Wie plane ich einen Musikvideodreh?

Wer nicht gerade ein fettes Budget hat und eine Produktionsfirma für sein Musikvideo engagieren will, ist auf den „Do-it-yourself“-Modus angewiesen. Aber auch hier lassen sich mit ein bisschen Übung und der Unterstützung von Freunden und Bekannten tolle Videos in Eigenregie drehen. Ich habe bisher die meisten meiner Musikvideos selbst gedreht und geschnitten und stand dabei auch vor der Kamera. Bei Drehs mit anderen Fotografen bzw. Videokünstlern hatte ich jedoch auch die Gelegenheit, die Arbeit im Team kennenzulernen. Und das bietet sich immer an, wenn es etwas aufwendiger ist und zum Beispiel Kamerabewegungen geplant sind oder man nicht gerade im heimischen Wohnzimmer dreht. Alles steht und fällt mit der richtigen Planung. Und deshalb geht es in diesem Beitrag um die Planung eines Videodrehs, wenn du selbst ein Musikvideo drehen willst.

Planung Musikvideodreh

Worum soll es im Video gehen?

Als Erstes hört man sich den fertig produzierten Song an, zu dem man ein Video machen will. Und dann hat man oft schon erste Bilder und Ideen im Kopf. Wichtig ist immer, dass es alles machbar bleibt. Auch wenn ein Blauwal voll schön aussehen würde, könnten wir den wohl nicht einfach mal selbst filmen. Allerdings gibt es im Internet auch lizenzfreie Videos, die man für kommerzielle Zwecke und entweder mit oder auch ohne namentliche Nennung des Urhebers nutzen darf. Dazu einfach mal die jeweiligen Creative Common Lizenzen checken. Für den Videodreh konzentrieren wir uns jedoch erst einmal auf die Dinge, die wir tatsächlich selber drehen können. Wie soll die Umgebung aussehen, welche Lichtstimmung soll den Song unterstreichen, was soll im Video vorkommen? Am besten schreibt man alle Ideen auf und ordnet sie dann sinnvoll und szenenbezogen.

Locationscout

Überlege dir zu deinem Video eine passende Location für den Dreh. Fahr am besten schon einmal vorab dort hin und schau dir die aktuellen örtlichen Gegebenheiten an. Versuch dir vorzustellen, wo du als Musiker stehen, laufen, tanzen oder sitzen wirst, und aus welchen Perspektiven die Kamera aufgestellt werden könnte. Mach am besten für die Vorabplanung einige Bilder aus diesen Perspektiven. Eine zweite Person könnte dabei als Testobjekt herhalten. Diese Bilder kannst du später auch für dein Storyboard verwenden.

Anreise

Da ein Videodreh einige Stunden in Anspruch nehmen wird, versuch dir die An- und Abreise möglichst stressfrei zu gestalten. Überlege dir gut, wie du zu der Stelle kommst, an der du drehen willst. Kommt man mit dem Auto zur Location oder muss man noch einen halben Tag zu Fuß unterwegs sein? Wo kann man parken? Denk dran, dass du neben der Kamera und dem Equipment auch andere Dinge wie Verpflegung, Outfit, Stylingprodukte, ggf. dein Instrument und so weiter dabei haben wirst. Als Frau bin ich in unbequemen Schuhen und mit nicht alltagstauglichem Outfit, bepackt mit Equipment und Zeug, auch schon meilenweit gelaufen und war dann am Drehort so verspannt, dass es sich auf die Stimmung gelegt hat. Die Stimmung ist natürlich enorm wichtig zum Dreh…

Storyboard

Ein einfaches Storyboard hilft dir, am Drehtag einen Überblick über alle notwendigen Szenen und Einstellungen zu behalten. Sobald eine Art Handlungsverlauf oder sogar eine Geschichte im Video erzählt werden soll, ist ein Storyboard eigentlich nicht wegzudenken. Dabei kann man sich in Ruhe vorher Gedanken um Blickwinkel machen und irrsinnige Achssprünge vorweg ausschließen. Ein Storyboard kann skizziert oder mit Beispielbildern versehen sein und die wichtigsten Beschreibungen zu den einzelnen Szenen und Kameraeinstellungen beinhalten. Ein Plan an der Hand macht einen Dreh sehr viel übersichtlicher. Man weiß, was man schon aufgenommen hat und was noch fehlt. Und beim Schnitt muss man dann nicht überrascht feststellen, dass die Szenen gar nicht zusammenpassen.

Helfende Hände

Natürlich kann man ein einfaches Musikvideo im Wohnzimmer auch allein oder zu zweit drehen. Sobald man draußen oder in fremden Locations für den Dreh unterwegs ist, empfiehlt es sich, einige Helfer dabei zu haben. Die Aufgaben am Drehtag sollten möglichst vorher abgesprochen und sinnvoll an die jeweiligen Personen verteilt werden. Wer steht vor der Kamera, wer bedient die Kamera? Nicht nur beim Schleppen des Equipments oder beim Herrichten des Drehorts sind zusätzliche, zuverlässige Personen sinnvoll. Das kann auch ein Regieassistent sein, der die Szenen auf dem Storyboard im Blick hat und kontrolliert, ob alles im Kasten ist. Das können aber auch zusätzliche Kameraleute oder Beleuchter sein. Das kann eine Person für Haare und Make-up sein oder einfach jemand, der assistiert. Aufgaben gibt es genug. Gut ist es, wenn man sich als Künstler vor der Kamera dann nur um seinen Part Gedanken machen muss und sich nicht um die Frisur oder das Equipment sorgen muss.

Genehmigungen

Frag am besten vorher immer nett bei der zuständigen Gemeinde an, ob ein Dreh in einer öffentlichen Location überhaupt gestattet ist. Das gilt auch auf öffentlichen Plätzen oder Straßen. Eine Drehgenehmigung brauchst du allerdings spätestens, wenn du auf Firmen- oder Privatgelände drehen willst. Diese Drehgenehmigung solltest du natürlich auch beim Dreh dabei haben. Gibt es keine schriftliche Zusage, dann verweise auf den jeweiligen Ansprechpartner, der diesem Dreh mündlich zugestimmt hat, falls unvorhergesehen ein Sicherheitsdienst oder so vor deiner Nase steht. Bedenke, dass auch auf Friedhöfen, Bahnhöfen etc. ein Hausrecht besteht. Beim Filmen sind die gleichen Regeln zu beachten wie beim Fotografieren. Also informier dich am besten vorab zum Thema Fotorecht. Das ist auch wichtig, sobald Marken oder Personen im Video zu sehen sind.

Equipment

Was muss mit zum Dreh? Welche Kameras und Objektive kommen zum Einsatz? Muss wirklich alles mit? Braucht man extra Beleuchtung? Sind genug Akkus und Speicherkarten vorhanden. Sind die Akkus geladen und die Speicherkarten leer? Brauch man einen Slider*, einen Kran, Schienen, eine Drohne* oder ist ein Stativ, Steadycam* oder Gimbal* ausreichend? Nimmt man einen Reflektor* mit und wer wird ihn halten und ausrichten? Oder braucht man zusätzliches Licht? Gibt es einen zusätzlichen Kameramonitor*? Mach am besten eine Liste aller Dinge, die zum Dreh dabei sein müssen. Spiele den Drehtag im Kopf durch und sprich es auch mit den Beteiligten ab. Falls du neues Equipment zum Dreh nutzen willst, mach dich unbedingt vorher damit vertraut. Es kostet nur unnötig Zeit, wenn du erst beim Dreh im Bedienerhandbuch schauen musst oder dich in der Handhabung einarbeiten musst. Solltest du Strom benötigen, ist zu klären, wo man den herbekommt.

Musik

Wer ein Musikvideo dreht, hat in der Regel auch Parts dabei, in denen der Künstler vor der Kamera singt. Damit im Schnitt später alles synchron passt, also Lippenbewegungen und Originalsong, sollte beim Dreh Musik abspielbar sein. Der Sänger sollte vor der Kamera zu dem Song am besten laut mitsingen, damit es authentisch wirkt. Wenn laute Instrumente wie ein Schlagzeug gefilmt werden, dann sollte die Musik laut genug abgespielt werden können, damit der Schlagzeuger den Rhythmus auch gut hören kann. Ein Handy oder eine tragbare Box* ist für die reinen Gesangsparts natürlich völlig ausreichend. Falls du im Video tanzen willst oder sogar eine Choreografie erarbeitet hast, sollte die Musik natürlich auch entsprechend laut beim Dreh abgespielt werden. Logisch!

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Slow Motion

Falls im Video später auch bei Gesangsparts ein Zeitlupeneffekt entstehen soll, muss die Musik beim Dreh entsprechend schneller abgespielt und schneller gesungen werden. 30 Prozent schneller sind da ein guter Richtwert. Ich empfehle, das vorher aber auch einfach mal auszuprobieren. Denn hierbei ist auch wichtig, wie viele Einzelbilder die Kamera in der Sekunde aufnehmen kann. Wenn die Aufnahme in der Videobearbeitung zu sehr gestretcht wird, kann das Bild ruckelig werden.

Outfit & Styling

Als Künstler vor der Kamera sollte man sich bereits auf ein bis zwei Outfits festgelegt haben. Aber auch die Frage der Frisur und des Make-ups sollte geklärt sein. Wer nicht gerade einen Ausstatter in Sachen Outfit an der Hand hat und sich nicht auf Hair- & Make-up Artists verlassen will, sollte diesbezüglich selbst eine konkrete Vorstellung haben. Auch die Machbarkeit sollte vorher ggf. schon mal getestet worden sein, besonders wenn es um sehr abstrakte und ausgefallene Ideen geht. Frage dich immer, wie du am Ende wirken willst. Das Outfit trägt einen großen Anteil daran, besonders wenn es sehr auffällig ist.

Zeit

Plane genügend Zeit für Vorbereitung und Aufbau ein, und hab ein Auge auf das Wetter. Und auch ein Videodreh ist nicht in zwei Stunden erledigt. Es gibt Faktoren, die unvorhersehbar sind. Wenn du eine besondere Lichtstimmung wie zum Sonnenaufgang oder -Untergang im Video einfangen willst, dann sollte bereits alles aufgebaut und vorbereitet sein. Auch Absprachen sollten bereits getroffen sein. Richte dich am besten nach den Daten des Wetterdiensts, der die genaue Zeit für Sonnenaufgänge und -Untergänge angibt. Zudem empfiehlt es sich, die Lichtverhältnisse am besten einige Tage vorher live Vorort zu checken. Bedenke, dass es im Wald, an bewölkten Tagen oder in verlassenen Gebäuden immer etwas dunkler ist, als auf freiem Feld bei wolkenfreiem Himmel. Halte dich bei Drehgenehmigungen an die vorgegebenen Drehzeiten und plane auch genug Zeit für Auf- und Abbau ein.

Sonstige Planung des Musikvideodrehs

Wenn mehrere Personen am Dreh beteiligt sind, dann muss geklärt werden, ob sich jeder selbst versorgt oder ob du dich auch um Catering kümmern musst. Es könnte zwischendurch auch jemand losfahren und für die Runde Essen und Trinken holen oder man könnte einen Lieferdienst bestellen oder man bereitet einen Tisch mit Snacks und Getränken vor, der dann am Drehset zur Verfügung steht. Je nach Umfang des Teams. Abhängig vom Drehort sollte man sich auch Gedanken darum machen, ob und wo eine Toilette zur Verfügung steht oder welche alternative Lösung es gibt. Wo kann sich der Künstler, der vor der Kamera steht, stylen und umziehen? Auch für den Fall, dass sich jemand verletzt, ist es gut, wenn man vorbereitet ist oder sogar Sicherheitsmaßnahmen treffen kann.

Plan B

Für bestimmte Ideen sollte man sich einen Notfallplan überlegen. Nicht immer lassen sich Ideen genauso umsetzen, wie man sie anfangs im Kopf hatte. Besonders wenn es die Handlung verlangt, muss man dann reagieren können, wenn etwas doch nicht so möglich ist. Für Ärger und Frust ist am Drehtag nicht viel Zeit, also konzentriere dich auf Lösungen und hab am besten immer noch ein Ass im Ärmel. Ein alternatives Ende des Videos ist besser, als gar kein Ende. Eine „schlechtere“ zweite Kamera ist besser, als gar kein Back-up. Und so weiter.

Fazit:

Ein Videodreh in Eigenregie ist schon sehr aufwendig, aber machbar und planbar. Mit der richtigen Vorbereitung lässt sich so ein großes Projekt in überschaubare Aufgaben unterteilen. Und mit der entsprechenden Unterstützung ist es nicht nur einfacher, sondern macht auch gleich etwas mehr Spaß. Ich hoffe, dass ich an alle Eventualitäten gedacht habe. Bei jedem Dreh sammelt man ja neue Erfahrungen, die dann beim nächsten Dreh wieder nützlich sein können. Vielleicht konnte ich dir für deinen Videodreh ja bereits ein paar hilfreiche Denkanstöße verpassen. Hast du selbst schon ein Musikvideo in Eigenregie gedreht? Dann schildere doch mal deine Erfahrungen dazu. Vielleicht hast du noch Ergänzungen dazu. Ich freue mich, dass du auf musifiziert.de vorbei geschaut hast. Bis bald.

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