Musikstudium als Grundlage der Musikkarriere?

Für viele Menschen gibt es immer noch das Vorurteil, dass ein Musikstudium „nichts Richtiges“ sei. So hört man als Musikstudent oft die Frage, was man denn überhaupt damit machen will? Auch ich wurde damit häufig konfrontiert, seit ich mich vor vier Jahren für ein Musikstudium entschieden habe. Es ist also an der Zeit, mal aufzuräumen mit Mythen und zu zeigen, welche Musikstudiengänge es gibt und wann ein Musikstudium sinnvoll ist.

Musikstudium als Grundlage der Musikkarriere

Was ist das Ziel?

Für alle jungen Musiker, die beruflich im Bereich der Musikbranche tätig sein möchten, stellt sich gegen Ende der Schulzeit die Frage, was der beste Weg ist, um irgendwann von der Musik leben zu können. Lieber erst einmal ein anderes Studium oder eine Ausbildung machen, um „abgesichert“ zu sein oder alles auf die Karte Musik setzen?

Um diese Entscheidung zu treffen, empfehle ich jedem Musiker, sich zu überlegen, was er oder sie genau machen möchte. Wenn du zum Beispiel Musiklehrer werden möchtest, gibt es sehr viele gute Möglichkeiten ein Studium abzuschließen, was neben deiner musikalischen Weiterbildung auch pädagogische Aspekte inkludiert und oftmals zu einer Festanstellung führen kann. Möchtest du aber zum Beispiel als Musikproduzent oder Musikmanager arbeiten, kann ein anderes Musikstudium oder auch ein Praktikum in einem Tonstudio oder Musikunternehmen sinnvoll sein.

Die Praxis in der Musikbranche sieht häufig so aus, dass Musiker als Selbstständige verschiedene Einnahmequellen haben. Zum Beispiel unterrichten sie mehrere Tage die Woche und spielen an anderen Tagen Konzerte. Andere wiederum haben feste Jobs in Tonstudios oder Musikunternehmen. Auch wenn man einen Blick auf den Umsatz der deutschen Musikbranche 2017 wirft – mehr als 1,5 Milliarden – wird schnell klar, dass ein Musikstudium etwas „Richtiges“ ist.

Musikstudium?

Ganz generell gilt, dass ein Musikstudium nicht gleich ein Musikstudium ist. Grob kann man Musikstudien in sechs Bereiche unterteilen, die ihren Schwerpunkt dann mehr oder weniger auf der künstlerischen Arbeit haben. Zu manchen dieser Bereiche gibt es auch Ausbildungen, das ist vor allem im Veranstaltungsbereich der Fall.

Ich selber habe mich vor vier Jahren für ein Kombinationsstudium aus Instrumentalpädagogik und einem künstlerischen Diplomstudium entschieden. Das ermöglicht mir eine gute Grundausbildung für meine Arbeit als Schlagzeuger, gleichzeitig kann ich aber auch jederzeit in das Musikschulwesen wechseln. Mittlerweile studiere ich in London Creative Musicianship, in dem Bereiche der Produktion, des Songwritings und des Projekt Managements zusammenfallen. Aber schauen wir uns mal die Bereiche etwas genauer an:

Pädagogik

Hier gibt es vor allem zwei mögliche Studienrichtungen: Musiklehrer an einer Musikschule oder Musiklehrer an einer öffentlichen Schule. Selbstverständlich kann man auch mit oder ohne Musikstudium privat Unterricht geben. Der große Unterschied zwischen dem Musiklehrer für Musikschulen und dem an allgemeinbildenden Schulen ist, dass an Musikschulen fachspezifischer unterrichtet wird. Es werden also Instrumente oder spezifische Kurse wie Arrangement und Komposition unterrichtet und es gibt nicht den Anspruch, einen allgemeinen Überblick über Musik zu vermitteln.

Gesangs- und Instrumentalstudium

Gerade im klassischen, aber auch im Jazz- oder Popular-Musikalischen Bereich gibt es viele Gesangs- und Instrumentalstudiengänge, deren Ziel es ist, den Studenten ein möglichst hohes Niveau auf ihrem Instrument zu vermitteln. Gerade in den letzten Jahren haben sich die Studiengänge aber auch noch mal stärker geöffnet und so sind heute bei vielen Universitäten Vorlesungen über Musikwirtschaft und Komposition fester Bestandteil dieser.

Komposition- und „Kreativ“-studiengänge

Neben den Studiengängen, bei denen das Lehren auf dem Instrument im Vordergrund steht, gibt es auch Musikstudiengänge, die sich stärker auf Themen wie Komposition oder Songwriting fokussieren. Besonders in den letzten Jahren wurde hier das Angebot ausgeweitet, sodass man heute von Film- und Medienkomposition bis hin zu Creative Musicianship viele verschiedene Möglichkeiten hat.

Produktions- und Tontechnik

Auch Produktion oder Tontechnik kann man studieren und auch da gibt es verschiedene Bereiche und Möglichkeiten. Manche Studiengänge legen dabei den Fokus mehr auf den Live-Bereich, andere wiederum fokussieren sich stärker auf die Arbeit in einem Tonstudio oder im Mixing- und Mastering-Bereich.

Musikwirtschafts- und Eventmanagement-Studiengänge

Der fünfte Bereich umfasst Musikwirtschaft und Eventmanagement, es gibt also verschiedene Studiengänge, die sich dem Planen und Umsetzen von Veröffentlichungen und Veranstaltungen widmen.

Wissenschaft

Neben allen Studien, die sich eher der praktischen Gestaltung und Umsetzung von Musik widmen, gibt es mit Musikwissenschaften auch ein Studium, das sich eher mit der Analyse von Musik beschäftigt. Dabei geht es über die reine Analyse von Stücken hinaus und es wird sich mit verschiedenen Bereichen der Musik und des Musizierens beschäftigt. In vielen anderen Musikstudien gibt es auch einen musikwissenschaftlichen Bestandteil, der häufig in einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit mündet. Bei mir ist das für das Instrumentalpädagogikstudium zum Beispiel eine Arbeit über „Ergonomie am Schlagzeug“.

Vor- und Nachteile?

Was sind denn nun die Vor- und Nachteile eines Musikstudiums? Die großen Vorteile sind zum einen, dass man eine professionelle Weiterbildung auf seinem Instrument oder dem gewählten Fachbereich erhält, zum Anderen bekommt man ein gutes Netzwerk. Jeder andere an der Musikuniversität hat ein ähnliches Ziel, also bilden sich Projekte und jeder erarbeitet sich neue Kontakte. Am Ende kann einen dieses Netzwerk durch seine ganze Karriere begleiten. Dafür ist man zugegebenermaßen auch ein bisschen auf eine Musikuniversität angewiesen, deren Studenten ein möglichst konkurrenzfreies Denken verinnerlicht haben, aber wenn man die Augen und Ohren offen hält, dann wird man auch immer Musiker finden, die in eine ähnliche Richtung möchten und einem weiterhelfen können.

Auf der anderen Seite bedeutet ein Musikstudium auch, mehr zu tun, als nur regelmäßig zu den Vorlesungen zu kommen und die Vorgaben zu erfüllen. Um einen bestmöglichen Start – und in manchen Musikbereichen überhaupt eine reelle Chance – zu haben, sollte man bereits während des Studiums Projekte haben und Praxiserfahrung sammeln. Sicherlich werden nicht immer diese ersten Projekte auch langfristig erfolgreich sein, aber sie bilden zum einen „Praxis-Credits“ – oh, der Musiker hat ja schon bei den und den Projekten mitgearbeitet – und zum Anderen erweitert man auch dadurch sein Netzwerk. Nicht zuletzt aber ist es wie in jeder anderen Industrie auch wichtig, Erfahrung zu sammeln und das geht im Rahmen des reinen Studiums nur schwer und benötigt eigene Projekte.

Andere Wege?

Kann ich also auch beruflich in der Musikbranche tätig sein, ohne Musik studiert zu haben? Auf jeden Fall!

Die Musikbranche ist noch stärker als viele andere Branchen unabhängig von Abschlüssen. Niemand wird dich als Musiker für seine Band buchen, weil du ein abgeschlossenes Musikstudium hast. Natürlich kann es aber helfen, wenn du nachweisen kannst, dass du gewisse Dinge beherrschst – zum Beispiel durch ein abgeschlossenes Studium in dem Bereich. Gleichzeitig zählt beinahe immer die menschliche Ebene mehr. Niemand möchte mit Menschen zusammenarbeiten, die zum Beispiel unzuverlässig sind.

Wichtige Punkte, wie das Aufbauen eines Netzwerkes können auch außerhalb eines Studiums geschehen. So kenne ich zum Beispiel aus erster Hand die Geschichte von einem Recording Engineer, der in einem großen Tonstudio an der Rezeption saß und am Ende in eben jenem Studio Teile für ein Rihanna-Album aufgenommen hat, was ihm neben einem „Grammy-Award“ auch eine gute Basis für seine weitere musikalische Tätigkeit eingebracht hat. Einzig und alleine, weil jeder im Gebäude ihn kannte und er im richtigen Moment, die richtige Erfahrung hatte.

Auch die Weiterbildung in dem jeweiligen Teilbereich kann selbstständig oder berufsbegleitend stattfinden.

Fazit

Das Musikstudium ist also nicht die komplette und alleinige Lösung, um beruflich in der Musikbranche tätig zu sein. Sie kann aber eine gute Hilfe auf dem Weg dorthin sein. Gemeinsam mit Engagement, Erfahrung und dem richtigen Netzwerk bildet sie eine gute Grundlage, um langfristig sein Geld auf dem Musikmarkt zu verdienen.

Ich hoffe, das hat geholfen, ein bisschen Licht in das Thema Musikstudium zu bringen und wenn ihr noch weitere Fragen habt, meldet euch gerne.

Dieser Artikel wurde von Lasse Corus geschrieben, der norddeutsche Schlagzeuger und Songwriter macht zurzeit seinen Bachelor of Arts in Creative Musicianship am Londoner ICMP. Alle Einblicke in sein Leben als Musikstudent und Musiker gibt es auf Instagram und unter lassecorus.com .

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