Musikvideos selber drehen

„Am besten funktionieren Bilder und Videos!“ Zumindest was die Aufmerksamkeit Deiner Fans auf den Social Media Kanälen angeht. In einem meiner früheren Projekte, habe ich mich noch nicht darum gekümmert, was „gut funktioniert“ und was nicht. Ich habe mich nur auf die Musik konzentriert. Es gab lediglich ein paar Demoaufnahmen auf Soundcloud und eins zwei sogenannte Diashows auf YouTube. Also Songs mit wechselnden Fotos, die aber eigentlich nicht mal etwas mit dem Song zu tun hatten. Auch auf Postings bei Facebook wurde eher wenig reagiert. Was mir da noch nicht bewusst war – die Menschen lesen kaum noch und werden fast nur noch durch Bilder angesprochen. Ein verrückter Kerl, der die Musik, die ich machte, wirklich gut fand und der zu früheren Zeiten selber bei einem großen Majorlabel arbeitete, schrieb mir, ich solle unbedingt Videos machen.

„Das muss nicht mal perfekt sein, aber authentisch. Und vielleicht auch lustig.“

Gut, das mit dem Lustigsein, liegt mir bis heute nicht, aber ich habe mir das eine Weile bei anderen Künstlern angesehen und startete nach langer Zeit doch einen Versuch. Angefangen habe ich dann mit einem kurzen Ankündigungsvideo zu meinem ersten deutschen Song, als ich mein neues Projekt der Öffentlichkeit vorstellen wollte. Ich machte mich ein wenig zurecht, setzte mich vor die Kamera und sagte kurz, wer ich bin und eine Kleinigkeit zum Song. Dann fügte ich später einen Songeinspieler im Videoprogramm ein und fertig war das erste Video. Zugegeben, ich hab mir fast in die Hosen gemacht vor Aufregung, als ich das dann hochlud und auf meiner frischen angelegten Facebook-Seite postete. Doch zu meiner Verwunderung kam das gut an. Beim zweiten Video setzte ich mich mit der Gitarre vor die Kamera und spielte eine akustische Version von einem anderen meiner neuen Songs. Im Anschluss fragte ich meine Zuschauer, ob es ihnen gefallen hat. Und so hatte man die erste Möglichkeit, mich und meine Musik kennenzulernen. Sicher war das anfangs noch sehr schüchtern und unsicher, aber es kam gut an und machte mir Mut. Ich probierte fortan einiges aus. Vom Vlog, also einem Erzählvideo, in dem ich über meine aktuellen Fortschritte berichtete, über Tutorials, bis hin zum richtigen Musikvideo.

Wie drehe ich ein Musikvideo?

Ein Video selber zu drehen, muss dabei nicht unbedingt schwer sein. Theoretisch kann man das mittlerweile mit jedem Smartphone machen. Ich habe dafür meistens meine Spiegelreflexkamera verwendet. Es geht aber auch jede andere Kamera mit Videofunktion. Man kann dabei ein Stativ verwenden oder man bittet jemanden, die Videoaufnahme aus der Hand zu filmen. Etwas mehr Ruhe hat man natürlich mit einem Stativ. Wichtiger als die Kamera, ist aber das Licht. Am besten man setzte sich ans Fenster oder nutzt eine zusätzliche Lichtquelle. Gegenlicht ist eher problematisch. Kann aber, wenn es richtig eingesetzt ist und man zusätzlich mich einem Reflektor arbeitet, auch sehr kunstvoll aussehen. Besonders schön wirkt das Licht, wenn es etwas diffus, direkt von vorne ins Gesicht kommt und das Gesicht gut ausleuchtet oder indirekt ist. Ich nutze dazu gern eine Softbox oder einen Schirm. Das zeige ich im Video unten aber auch noch mal. Nicht sehr vorteilhaft wirkt das Licht von oben, wie von der Deckenleuchte. Das wirft fiese Schatten unter den Augen. Auch das Licht von unten ist nicht besonders „hübsch“. Es wirkt eher gruselig. Aber das kommt natürlich ganz darauf an, was man vor hat. Manche Musikstile nutzen eben genau diesen Effekt, um etwas „böser“ zu erscheinen.

Nicht zu unterschätzen: der Kamerasound

Was man leider immer wieder mitbekommt, sind Konzertmitschnitte oder Videos selbst gespielter Songs aus dem Wohnzimmer mit schlechtem Sound. Das liegt zumeist an den verrauschten Soundaufnahmen, die durch eher ungeeignete Kameramikrofone entstehen. Auch ich habe mich da schon einige Male geärgert, weil die Aufnahmen dadurch unbrauchbar waren. Wenn die Soundaufnahme zu leise, zu verrauscht oder gar verzerrt ist, dann hat derjenige, der das Video später aufruft meist nicht lange Freude daran und wird es schnell wieder wegklicken oder gar schlecht bewerten. Entweder man betreibt den Aufwand und macht, wie ich im Video auch zeige, einen Mitschnitt am PC über ein extra Mikrofon, oder man nutzt separate Aufnahmegeräte wie zBsp. den Zoom H2 Recorder, den ich bei vielen Videos auch schon eingesetzt habe. Eine Kamera mit gutem Sound, die genau für solche Zwecke gemacht wurde, ist zum Beispiel der Zoom Q4, den ich gern in meinen Proberaum mitnehmen und so sehr spontan einen Mitschnitt machen kann. Hier ist ein Beispiel.

„Aber ich hab doch keine Ahnung von Videoschnitt!“

Man muss nicht zwangsläufig Videos schneiden. Wenn man ein Gerät hat, was ein gutes Bild und einen brauchbaren Ton aufzeichnet und man seinen Song geübt hat und somit fehlerfrei vor der Kamera spielen kann, so kann man die Datei in einem Stück hochladen und muss daran nichts schneiden. Es gibt sogar richtig aufwendige „One-Shoot-Musikvideos“, die vorher gut durchgeplant werden und komplett ohne Schnitt funktionieren.

Es gibt jedoch auch noch einige Bearbeitungen, die man nachträglich vornehmen kann. Die Helligkeit und den Bildlook passe ich gern noch an. Am Sound wirkt meist eine kleine Einstellung im Equalizer Wunder. Das allerdings zählt schon zum Thema Mix und Soundbearbeitung. Wer doch mit einem Videoprogramm arbeitet, hat meist auch noch die Möglichkeit Schrift einzublenden und damit ggf. auf das veröffentlichte Album hinzuweisen. Doch es muss kein teures Programm sein, denn auch die kostenlosen oder günstig erhältlichen Programme erfüllen durchaus ihren Zweck. Und wenn man sich erst mal mit seinem Programm eingearbeitet hat, dann kommen weitere Ideen von ganz allein.

Wie meine Wohnzimmer Musikvideos entstehen

Ich habe, wie oben schon kurz angedeutet, auch mal ein Video aufgenommen, wie ich in meinem Wohnzimmer Musikvideos aufnehme. Wie ist der Aufbau und welches Equipment habe ich dazu benutzt? Das erfährt man in dem folgendem Video.

Wer noch Fragen zum Thema „Videos selber machen“ hat, kann mir gern schreiben und einen Kommentar da lassen. Auch wer seine persönlichen Erfahrungen dazu mitteilen möchte, ist ebenfalls herzlich zum Kommentieren eingeladen.

 

 

 

3 Responses to “Musikvideos selber drehen

  • Hallo Sabine, sehr cooles Video hast du da gemacht! Einfach mal aus dem Wohnzimmer ein halbes Filmstudio gebaut 🙂 Daumen hoch! Ich produziere selber auch Musikvideos vielleicht schaust du auch mal bei mir vorbei 😀 Liebe Grüße Manuel

  • Hallo Sabine, ich bedanke mich zunächst einmal für deinen tollen Blog und das super Video. Ich bin gerade eher aus Zufall darauf gestoßen, weil ich nach einer Möglichkeit suche Videos mit meiner Band zu drehen. Was Videos angeht, sind wir wirklich noch Frischlinge und die von dir beschriebenen Szenerien, wie schlechte Belichtung und schlechte schlechten Sound, waren und sind unser Hauptproblem. Nun ist es so, dass wir von der technischen Ausstattung ähnlich wie Du ausgestattet sind. Lange Rede kurzer Sinn – nun zu meiner eigentlichen Frage:

    Wie synchronisierst Du den aufgenommenen Sound mit dem Bild? Mein Versuch ging leider schief 🙁 ich habe mir vorgestellt, dass ich in meinem Aufnahmeprgramm (die DAW Reaper) die Spuren einstellen kann und das Audiosignal über den Kopfhörer Ausgang meines Interfaces in die Kamera lenke. Aber das funktioniert leider nicht… Ich dachte ich kann mir mit der Methode den Schritt sparen, parallel Ton und Bild aufzunehmen und in einem separaten Programm zusammenzuführen.

    Eigentlich wollte ich es mir sogar so einfach machen, dass ich anstatt meiner Spiegelreflexkamera, mein Smartphone nutze und dann auch über die DAW mein Audiosignal da einspeise… So kann könnte ich die Videos mit einfachen gratis Apps schön aufhübschen und schneiden. Ohne auch nur den Laptop aufklappen zu müssen. Aber Träume sind wohl Schäume 🙁
    Ich hatte mir schon überlegt mir ein einfaches externes Smartphone Mikro zu kaufen, das ist aber Blödsinn in meinem Fall… Wir sind eine Hard Rock Band und ich brauche das Interface um jeden Preis, weil ich den Sound gerne mit 8 Mikros mitschneiden möchte.

    Vielleicht hast du eine Idee oder verrätst mir, wie du Ton und Bild synchronisiers?
    Liebe Grüße,
    Julian

    • Hallo Julian, ich kann Dir gern verraten, wie ich das mache. Ich nehme mit der Kamera immer auch den O-Ton vom Dreh mit auf. Dann ziehe ich mir die Videospur inkl. Ton in ein neues Videoprojekt in Vegas Pro. Wenn ich bereits ein vorproduziertes Audio habe, wie man das bei „normalen Musikvideos“ hat, dann leg ich das unter die O-Ton Spur. Genauso mach ich es, wenn ich den Ton in besserer Qualität anderweitig mitgeschnitten habe, zum Beispiel am Laptop oder mit einem mobilen Recorder. Dann habe ich am Ende ebenfalls eine weitere Tonspur, die ich in mein Videoprojekt ziehe. Das heißt im Videoprojekt habe ich zum Bild je eine O-Ton Spur (vom Dreh), die die Kamera aufgenommen hat und eine Tonspur in besserer Qualität. Diese beiden Tonspuren lege ich so übereinander, dass ich beide entweder gut hören kann und so höre, dass nichts versetzt klingt. Oder ich orientiere mich an den Wellenformen der beiden Tonspuren und gleiche sie so ab. Die O-Ton Spur dient allerdings nur zur Synchronisation und wird dann gelöscht. Ich denke, am Smartphone bekommt man das in einer vergleichbaren Qualität leider nicht hin. Habe mir auch schon gewünscht, ein wenig Aufwand einsparen zu können, aber alle anderen Versuche waren nicht empfehlenswert. Hoffe das beantwortet Deine Frage? 🙂 LG, Sabine

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