Nachgefragt bei Christina Lux

Christina Lux ist Singer-Songwriterin und Gitarristin. Auch sie lebt von ihrer Musik und verrät in diesem ausführlichen Interview, wie sie Musikerin wurde, was sie sich im Laufe der Zeit dafür angeeignet hat und wie sie das alles alleine stemmt. Sie gibt nicht nur Konzerte, sondern auch Workshops zum Thema Songwriting. Seit 30 Jahren macht sie schon Musik und sagt, dass sich die Zeiten gewandelt haben. Wie sie das meint und wie sie damit umgeht, erfahren wir im Folgenden. – Ihre Musik beschreibt sie als:

„Lauschmusik, die groovt.“

Christina Lux

© Foto: Peter Tümmers

10 Fragen an Christina Lux

1.) Seit wann machst Du Musik?

Christina Lux: „Ich habe mit 12 begonnen Gitarre zu spielen. Die ersten Akkorde und Fingerpickings hab ich meinem Vater abgeschaut und dann einfach weiter gemacht. Mit Peter Bursch’s Gitarre ohne Noten und diversen Liederbüchern. 1983 stieg ich in meine erste Rockband als Sängerin ein. Wir waren dann ein Jahr jedes Wochenende unterwegs. Das war eine coole Zeit. Diese Band hatte einen LKW und eigenes Equipment und ich war gerade mal 18 und dachte, yeah, jetzt geht es los. Meine Stimme hat das allerdings nicht lange mitgemacht und ich musste pausieren.

Ich fing dann langsam mit Duogigs wieder an, traf 1987 auf Edo und Vilko Zanki und begann zu texten. Es gab eine Menge Jobs im Background für Ina Deter, Edo Zanki, Jon Lord und viele andere. Eigene Songs schrieb ich damals noch nicht. Gesang war das Hauptinstrument.

Ab 1990 begann ich dann mehr und mehr eigene Songs in englischer Sprache zu schreiben und meine Gitarre wurde immer wichtiger. Von 1994 bis 1998 war ich in einer sehr feinen A-Capella Gruppe, den Vocaleros. Wir haben zwei Alben rausgebracht, auf denen meine ersten eigenen Songs waren. Ich stieg 1998 aus, weil ich mein Ding machen wollte. Fury in the Slaughterhouse nahm mich mit auf Tour und meine erste EP „She is me“ erschien. 1999 erschien mein erstes ganzes Studioalbum „Little Luxuries“. Von da an ging es einfach immer weiter. Ich hab mir meinen eigenen Stil auf der Gitarre weiter verfeinert und angefangen Konzerte mit den eigenen Sachen zu spielen. Songs sind die allerfeinsten Freunde und Zuhörer. Das ist mein Motor.

Bis heute gibt es 8 Alben von mir und ich spiele jedes Jahr 50 bis 60 Konzerte, hauptsächlich als Solokonzerte. Im Moment arbeite ich am ersten ganz deutschsprachigen Album. Es soll im Sommer in die Welt.“

2.) Womit fängst Du beim Songwriting an?

Christina Lux: „Das Thema ist der Motor. Mich muss etwas so beschäftigen, dass es überfließt. Und es mich regelrecht drängt. Für einen Song musst Du Dir Zeit nehmen. Oft verwischt sich das, weil ich den ganzen Orga-Kram selber mache. Booking, Promo usw. Dann muss ich regelrecht einen Stopp einlegen und mir einen Musiktag nehmen. Songs wissen fast immer mehr, als mir klar und bewusst ist. Das sind schlaue Wesen. Ich brauche sie, damit ich meinen Wust an Gedanken geordnet bekomme. Es gibt kaum etwas Schöneres, als den Moment, wenn der Text mit Musik zusammengeht und mich beim Singen dieses bestimmte Gefühl erwischt, wirklich etwas auf den Punkt bekommen zu haben.

Ich liebe mehr und mehr die Einfachheit. Und ich entdecke seit 10 Jahren Stück für Stück meine Muttersprache. Da, wo das Englische mir Heimat war, kommen jetzt die deutschen Worte mit ihrer eigenen Dynamik und Rhythmik. Und mit dieser anderen Nähe. Deshalb kommt jetzt das komplett deutschsprachige Album für mich genau richtig. Kein Verstecken mehr hinter Worten, sondern sich von ihnen tragen lassen.

Seit einigen Jahren gebe ich auch Workshops für Songwriter, in denen man lernt, seine Ideen in den Fluss zu bekommen und die Schranken aus dem Kopf. Ich hab da selber sehr viel gelernt, einfach dadurch, dass ich meine Rangehensweise weitergebe. Ich habe mich selbst und mein Können dadurch viel mehr schätzen gelernt.“

3.) Wie ist Dein erstes bzw. letztes Album entstanden?

Christina Lux: „Ich war bei meinem lieben Freund und großartigem Tonmann Klaus Genuit im Hansahaus Studio Bonn für mein erstes, zweites und das Studio Album „Coming Home At Last“ von 2006. Meine kleine Band war mit dabei und wir nahmen alles größtenteils live auf. Das mag ich sehr. Einen Song auf der EP hatte ich auf einer kleinen Drummaschine gebaut, auf der man auch Akkorde drücken konnte wie auf der Gitarre. Der Song heißt: „Little Girl“. Den hab ich nur neu gesungen und das Programming blieb so. Muss ich mir mal wieder anhören. Grins.

Das letzte Album war ein Live Album, das ich zu meinem 50ten rausgebracht habe. Bodek Janke begleitet mich bei einigen Songs mit Drums und Tabla. Es waren einfach tolle Momente entstanden, unabsichtlich aufgenommen, und dann hab ich es auf CD gepackt. Im Moment bin ich mitten in der Produktion für das neue Album. Ich arbeite mit meinem Freund aus meiner ersten Band Oliver George zusammen. Vor vier Jahren trafen wir uns wieder und machen viel gemeinsam. Er ist Trommler, spielt aber auch Gitarre und Bass und singt. Also sehr vielseitig einsetzbar.“

4.) Mit welchen Programmen arbeitest Du & womit nimmst Du auf?

Christina Lux: „Wir haben einige der neuen Sachen ganz zu Hause aufgenommen. Dann waren wir im Studio und arbeiten jetzt mit den Tracks weiter. Manche Songs schick ich rum, sodass Gastmusiker etwas einspielen können. Ich wollte mir Zeit lassen und jederzeit weiterbauen können, wenn mir danach ist. Der große Vorteil, wenn man Daheim arbeiten kann. Ich habe mein Notebook mit Cubase und ein Röhrenmikrofon, dass meine Stimme und die Gitarren gut mitnimmt. Wenn das, was man einspielt schon fein ist, braucht es echt wenig. Das Album wird dann im Studio gemischt und gemastert werden.“

5.) Was tust Du, um Leute auf Deine Werke aufmerksam zu machen?

Christina Lux: „Ich bin sehr fleißig mit dem Einsammeln von E-Mail-Adressen bei meinen Konzerten. Dann halte ich meine Webseite aktuell. (Bandzoogle ist übrigens für Musiker ein wirklich tolles Tool, um die eigene Seite zu bauen.) Außerdem poste ich fleißig via Facebook und versuche immer meine Termine so weit wie möglich in die Event-Portale zu verteilen. Vor jedem Konzert check ich noch mal, ob ich da noch pressemäßig was erreichen kann, und häng mich rein. Ich bin ein Ein-Frau-Unternehmen und wuppe den Laden allein.“

6.) Um welche Aufgaben kümmerst Du Dich noch selber und was übernehmen Deine Kollegen oder ggf. professionelle Partner?

Christina Lux: „Wie schon oben erzählt, mach ich das alles selbst. Ich habe eine sehr feine AER PA, mit der ich zu den Konzerten fahre und so eben auch die Beschallung oft selbst versorge. Manchmal auch ein kleines Licht. Die Unabhängigkeit ist sehr praktisch. Es gibt so tolle rührige kleine Vereine, da kann man dann wunderbar und mit feinem Sound und Licht ein stimmiges Konzert machen. Ich hab eine Grafikerin, die mir Poster und Artwork macht, und schreibe und arrangiere Songs zusammen mit Oliver George. Ich habe ein Label, das mir völlig freie Hand lässt. Wenn ein neues Album erscheint, suche ich mir meist externe Promofirmen für Radio/Print/TV usw. Auf diese Weise bleibt der Großteil der Einnahmen überschaubar bei mir und so kann ich auch mit kleineren Stückzahlen gut leben.“

7.) Dein bisher schönstes Musiker-Erlebnis oder Dein größter Erfolg:

Christina Lux: „Oh, das kann ich nicht an einem Ding festmachen. Es ist eher dieses Gefühl, das sich mehr und mehr in mir ausbreitet. Dieses wunderbare Geschenk, mich von meiner eigenen Musik ernähren zu können seit jetzt 30 Jahren und davon die letzten 20 fast ausschließlich mit der eigenen Musik. Das ist wunderbar. Ich werde im Mai 52 und ich schau manchmal zurück und denk, wow, wo ist sie hin die Zeit? Es waren unzählige Begegnungen und Konzerte und es sind oft nicht die großen Events, sondern diese kleinen innigen Konzerte, bei denen etwas in Bewegung gekommen ist in mir und mit den Leuten, was groß war.“

8.) In wie vielen Bands / Musikprojekten hast Du bisher mitgewirkt?

Christina Lux: „Das waren, außer den Vocaleros, keine festen Bands. Ich habe sehr viel Gastauftritte gehabt und mit ganz vielen verschiedenen Musikern Musik gemacht. In den letzten Jahren einige tolle Konzerte mit Stoppok und Artgenossen, Astrid North, Regy Clasen oder Cristin Claas, um nur einige zu nennen.“

9.) Hast Du eine musikalische Ausbildung genossen? Wenn ja, welche?

Christina Lux: „Ich habe Gitarre komplett autodidaktisch gelernt. Ich kann auch keine Noten und weiß eher selten, wie der Akkord den ich gerade greife, heißt. Meine Stimme musste ich langsam wieder gesund machen, damals mit 18, und hatte außer einer guten Logopädin auch einen tollen Gesangslehrer, der mir die Grundtechnik nahe gebracht hat, auf die ich mich jetzt schon so lang verlassen kann. Scuola di canta.“

10.) Welchen Tipp hast Du für junge Musiker und Bands?

Christina Lux: „Die Zeiten haben sich sehr gewandelt. Zu meiner jungen Zeit gab es den ganzen Castingkram nicht und wir freuten uns wie die Schneekönige auf die ersten Musiksendungen und hörten Radio und nahmen auf Kassetten auf. Heute wird mal schnell einer als Ausnahmekünstler bezeichnet, der es schafft, einen Song singend zu covern und viele halten sich für Künstler, sind es aber nicht. Weil es keine Kunst ist, sich aus schon fertigen Bausteinen einen Song zusammenzuklauen und diesen dann so zu singen, wie der Sänger, den man gerade gut findet und dann mit dem Satz „Musik ist mein Leben“ das Ganze zu krönen. Da werde ich manchmal ein wenig stinkig.

Auch dieser Narzissmus mit eingebauter Wahrnehmungsverschiebung macht mich ganz blöde. Schaut genau hin, was Euer Motor ist. Und ja, er verändert sich. Aber Musiker zu sein heißt für mich eben auch, sich ein Instrument drauf zu schaffen und zu schauen, dass man einen eigenen Sound findet und nicht nur nachturnt. Wenn Du Popstar mit kurzer Lebensdauer werden willst, dann sind es andere Maßgaben. Behalte Deine Songrechte möglichst bei Dir und erwarte nicht zu viel von einem Label oder einem Deal. Es ist und bleibt ein eher hartes Brot, seinen Weg zu machen und den Wenigsten ist der Smash Hit vergönnt, der einen dann trägt.

Wenn Du Musiker werden willst, dann brauchst Du Mut und Durchhaltevermögen und nach wie vor auch ein Stück Bewusstsein für die Dinge, die Du da in die Welt bringen willst. Ich sehne mich nach Statements und Aufrichtigkeit und nach dem Mut eigen zu sein, bei den jungen Musikern. Und es ist Fakt, dass man das eben nicht alles lernen kann, sondern es eine Frage der ganzen Persönlichkeit ist. Da nützt dann auch eine Popschmiede nichts, die vermeintliche Rezepte weiß. Die kann nur dann gut sein, wenn sie das in Euch zum Vorscheinen bringt, was ihr schon seid und nicht etwas aus euch zu machen versucht, was sich dufte verkaufen lässt oder so ist wie der Mainstream.“

Vielen Dank für das Interview an Christina Lux. Weitere Infos und Musik sind unter den folgenden Links zu finden und auch Songwriting-Workshops bietet sie dort an.

Weblinks:
www.christinalux.de

www.facebook.com/Christina.Lux.Music

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.