Was macht gute Musik aus?

Musikerkollegen können schon mal ganz schön fies übereinander herziehen. Da wird gestritten und diskutiert, gedisst und gefachsimpelt, was das Zeug hält – ob Musik gut ist oder in die Tonne gehört. Dass einige Meinungen dabei nicht ganz objektiv bleiben, ist schade, aber natürlich ist es auch eine große Geschmacksfrage. Doch wann genau empfindet man Musik als gute Musik? Wann ist ein Song ein guter Song? Muss ihn dafür erst ein Millionenpublikum gekauft haben, oder ist gerade dann, wenn Musik im „Mainstream“ angekommen ist, für den Musikliebhaber nicht mehr interessant? Und wann ist Musik „gut gemacht“? Die Beurteilungen gehen bei Menschen, die selbst Musik machen, und reinen Musikkonsumenten ja teilweise in zwei extrem verschiedene Richtungen. Zu diesem Thema gibt es wohl wieder einiges aufzudröseln. Also gehen wir doch mal ganz nah an die Sache heran.

Was macht gute Musik aus

Der persönliche Musikgeschmack & der Musikstil

Ganz offensichtlich, das liegt ja auf der Hand, ist der persönliche Musikgeschmack entscheidend, ob man sich diese und jene Musik überhaupt anhört. Wird man dazu genötigt, sich etwas Bestimmtes anzuhören, könnte es mitunter schon mal eine ganz schlechte Voraussetzung dafür sein, dass diese Musik dann auch Gefallen findet. Der Geschmack richtet sich aber auch sehr stark nach dem Genre. Jemand, der Schlager abgrundtief hasst, wird auch eine perfekte Schlagersongproduktion mit Ohrwurmcharakter Scheiße finden, selbst wenn hunderttausend andere Menschen dazu abgehen. Ein Freund der klassischen Musik als Beispiel empfindet höchst wahrscheinlich aggressive Rockmusik eher als stressig und macht nach wenigen Minuten lieber schnell wieder aus. Und Mainstream-Popmusik wird wohl niemals, auch wenn sie „gut“ ist, Begeisterung bei jemanden auslösen, der sich über Pop-Chartmusik lustig macht, weil er lieber „Underground-Platten“ aus der Electroszene hört. Jeder hat also seine eigene Meinung und seinen eigenen Geschmack. Aber das ist ja offensichtlich. Allerdings sind das nicht die einzigen Kriterien.

Hörgewohnheiten

Natürlich spielt auch die regionale Herkunft und die persönlichen Hörgewohnheiten eine große Rolle beim Geschmack. Wer den Klang der „westlichen“ Musik gewohnt ist, fühlt sich eventuell bei arabischen Klängen nicht ganz so ganz heimisch. Umgekehrt ist das vermutlich ebenfalls so. Und wenn die chinesische oder klassisch indische Musik nicht zu deinen persönlichen Hörgewohnheiten zählt, wirkt sie zunächst eher befremdlich, denn diese Musik unterscheidet sich bspw. auch durch andere Skalen und Tonintervalle von unserer Musik. Zumindest empfindet man diese Musik ganz anders, wenn man sonst an den Klang von populärer Musik aus dem deutschsprachigen Rundfunk gewöhnt ist.

Der Künstler & sein Image

Wenn man Musik oder bestimmte Songs nicht mag, kann auch der persönliche Bezug zum Interpreten/Künstler der Grund sein. Vielleicht kennt man die Person persönlich und kann sie nicht leiden? Vielleicht ist Neid oder Eifersucht im Spiel? Oder man kann sich nicht mit dem Image des Künstlers identifizieren. Letztendlich finden wir ganz oft etwas gut, in dem wir uns selbst wiedererkennen können oder was wir uns für uns wünschen würden. Hatte die Person eine ähnliche Vergangenheit, ein vergleichbares Schicksal, so fühlen wir uns dem Künstler näher und schöpfen vielleicht sogar Mut, Hoffnung und Motivation aus seinen Songs. Eine Person, die sich nicht in diesen Künstler hineinversetzen kann oder will, empfindet dagegen möglicherweise sogar eine Abneigung zum Künstler und damit auch zur Musik. Es geht also nicht immer nur um die Musik an sich, sondern auch um den Überbringer, den Interpreten.

Die Instrumentierung & die Stimme

Besonders als Musiker hört man Musik ganz anders. Vielleicht achtet man genau auf das Instrument, was man selbst spielt. Aber auch persönliche Vorlieben im Sound beeinflussen Gefallen oder Nichtgefallen. Ich zum Beispiel höre immer sehr stark auf die Stimme. Dabei geht es mir nicht um Gesangstechnik, sondern um die Stimmfarbe, das Timbre. Somit ist es auch möglich, dass ein Amateur mit unausgebildeter Stimme eine Gänsehaut verursachen kann, weil der Stimmsound überzeugt. Auch tiefe weiche (Sub-) Bässe gehören zu meinen persönlichen Vorlieben. Verzerrte E-Gitarre hingegen mag ich nicht so. Jeder hört also beim Musikhören auf andere Bestandteile. Manchmal ergreift mich auch das Gesamtpaket, weil gleich Bilder im Kopf entstehen.

Die Stimmung & das Gefühl

Auch die persönliche Verfassung, das Gemüt, entscheidet mit, ob ein Song oder bestimmte Musik uns gefällt. Wer schon mal Liebeskummer oder Sehnsucht hatte, wird festgestellt haben, dass ihn ganz andere Songs angesprochen haben, als sonst. Die Stimmung in einem Song, die die Musik transportiert, lässt uns recht schnell spüren, ob wir dafür empfänglich sind. Das passiert sogar unbewusst, ohne dass wir es wollen. Gefühl ist wohl das Wichtigste, was Musik uns vermitteln will. Und dazu braucht es nicht einmal Worte.

Die Qualität & die Verarbeitung der Aufnahmen

So, kommen wir nun zu einem entscheidenden Punkt, der vielleicht nach der perfekten Komposition eine fast noch wichtigere Rolle spielt: die Aufnahmen. Stimmen Timing/ Einsatz der einzelnen Instrumente & Stimmen oder wird da rumgeeiert? Vergreift sich z.B. der Gitarrist ständig? Wird unsauber gespielt? Wird schief gesungen oder versteht man den Text nicht, weil er genuschelt wurde. Sind die Aufnahmen verzerrt oder verrauscht? Ist ein Song zu leise produziert oder sogar überkomprimiert. Klingt ein Song zu stark bearbeitet oder unausgewogen im Mix. Fehlen im Gesamtmix wichtige Frequenzen oder gibt es eine zu starke Anhebung in einigen Bereichen, sodass vielleicht der Bass zu stark dröhnt, weil er bei der Produktion auf den heimischen Studioboxen kaum gehört wurde? All das kann Musik stark beeinflussen und verfälschen. Dazu muss nicht einmal die Komposition an sich schlecht sein.

Die Liga & die Voraussetzungen

Vergleicht man eine Homerecording-Produktion eines Musikers, der noch im Lernprozess ist und von den Aufnahmen über Mix bis Mastering alles selbst macht bzw. versucht (weil es vielleicht keine andere Option gibt), mit einer professionell im Tonstudio produzierten Audioproduktion eines eingespielten Teams, was bereits Jahrzehnte namenhafte Künstler produziert, wird zumeist ein deutlicher Unterschied erkennbar sein. Ein Song kann durchaus Potenzial haben und mit einem Profi-Team sowie gutem Equipment zu einer „High End“-Version werden. Aber auch genau das Gegenteil ist möglich. Die Version desselben Songs produziert von einem „Hobbymusiker“ klingt vielleicht unausgewogen und „unrein“, vielleicht aber auch viel authentischer. Es gibt ja enorm viele Songs, die in einem Homestudio entstanden sind, die man nicht besser hätte machen können. Es geht da natürlich auch um Herzblut!

Als Denkansatz möchte ich aber noch vermerken, dass jeder sein „Spezialgebiet“ hat, auf dem er richtig glänzen kann. Wenn allerdings einer alles alleine macht, dann ist er zwar sehr unabhängig und kann viele Dinge (halbwegs) gut, macht aber auch vieles, was eben noch nicht ganz ausgereift ist, weil Fähigkeiten und Erfahrungen fehlen. Anders sieht es bei einer Aufteilung einer Produktion mit verschiedenen Experten aus. Egal ob das Musiker sind, die ihr Instrument am besten beherrschen oder ob sich je unterschiedliche Produzenten um Aufnahmen, Mix und Mastering kümmern. Es ist alles eine Geld- und Willensfrage und welche Ansprüche man an sein „Produkt“ (igitt, dieses Wort schon wieder…^^) hat und was damit geschehen soll. Aber das ist ja wieder ein anderes Thema…

Die eigene Toleranz

Ungeachtet all dieser Punkte kann man von bestimmten Menschen leider trotzdem keine sachliche, neutrale Meinung zu Musik erwarten. Denn es gibt eben auch die sogenannten „Musikfaschisten“, die nicht über den Tellerrand blicken können und die alles und jeden runtermachen. Für sie zählt nur „ihre Musik“ und „ihr Genre“. Ganz egal, ob etwas anderes wirklich gelungen ist oder Potenzial hat. Ich sage nicht, dass man jetzt alles gut finden muss. Aber man kann sich Musik ja auch erst mal ohne Vorurteile anhören und eine neutrale Meinung bilden, ohne abwertend zu sein. Eigentlich ist es ja auch nicht so schwer zu akzeptieren, dass es auch noch andere Richtungen und Künstler gibt, die ihre Daseinsberechtigung haben. Vielleicht ist man selbst nicht die Zielgruppe oder man versteht die Faszination dahinter nicht, aber deswegen muss es nicht runtergemacht werden. Menschen, die einen Künstler schon aufgrund der Musikrichtung kritisieren und abfällig über ihn reden, vielleicht sogar bevor sie die Musik überhaupt gehört haben, müssen vielleicht irgendwas kompensieren, wer weiß. Eine Diskussion ist da jedoch sinnlos und meistens Energieverschwendung.

Fazit:

Jeder tickt anders. Jeder reagiert auf Musik, Stimmungen und Musikrichtungen anders. Eine ganze Menge Kriterien bestimmen, ob wir einen Song am Ende gut finden. Wenn man als Musiker und Künstler nun all diese Punkte für seine Musik im Hinterkopf hat, dann kann man zumindest für seiner Zielgruppe wirklich schöne Musik zaubern. Die Hauptsache ist, dass die Musik am Ende dem Künstler selbst gefällt, er sich darin wiederfinden und identifizieren kann. Dann wird es authentisch und kann auch andere Menschen berühren. Doch ob es auch außerhalb des eigenen Genres Gefallen findet, liegt nicht mehr in der eigenen Hand, selbst wenn man sich viel Mühe gibt. Man muss nicht jedem gefallen. – Und das gilt auch für die Musik! – Was denkst du? Hast du auch eine Meinung zu diesem Thema? Dann schreib gern einen Kommentar dazu. Vielen Dank, dass du auf musifiziert.de vorbeigeschaut hast. Bis bald.

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