Dinge, die bei Gesangsaufnahmen stören

Bei meinen Gesangsaufnahmen in letzter Zeit, war ich manchmal ein wenig in Zeitnot und die Aufnahmeumgebung sorgte für erschwerte Bedingungen. So hatte ich die Idee zu diesem kleinen spaßigen Beitrag. Es war so, ich musste jeweils in einem relativ kurzfristigen Zeitraum eine gewisse Masse an Vocalparts aufnehmen. Da ich zu Hause ein Homerecordingstudio nutzen kann, habe ich mich voller Elan ans Werk gemacht. Doch steht keine schalldichte Gesangskabine zur Verfügung, sondern nur eine kleine Aufnahmeecke im Arbeitszimmer. Und was mir da so widerfahren ist, hat zu tun mit: Dingen, die bei Gesangsaufnahmen stören.

Dinge, die bei Gesangsaufnahmen stören

Der Raum des Geschehens:

Das Zimmer, in dem ich aufnehmen wollte, ist ein normales Zimmer einer Dreiraumwohnung. Da liegt Teppich drin, eine Schrankwand, Regale, zwei Schreibtische und ein paar Zimmerpflanzen haben ebenfalls Platz. Je über und unter diesem Raum befinden sich lustigerweise wohl die Schlafzimmer der Nachbarn, die mehr oder weniger gezwungen sind, meinen Gesangsdarbietungen zu lauschen. Das Gesangsmikrofon ist zur Hälfte umgeben mit einem Schaumstoff ausgekleideten Mikrofonabsorberschirm*, der den Raumklang bzw. die Resonanzen etwas mindern soll. Früher stand ich noch im Kleiderschrank, heute ist das Set up optisch etwas professioneller. Naja fürs Auge jedenfalls. Bisher bin ich damit gut gefahren.

Was soll da schon schief gehen?

Ich stehe also voller Elan und ganz superdoll gut vorbereitet mit meinen Kopfhörern am Mikro und nehme die ersten Takes auf. Die erste zwei Versuche waren vielleicht noch nicht so geil in der Betonung, aber nach ein paar Loops, war ich voll drin und man konnte die Sonne förmlich in meiner Stimme hören. Doch dann …..röööööööööööhhhrrrr……huphup…..tatüüütata…..polter…

WTF…???

LÄRM, in unterschiedlicher Form!!! – Nachdem ich mich beim Aufnehmen wiedermal so dermaßen geärgert hatte, weil echt gute Takes dann, durch irgendwelche saudummen Geräusche „von außen“, nicht zu gebrauchen waren, hatte ich die lustige Idee, für meine Leser mal eine „Liste mit den top-nervigsten Nebengeräuschen, die bei Homerecordingaufnahmen absolut stören“ zu erstellen. Vielleicht um diese Punkte von vornherein gleich auszuschließen oder einfach um zu zeigen „Ihr seid nicht allein mit diesem Problem!“. Nicht alle gelisteten Störquellen sind mir tatsächlich in meine Aufnahmen geplatzt, aber eine ziemliche Bandbreite davon leider schon. Also bitteschön, viel Spaß damit. 😉

Alles, was stört, wenn man in „belebter“ Wohngegend wohnt:

  • Motorräder / Motorroller (besonders im Sommer bei gutem Wetter)
  • Pkw & hupende Autos an der Ampel
  • Lkw fährt vorbei (die sind eigentlich immer laut)
  • allgemeiner Straßenlärm inkl. fluchender Passanten
  • Straßenbahn & Straßenbahngebimmel (jedenfalls in Dessau laut)
  • Züge & Bahnhofsansagen, Schrankengebimmel
  • Sirene von: Krankenwagen, Feuerwehr, Polizei (bei uns an der Kreuzung ständig!)
  • Open Air Veranstaltungen (eher im Sommer, & je nachdem wie der Wind steht)
  • Verkehr auf Kopfsteinpflaster

Alles, was stört, wenn man Nachbarn hat und zudem hellhörige Wände:

  • fersenläufige Übermieter, die wie 5-Tonner klingen
  • Kindergeschrei
  • Geschrei von Eltern, die ihre Kinder übertönen müssen
  • bellende Hunde von Nachbarn
  • Bettsport der Übermieter
  • Musik oder Fernsehprogramm von nebenan
  • Heimwerker im Haus
  • Möbel rückende Übermieter („Wie wärs mal mit Filz unter den Stühlen???“)
  • Mitbewohner macht Küchendienst oder kocht
  • Staubsaugergeräusche / andere Haushaltsgeräte
  • Rasenmäher etc.

Alles, was stört – „höhere Gewalt“ – unabhängig von Wohnort:

  • Gewitter
  • Heizungsgeräusche
  • Hagel oder Platzregen klopft gegen Fensterscheiben
  • Flugzeuge / Hubschrauber (bei mir war z. B. gerade Flugplatzfest…)
  • wenn der Feuermelder „nur mal so“ losgeht
  • Magenknurren oder Luft im Bauch…
  • die Mutti ruft an

Und jetzt: Tief durchatmen!

OK, den ersten Impuls, die Störquelle anzuschreien, habe ich meistens gekonnt unterdrückt. Diese Wohnung ist eben einfach nicht dafür gedacht, um gute Gesangsaufnahmen zu machen. Der Plan umzuziehen steht auch schon! Dennoch musste ich die Aufnahmen eben trotzdem machen, ohne dass darauf dann irgendwelche Nebengeräusche zu hören sind. Was habe ich also gemacht?

Meine Lösung…

Den Rasenmäher früh um 8 Uhr habe ich einfach machen lassen, denn vormittags Gesang aufzunehmen, passt eh nicht in meinen stimmlichen Wohlfühlbereich. Bis zum Mittag war der also fertig. Und dann habe ich ganz frech in der Mittagsruhe angefangen aufzunehmen. Da es sich hier um einen „Notfall“ (meinerseits) handelte und ich mir sicher sein würde, dass sich eine Person, die sich dadurch belästigt fühlen würde, sicher auch an meiner Haustür beschweren würde, habe ich also genau zur Mittagszeit angefangen. Viele der Lärmquellen ließen sich damit schon ausschließen. Und ich habe keinen Operngesang aufgenommen, sondern eher in erhöhter Sprechlautstärke, war also keine Gefahr für Mittagsschläfer.

Die Masse machts.

Außerdem habe ich einfach einige Takes mehr aufgenommen, sozusagen immer im Loop gleich aufgenommen, und hatte dann genug Material, um ungeeignete Takes auszusortieren. Die Geräusche, die man selbst beeinflussen kann, die passieren zum Glück nur einmal. Also wenn die Mutti oder so angerufen hat, spätestens dann denkt man auch daran, sein Telefon auszuschalten. Und wenn der Magen knurrt, dann wird es eben auch mal Zeit für eine Pause. Ansonsten heißt es einfach: Durchhalten und weitermachen!

Fazit:

Man kann mit Homerecording genauso tolle Aufnahmen selber machen, wie im Studio – sofern man die Geräuschkulisse im Griff hat. Solange ein „Tatütata“ oder so nicht deinen geilsten Take versaut, ist das alles kein Problem. Allerdings kriegt man dann doch schnell graue Haare, wenn das zehnte Motorrad bei schönstem Sommerwetter durch deine Aufnahme röhrt. Falls du die Möglichkeit hast, den Aufnahmeraum schalldicht zu machen oder du sogar eine geschlossene Gesangskabine nutzen kannst, dann bist du damit definitiv im Vorteil. Ansonsten muss man sich wirklich hartnäckig durchbeißen und versuchen bei den ganzen Störungen als Sänger/in bei guter Laune zu bleiben. Schreib gern etwas zu deiner Aufnahmesituation im Homestudio. Welche Erfahrungen hast du bisher gemacht? Ich freue mich, dass du auf musifiziert.de vorbeigeschaut hast. Bis bald.

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