Nachgefragt bei Maria Schüritz

Maria Schüritz setzt als Künstlerin hauptsächlich auf essenzielle Dinge, wie das eigentliche Musikmachen und Auftreten, statt sich zu sehr mit technischen Details aufzuhalten. Sie schreibt Songs, singt, spielt Gitarre und lässt dabei gern experimentelle Elemente in ihre Musik mit einfließen. Live nutzt sie dafür auch eine Loop-Station, die es ihr ermöglicht, Chöre und Beats vor den Augen des Publikums entstehen zu lassen. Wie das Ganze klingt?

„Soul ist immer mit drin – in den Liedern aus dem Kopfkino, den Songwriter-Loop-Songs und im FunkRock-Stuff.“

Maria Schueritz

© Foto: Joachim Berger

10 + 1 Fragen an Maria Schüritz

1.) Seit wann bist Du musifiziert?

Maria Schüritz: „Von Anfang. Seit mein Papa mir vor dem Schlafen Lieder vorgesungen hat, glaub ich. Irgendwann hab ich mitgesungen, mit acht dann klassische Gitarre, später Schulchor, mit 15/16 Coversongs und erste eigene Sachen à la „Du bist so süß, wie ein Gänseblümchen – lache nicht…“

2.) Womit fängst Du beim Songwriting an?

Maria Schüritz: „Oft mit einem Bild oder einem Schreibspiel. Merkwürdige Fotos oder abstrakte Gemälde funktionieren bei mir besonders gut. Das, was irgendwie aus mir raus will, wird dadurch kanalisiert und irgendwie – keine Ahnung, wie das genau passiert – sind dann oft nach 20-30 Minuten Text und Musik zusammen da.“

3.) Wie ist Dein erstes bzw. letztes Album entstanden?

Maria Schüritz: „In gemütlichen kleinen Studios. Ich habe irgendwie nicht so den Nerv, mich in die unendlichen Weiten der Tontechnik reinzufuchsen und finde es inspirierend, mit anderen zusammenzuarbeiten, weil sich die Songs dabei auch teilweise weiterentwickeln und jemand da ist, der den Perfektionismus eindämmt. Im Tonstudio hat man die Konzentration auf das, worum es geht, zuhause würde ich wieder tausend andere Dinge parallel machen.

Im Februar 2017 war ich 10 Tage im Roy-de-Rats-Studio in Leipzig-Plagwitz. Eigentlich sollte es ein unaufwendiges Soloalbum werden… Schließlich kamen jeden Tag irgendein superlieber Musiker und hat was dazugespielt. Das war wundervoll, so einen Support zu haben. Und auch beim Mischen gab es einiges echt nützliches Feedback von Mitmusikern, einem tollen Komponisten, der mir geholfen hat, auch meinen Faible für Experimentelles mit einzubringen. Man ist dann ja in so einer Blase, beschäftigt sich wochenlang nur ganz intensiv mit den Songs und irgendwann hört man gar nix mehr – was ist nun gut, schlecht oder mittelmäßig? Da helfen dann nur Pausen und gute Freunde.“

4.) Mit welchen Programmen arbeitest Du & womit nimmst Du auf?

Maria Schüritz: „Für Skizzen und um zu hören, wie es wirkt, nehme ich ganz simpel mit einem Zoom H2n auf. Und beim Loopen hat man ja bei Vielem sofort eine Rückmeldung, wie es klingt.“

5.) Was tust Du, um Leute auf Deine Werke aufmerksam zu machen?

Maria Schüritz: „Auftreten, auftreten, auftreten. Nach wie vor ein toller Weg, die eigene Musik bekannter zu machen und besser zu werden. Es gibt so unendlich viele sehr gute Musiker und vor allem in einer so vitalen kreativen Stadt wie Leipzig, muss man doch etwas penetrant sein, um in Social Media oder Presse wirklich wahrgenommen zu werden. Leider reagieren viele Leute eher auf nette Fotos, als auf gepostete Songs oder Inhalte. Ich steh da nicht so drauf, die Kunst mithilfe von Schönheit zu verkaufen – darum geht es doch eigentlich nur am Rande. Meine Strategie ist es eher, stetig in der Szene aktiv zu sein und mich zu vernetzen.“

6.) Um welche Aufgaben kümmerst Du Dich noch selber und was übernehmen Deine Kollegen oder ggf. professionelle Partner?

Maria Schüritz: „Momentan mache ich eigentlich alles selbst, will aber langsam mal nach einem Label Ausschau halten, vielleicht auch mal nach jemandem für das Booking, aber das kostet eben auch alles Geld und macht es auch etwas unpersönlicher. Für die Sänger ist es ja meistens schon wichtig, in was für einem Setting man auftritt – wahrscheinlich, weil Stimme eben einfach Kommunikation (auch mit dem Publikum) ist. Deswegen finde ich es angenehm, es so selbst in der Hand zu haben, wo ich spiele.“

7.) Dein bisher schönstes Musiker-Erlebnis oder Dein größter Erfolg:

Maria Schüritz: „Eines der schönsten Erlebnisse war 2015 beim Tapetenwechsel – einer Wohnzimmerkonzert-Reihe in Leipzig. In dieses schmale WG-Zimmer quetschten sich 40-50 Leute und ich spielte „Giants“, ein Liebeslied an den Riesen, der die Mittelmeer-Landschaft formt. Und irgendwie war alles perfekt: Ich meinte jede Silbe, jeden Ton mit ganzer Intensität und die Leute waren genau in der richtigen Stimmung dafür. Es war so ein „Wow, was passiert hier gerade Magisches?“ Ein halbes Jahr später in einer Bar berührte jemand sanft meinen Arm: „Ich war schon mal bei einem Konzert von dir.“ Ich lächelte und konnte an ihrem Blick sehen, bei welchem.“

8.) In wie vielen Bands / Musikprojekten hast Du bisher mitgewirkt?

Maria Schüritz: „Schwierig zu zählen – es gibt ja immer wieder Projekte, die im Rahmen des Studiums oder einer Hochzeit oder eines Release-Konzerts stattfinden oder die aus ganz verschiedenen Gründen wieder einschlafen. Aktuell sind es v.a. mein Soloprojekt mit und ohne Loop-Station, ein Akustik-SoulSongwriter-Duo mit Felix Kaduk am Kontrabass (seit 2012), das Acoustic-Soul-Duo Damario (seit 2008) und die sophisticated FunkRock-Band Spin Machine (seit 2015). Eine tolle Zeit hatte ich mit meiner FunkRock-Band Funky Zebra (2010-2014) – wir waren sehr familiär, haben viel gespielt und ein Album und eine sehr schöne EP veröffentlicht.“

9.) Hast Du eine musikalische Ausbildung genossen? Wenn ja, welche?

Maria Schüritz: „Viele Jahre Musikschule und Schulchor. Dann wollte ich erst mal nichts mehr von Unterricht wissen und Leuten, die mir sagen, wie man „richtig“ Musik macht. 2007 gab es in meinem Studium einen Workshop für Gruppenimprovisation – eine Methode, durch die man mit anderen Leuten Musik macht, egal, was sie für musikalische Erfahrungen haben. Das hat mich total fasziniert, weil durch den experimentellen Ansatz erst mal „falsch“ und „richtig“ ausgeschaltet werden und der Fokus eher auf Zuhören, interagieren und Klänge gelegt wird. Einige Jahre hab ich dann v.a. meine stimmlichen Möglichkeiten einfach selbst ausgetestet. Seit der Vorbereitung auf mein Album „Lieder aus dem Kopfkino“ bin ich wieder bereit, zu Lehrern zu gehen, um mir Tipps geben zu lassen, was mich total weiterbringt.“

10.) Welchen Tipp hast Du für junge Musiker und Bands?

Maria Schüritz: „Immer wieder Neues probieren, weil einfach jede Erfahrung die Palette an Möglichkeiten, aus denen man schöpfen kann, erweitert. Egal was: Covern, experimentelle Musik, Background singen, fremde Instrumente spielen, an Schreibkursen teilnehmen, whatever…“

Frage +1 Was wolltest Du schon immer mal von anderen Musikern wissen?

Maria Schüritz: „Wie bekommt ihr eine vernünftige Bandinfo hin, die nicht zu über- und nicht zu untertrieben ist?“

Vielen Dank für das Interview an Maria Schüritz. Infos, Musik und News zu ihr sind auf folgenden Links zu finden.

Weblinks:

www.maria-schueritz.de

www.facebook.com/mariaschueritzsolo

https://mariaschueritz.bandcamp.com/

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