Worauf man beim Singen achten sollte

Ich singe schon mein Leben lang. Doch ich bemerkte, dass ich stimmlich nicht immer gleich fit war. Manchmal war ich unsicher, manchmal strengte es mich an, manchmal fiel es mir leicht und oft war ich viel zu leise. Irgendwann beschäftigte ich mich mit dem Thema Gesangstechniken und Gesangsübungen. Und da mir ein Selbststudium zu Beginn nicht wirklich weiterhalf, ging ich das erste Mal zum Gesangsunterricht. Ich hatte bereits nach der ersten Gesangsstunde ein Aha-Erlebnis. Meine Lehrerin zeigte mir klassische Gesangsübungen und plötzlich kam es so laut aus mir raus, dass es in den Ohren raschelte. Ich war erschrocken und begeistert zugleich. Seit dieser Stunde gehe ich gern zum Gesangsunterricht und lerne meine Stimme immer besser kennen. Und auch wenn ich selber noch im Lernprozess stecke und selber kein Unterricht gebe, so sind mir bisher viele Dinge aufgefallen, die man beim Singen tatsächlich falsch machen kann.

Woran muss man beim Singen auf der Bühne denken?

Ich war mir vorher nie so bewusst darüber, was man als Sängerin eigentlich leisten muss. Doch nun achte ich zunächst natürlich noch sehr bewusst darauf, was alles gleichzeitig passieren muss, damit man bestimmte Resultate erzielt. Ich habe mich immer gewundert, warum ich bestimmte Töne in der Höhe einfach nicht erreiche, dabei habe ich mich doch so angestrengt und fast Anlauf genommen. Doch es geht nicht ums Töne rauspressen und Kraft haben. Es ist mehr ein Formen und Rauspurzeln lassen.

Ich habe mir überlegt, dass ich meine vielen kleinen Erkenntnisse sammeln und anderen unausgebildeten SängerInnen zur Verfügung stellen will. Doch jetzt will ich mal eine kleine Übersicht geben, was da beim Singen eigentlich alles beachtet werden sollte. Vieles geht mit der Zeit in Fleisch und Blut über und muss kaum noch bewusst angewendet werden. Aber das bedarf monate- bis jahrelanger Übung. Und bis man das verinnerlicht hat und ganz automatisch macht, muss man es bis dahin einfach bewusst einsetzen.

Ich fasse mal grob zusammen. Man muss darauf achten, dass:

  • man „stützt“, also die sogenannte Bauchatmung anwendet (gerade bei hohen Tönen)
  • man die Stärke des Luftflusses anpasst und reguliert (um auch lange Töne halten zu können)
  • der Kiefer locker ist und nicht angespannt ist
  • der Kiefer gerade (nicht schräg) nach unten aufgeklappt wird und bei höheren Tönen weiter geöffnet wird
  • man das Gaumensegel hebt (besonders im klassischen Bereich). Hilft aber auch wenn man hohe Töne treffen will oder man „über den Dreck“ singen will. (Also, wenn die Stimme etwas verschleimt ist.)
  • man freundlich schaut und keine Runzelstirn macht, wenn es der Text verlangt
  • die Intonation stimmt bzw. die Töne sitzen
  • man nicht nuschelt und die Worte deutlich zu verstehen sind (das muss nicht übertrieben sein)
  • man den Mund richtig formt. Das hilft bei bestimmten Vokalen, den Ton zu treffen.
  • man eine aufrechte Körperhaltung hat und nicht in sich zusammenfällt.
  • man Gefühl transportiert. Dazu kann man mit Bildern im Kopf arbeiten.
  • die Stimme richtig „sitzt“ und man nach vorne in die sogenannte „Maske“ singt.
  • man den Text und die Melodie nicht vergisst (Ist wohl jedem schon mal passiert. In dem Fall ist ein wenig Improvisationsgeschick gefragt.)
  • man nicht schielt, wenns drauf ankommt. (Ich kann da ein Lied von singen. Bin Expertin im Schielen.^^)
  • man sich in seinem Outfit wohlfühlt und sich selbstsicher auf der Bühne bewegen kann.
  • man sich mit kleinen gedanklichen Tricks oder Bewegungen bei schwierigen Stellen „ablenkt“ und nicht blockiert. (Und nicht vorher denkt: „Oh Gott, gleich kommt die schwierige Stelle. Die schaff ich nicht.“)
  • man an ggf. einstudierte Bewegungen denkt und diese nicht gestellt wirken.
  • man mit den Menschen (Band oder Publikum) interagiert, wenn es zum Programm gehört und passt.
  • man schon vor der entsprechenden Gesangsphrase in der richtigen „Energie“ ist und sich nicht zu den schweren Tönen „hochkämpfen“ muss.

Das waren alle Punkte, die mir im Laufe der Zeit bisher aufgefallen sind. Ich will davon auf einige später noch mal genauer eingehen, um sie etwas ausführlicher zu beschreiben und meine persönlichen Erfahrungen damit zu dokumentieren. Außerdem möchte ich nach und nach noch was zu den Fragen und Mythen der Stimme erzählen. Zum Thema Essen und Trinken vor dem Singen, zum Thema Gesangsaufnahmen im Studio und was es sonst noch so zu klären und verraten gibt.

„Gesangsunterricht verändert meine Stimme. Ich will so nicht klingen.“

Doch kurz möchte ich noch einmal auf das Thema Gesangsunterricht eingehen. Ich habe bisher von einigen Sängern gehört, dass sie lieber keinen Gesangsunterricht nehmen wollen, weil sie denken, dass sich ihre Stimme damit negativ verändern würde oder sie „ihrem Sound“ damit schaden würden. Das halte ich persönlich für Quatsch, denn nur weil Du Techniken lernst und deine Stimmmuskulatur aufbaust, wirst Du nicht automatisch klingen, wie jemand anderes. Jeder hat seinen eigenen Stimmsound, sein eigenes Timbre und das kann dir kein Lehrer einfach „austreiben“. Es gibt sicher Unterschiede im Gesang, gerade wenn man mal Pop und Klassik vergleicht. Doch auch wenn man gerade im klassischen Bereich als Popsänger manchmal sehr übertriebene Übungen macht und vielleicht annähernd beim Unterricht wie ein Opernsänger klingt, so sind das lediglich Übungen. Denn „Übertreibung macht bildlich!“ und das hilft, sich bestimmte Vorgänge besser einzuprägen. Nur weil man im Gesangsunterricht extrem deutlich singt und auf jeden „Pups“ achtet, muss man das nicht auch eins zu eins auf der Bühne so machen. Hilfreich ist es aber, wenn man es bei Bedarf kann und zum Beispiel im Tonstudio in der Lage ist, bestimmte Stellen deutlich zu singen und mit diversen Anweisungen etwas anfangen kann. Gesangsunterricht ist dazu da, dass man die Atemtechniken lernt, Intonation trainiert, sich den Stimmsitz bewusst macht, sich später mit kleinen Tricks auf der Bühne zu den schweren Tönen helfen kann und jemanden hat, der dich von außen hört und gezielt auf kleine Fehler eingehen kann. Dazu muss man natürlich auch den richtigen Partner haben, also einen Lehrer oder eine Lehrerin, bei dem man sich wohlfühlt und nicht verkrampft vor Angst. Und wenn man diese Grundlagen dort lernt, kann man sich viel besser mit seiner eigenen Stimme beschäftigen und sich auch an stimmliche Effekte (bspw. Vibrato, Vocal-Break etc.) oder verschiedene Gesangsstile tasten, ohne der Stimme zu schaden. Darum geht es beim Gesangsunterricht letztendlich. Die Stimme trainieren, damit man lange singen/sprechen kann, ohne der Stimme zu schaden.

Alles eine Geldfrage

Und weil sich nicht jeder Gesangsunterricht leisten kann, gibt es auch noch die Möglichkeit im Chor zu singen, wo man ebenfalls einen ausgebildeten Chorleiter um Rat fragen kann. Außerdem gibt es etliche Online-Kurse und Tutorials und Bücher, die sehr gut beschreiben und zeigen, was man beachten muss. Für den Anfang kann man sich auch dort Tipps holen. Doch auf Dauer und wenn man wirklich langfristig und professionell singen möchte, dann sollte der Gesangsunterricht auf jeden Fall in Angriff genommen werden. Das kann ich wirklich jedem empfehlen.

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