim Spazierengehen spontan einen Einfall habe, dann beginne ich in der Regel mit einer Ideensammlung zu diesen beiden Themenbereichen.“

3.) Wie ist Dein letztes Album entstanden?

Richard Holzmann: „Zuerst muss ich erwähnen: Ich spiele in unterschiedlichen Projekten, die unterschiedliche Vorgehensweisen bevorzugen und benötigen. Bei meinem letzten Album handelt es sich um eine EP mit meiner Duopartnerin Marie Antoinette (Berlin). Das Liedgut entstand im Laufe von zwölf Monaten, in denen wir bereits getourt sind und unser Material verfeinern konnten. Ohne diesen Umstand hätten wir uns nicht so gut aufeinander eingrooven können, was nötig war, da unser Ensemble noch nicht lang existiert. Aufgenommen haben wir alle sieben Titel innerhalb von grob zwei Tagen bei TheEmu (u.a. YTITTY) in Dresden.“

4.) Mit welchen Programmen arbeitest Du & womit nimmst Du auf?

Richard Holzmann: „Ich bin leidenschaftlicher Mac-User, nutze ein Apogee Duet* Interface zur Aufnahme meiner Gitarrenspuren und verwende Logic für alle darauf folgenden Arbeitsschritte. Ich spiele eine CrossoverNylon, die vom Dresdner Gitarrenbauer Jost von Huene angefertigt wurde. Dabei handelt es sich um eine Abwandlung der Konzertgitarre, wie sie jeder kennt, die jedoch hervorragende Klangeigenschaften bei der Abnahme für ein Livekonzert oder der Aufnahme im Tonstudio durch einen speziellen Tonabnehmer bietet. Kurzum: Kabel reinstecken und Spaß haben. Kein extra Mikro o.ä., das macht besonders die Konzertsituation extrem komfortabel.“

5.) Was tust Du, um Leute auf Deine Werke aufmerksam zu machen?

Richard Holzmann: „Ich erstelle in kleinen, aber unregelmäßigen Abständen Posts auf Facebook, in denen ich Probenmitschnitte, Konzerttermine oder sonstige Neuigkeiten veröffentliche. Dazu kommt ein Newsletter pro Halbjahr, der direkte Kontakt zu meinen Gitarrenschülern, Konzertbesuchern und den Kommilitonen der Hochschule für Musik und Tanz Leipzig sowie offenen Sessions in der Umgebung.“

6.) Um welche Aufgaben kümmerst Du Dich noch selber und was übernehmen Deine Kollegen oder ggf. professionelle Partner?

Richard Holzmann: „Abgesehen von der Programmierung von Websites und Tonstudioarbeit übernehme ich alle anderen Aufgaben selbst. Mein aktuell letzter Schritt hin zur Autarkie geschah vor ein paar Wochen, als ich mir einige der zahlreichen Grundfunktionen von Photoshop zeigen ließ. Momentan versuche ich, das Cover meines Solodebüts zu entwerfen.“

7.) Dein bisher schönstes Musiker-Erlebnis oder Dein größter Erfolg:

Richard Holzmann: „Das schönste Erlebnis war definitiv mein Konzert im Goetheinstitut Kigali (Ruanda) 2014, dass ich solo eröffnet und mit einheimischen Gastmusikern beendet habe. Als größten Erfolg würde ich das Konzert mit meiner (nicht mehr existierenden) Band P:HON (Dresden) bei der Fusion 2011 zur Primetime im Datschahangar bezeichnen. Direkt nach Mogwai auf der Bühne nebenan. Das kann ich noch immer kaum glauben.“

8.) In wie vielen Bands / Musikprojekten hast Du bisher mitgewirkt?

Richard Holzmann: „Leider weiß ich das nicht mehr genau, denn gerade in meiner späten Jugend habe ich in vielen Bands gespielt, zu denen es keinerlei Aufnahmen oder Fotos gibt und meine Erinnerungen teils nicht mehr zu existieren scheinen. Aber hier sollte noch eine Zahl hin: 13 plus/minus 4.“

9.) Hast Du eine musikalische Ausbildung genossen? Wenn ja, welche?

Richard Holzmann: „Jo! Wie bereits erwähnt habe ich mit zwölf Jahren das Gitarrenspiel begonnen, hatte von Beginn an Lehrer, doch vorerst kein großes Interesse. Das änderte sich mit der ersten Band, ich wurde auf positive Art besessen und habe mich selbstständig oder mit Freunden immer weitergebildet. Parallel habe ich weitere Gitarrenstunden genommen. Effektiv waren diese nicht im direkten Sinne, denn ich mochte keine Hausaufgaben erfüllen, doch waren einige meiner Lehrer auch Vorbilder und erste Weichensteller. Davon zehre ich noch heute. Nächster großer Schritt in meiner Ausbildung war dann das Studium „Jazz/Rock/Pop Akustische Gitarre“ an der Hochschule für Musik in Dresden. Aktuell besuche ich den Masterstudiengang „Elementare Musik- und Tanzpädagogik“ an der HMT Leipzig.

Neben all den „offiziellen“ Ausbildungsschritten muss ich betonen, dass nichts davon so gut bei mir hätte greifen können, wenn es keine Anwendungsbereiche gegeben hätte. Meine musikalischen Projekte, ob erfolgreich oder nicht, waren immer das Probierfeld für jede neue Idee und alles Gelernte. Für mich gefühlt der wichtigste Aspekt in meiner Ausbildungsbiographie.“

10.) Welchen Tipp hast Du für junge Musiker und Bands?

Richard Holzmann: „Probiert aus, was euch am Herzen liegt und lasst euch nicht reinreden. Aber bezieht eure Erfahrungen und Eindrücke mit eurem Publikum in den Entwicklungsprozess ein. Denn ein Kreislauf bildet sich nur, wenn alle Details aufeinander abgewogen sind. Kurzes Beispiel: Ein Freejazzmusiker spricht sein Publikum anders an, als es ein Popmusicact tun würde. Beide könnten nicht öffentlich Musizieren, ohne sich in ihren Überlegungen auch auf die Hörerschaft zu beziehen.“

Vielen Dank für das Interview an Richard Holzmann. Weitere Infos zu ihm und seinen Projekten findet Ihr unter den folgenden Links.

Weblinks:
www.richardholzmann.de
www.facebook.com/richard.holzmann