Voraussetzungen für gute Bandarbeit

Im Gespräch mit jungen Musikern und Gesangstalenten kommt immer mal wieder das Thema Bandarbeit auf. Einige sind begeistert, andere sind frustriert oder fühlen sich unterdrückt. Und dann wiederholen sich Probleme, die ich schon früher in manchen Bands beobachtet habe. Wenn man über den Punkt hinaus ist, dass man sich freut, überhaupt in der Band zu sein, dann spielen meist zwischenmenschliche Konflikte eine Rolle, wo das gemeinsame Musizieren eigentlich im Vordergrund stehen sollte. Als Sängerin und Musikerin sind mir da sehr viele Dinge aufgefallen, gegen die ich selber schon ankämpfen musste oder die ich stillschweigend und verunsichert hingenommen habe. Heute weiß ich es besser und möchte mich nicht mehr zurückhalten, wenn jemand aus Unwissenheit falsche Anweisungen gibt. In einer Band sollte es darum gehen, dass alles perfekt harmoniert. Und das bekommt man durchaus hin, wenn man sich folgende Punkte als Voraussetzungen für eine gute Bandarbeit zu Herzen nimmt.

Voraussetzungen für gute Bandarbeit

Gegenseitiger Respekt auch bei großem Altersunterschied

Angefangen mit gegenseitigem Respekt. In Bands gibt es manchmal einen sehr großen Altersunterschied. Dieser kann ein Problem werden, sobald man nicht auf Augenhöhe miteinander arbeitet. Oft sind es die Sänger/innen am Mikrofon, die viel jünger als der Rest der Bandmusiker sind. Jedenfalls konnte ich das bei etlichen Hobbybands, besonders im Cover-Bereich, beobachten. Das muss nicht schlecht sein, denn eigentlich kann man nur von den Erfahrungen älterer Bandmitglieder profitieren und die Jüngeren bringen frischen Wind rein. Leider wird oft wegen des Alters ein jüngerer Musiker oder Sänger, der sogar besser in seinem eigenen Fach Bescheid weiß, nicht ernst genommen oder nur unzureichend einbezogen. Nach dem Motto, der Älteste hat das Wort. Stattdessen sollte besser derjenige zurate gezogen werden, der themenbezogen am besten informiert und spezialisiert ist.

Songs in geeignete Tonlage transponieren

Dieser Punkt ist besonders an Coverbands gerichtet. Spielt die Songs in der Tonlage, die der Sänger oder die Sängerin am Besten singen kann. Doch auch innerhalb Männer- und Frauenstimmen muss man differenzieren. Es gibt unterschiedliche Stimmlagen (Bass, Bariton, Tenor / Alt, Mezzo, Sopran), je nach Anatomie des Menschen. Die einen haben eben eine eher tiefe Stimme, andere Stimmen kommen erst in der Höhe gut zur Geltung. Ein Song muss beim Covern nicht in der Originaltonlage gespielt werden. Selbst die Profis, die die Songs geschrieben haben, spielen sie live teils in anderen Lagen, als auf der CD. Es zeugt daher eher von Unreife, wenn sich ein Musiker aus Trotz weigert, sich dem Gesang anzupassen.

Wenn der Song etwas höher oder tiefer transponiert besser zu singen ist, sollte man ihn so spielen. Etwas höher könnte er etwas energetischer klingen, etwas tiefer dagegen etwas breiter oder geerdet. In der falschen Lage kann ein Sänger zudem schnell heiser werden, da er mitunter versucht, die Defizite mit Druck auszugleichen.

LINK-Tipp: „Stimmumfang & Stimmlage analysieren“

Vorbereitung auf die richtige Lage

Am besten setzen sich Sänger und Gitarrist vor der Bandprobe in Ruhe allein zusammen und tasten sich in Halbtonschritten an die perfekte Tonlage heran. Etwas unterhalb der Originaltonlage beginnend, dann zur Originaltonlage vorarbeiten und zum Schluss auch noch ein paar Halbtöne drüber gehen. Am Ende hat man ein Gefühl, welche Lage am besten funktioniert und welche die perfekte Energie in den Song bringt. Ach ja, sollten klassische Instrumente wie Streicher oder Bläser im Bandprojekt eine Rolle spielen, dann sollte natürlich abgeklärt werden, welche Tonarten für jeweilige Instrumente spielbar sind.

Lautstärken dem Leisesten anpassen

Ergänzend an dieser Stelle, auch wenn mein Mahnruf beim nächsten Gitarrensolo verstummen wird, möchte ich auch das Thema Lautstärke in der Band aufgreifen. Passt euch mit eurem Instrument an das leiseste Instrument in der Band an. Bei allen Bands mit Gesang ist es die menschliche Stimme. Dieses „Instrument“ kann nur verstärkt gegen Schlagzeug und Gitarrenverstärker oder Bassboxen bestehen. Aber auch nur dann, wenn die Mitglieder in der Band den Intellekt haben und verstehen, dass die Stimme eben nicht mal eben lauter gedreht werden kann. Da ist irgendwann Schluss.

Ein guter Tontechniker weiß das natürlich und wird die Band so mischen, dass die Instrumente auf die Lautstärke der Stimme angepasst werden. Wenn der Gitarrenamp auf der Bühne nach dem ersten Solo jedoch noch weiter aufgedreht wird, kann der Tontechniker am Pult leider nicht mehr viel machen, außer die Gitarre ganz von der PA zu nehmen. Da ist dann nicht viel zu retten.

„Sing doch mal lauter…“ funktioniert übrigens nicht.

Dabei geht Gefühl verloren, und sobald sich der Sänger oder die Sängerin quält, um lauter zu singen, klingt es auch gepresst und gequält. Das ist dann auch unangenehm für den Zuhörer. Ein Song hat eine Dynamik, es gibt leisere Stellen und laute. Die Stimme ist ebenso dynamisch und kann nicht durchgängig in absurder Lautstärke konstant durchweg schreien. Damit würde man einem Song die dramatischen Höhepunkte nehmen. Zudem wird der Verschleiß an neuen Sängern/innen sehr hoch werden, denn es schadet auf Dauer einfach der Stimme. Darum sollte ein gesundes Maß gefunden werden.

Opernsänger können übrigens unverstärkt vor einem Orchester bestehen. Dort heißt es auch nicht „der Sänger ist zu leise“, sondern „das Orchester ist zu laut“. Die Orchestermusiker passen sich also an und folgen den Anweisungen des Dirigenten. Auf die Bandarbeit bezogen heißt das: Wer einen kompetenten Tontechniker dabei hat, sollte also auf dessen Ohren vertrauen und nicht auf der Bühne zusätzlich am Amp drehen und den Bandsound versauen.

Tempo & Timing üben

Eine Schwachstelle beim gemeinsamen Musizieren ist ganz oft das Tempo und das Timing. Jeder Musiker sollte jeweils einzeln für sich üben, das Tempo in unterschiedlichen Styles zu halten und üben, zu einem Metronom zu spielen. Spätestens bei der Studioarbeit zahlt sich das Spielen nach Klick aus. Aber auch zusammen auf der Bühne ist es so hilfreich, wenn nicht im Tempo rumgeeiert wird oder plötzlich ein ungeplanter Tempowechsel stattfindet, der andere Musiker aus der Band rausbringt.

Bei Phrasen mit lang gehalten Tönen kann dem Sänger mitunter zu früh die Puste ausgehen, wenn der Rest plötzlich viel langsamer spielt, weil dann auch die Gesangsphrasen länger werden. Aber auch ein zu schnelles Tempo ist ungeeignet in Parts, in denen viele Wörter oder sehr schnell gesungen oder gerappt wird. Oder auch Parts in denen Tonläufe oder Fills gespielt werden. Es ist hilfreich, den Song beim Einzählen schon genau im Ohr zu haben, bevor man zu langsam oder zu schnell einsteigt und später korrigieren muss.

Regelmäßigkeit

Üben, üben, üben. Und zwar regelmäßig gemeinsam. Na das ist ja nix Neues. Nö, aber es schafft nicht nur eine Routine, was die musikalischen Abläufe betrifft und schwierige Stellen, Pausen und Einsätze, es hilft auch Band intern. Man wächst zusammen und trifft sich nicht nur, wenn es drauf ankommt, sondern man weiß auch menschlich, wie jeder Einzelne tickt. Es fördert den Zusammenhalt und die Kreativität. Man kann sich mehr auf die Musik konzentrieren, wenn man nicht noch zu sehr damit beschäftigt ist, sich gegenseitig einzuschätzen oder kennenzulernen. Man kann sich nach und nach besser aufeinander verlassen sowie auch ohne Worte auf der Bühne kommunizieren.

Naja – und außerdem: Übung macht den Meister. Professionelle Ensembles proben z. B. jeden Tag mehrere Stunden, um eine Show zu erarbeitet, die nicht nur musikalisch und gesanglich Höchstleistungen zeigt. Auch Performance, Bühnenpräsenz bis hin zum Applaus wird geprobt und perfektioniert. Für eine Hobbyband sicher etwas übertrieben, doch es ist ein kleiner Vergleich, der vielleicht anspornt.

Faire und sinnvolle Aufteilung

Wenn man schon gemeinsam auf einer Bühne steht, dann sollte es fair zugehen. Und Fairness und Gerechtigkeit haben auch etwas mit Teilen zu tun. Egal, ob es um Aufgaben, Ressourcen oder Gagen geht, es sollte fair sein. Fair kann sein, dass alles durch die Anzahl der Mitglieder geteilt wird. Fair kann sein, dass Aufgaben an die Personen mit den dafür besten Kompetenzen aufgeteilt werden. Oder aber auch, dass einer alles macht und den größten Teil vom Ertrag erhält und den Rest, unter den verbleibenden Bandmitglieder aufteilt. Wer zum Beispiel Ausgaben durch die Band hat oder zeitlich höheren Aufwand, der sollte nicht schlechter am Ende wegkommen, als die, die keinen weiteren Aufwand haben. Das sollte man jedoch vorher am Besten schon mal besprochen und einstimmig beschlossen haben. Womit wir zum letzten Punkt kommen.

Aussprachen und Absprachen

Nichts geht über eine offene Aussprache und verbindliche Absprachen, an die sich alle halten. Die Band hatte einen wichtigen Gig? Dann sollte der doch mal in Ruhe ausgewertet werden oder am Ende sogar ausgiebig zusammen als Erfolg gefeiert werden. Vielleicht liegt ja aber auch etwas in der Luft, vielleicht ist jemand unzufrieden, oder Erwartungen gehen in unterschiedliche Richtungen. Vergleicht von Zeit zu Zeit eure Ziele und Visionen, bevor unerwartet ein Bandmitglied aussteigt und man einen guten Musiker verliert. Die Menschen werden ja auch älter und nicht jeder will mit 30 immer noch Rockstar werden, sondern freundet sich vielleicht eher mit dem Familienleben an. Gleicht ab, was Sinn macht und ob jeder noch da ist, wo er sein möchte.

Fazit:

Das sind meine „heiligen Gebote“ für eine erfolgreiche und harmonische Bandarbeit. Ich hoffe, dass die bei euch in der Band bereits vorher schon klar waren und sich niemand erst mit Macht durchsetzen muss. Vielleicht habt ihr ja auch eine ganz andere Philosophie und noch einen besseren Weg oder weitere Tipps, die ihr anderen Bands geben möchtet. Dann hinterlasst doch mal einen Kommentar dazu. Danke fürs Vorbeischauen. Ich hoffe bis bald, auf musifiziert.de.

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