Klaffende Tube beim Singen

Ich vermute, fast jeder Musiker hat irgendein gesundheitliches „Gebrechen“ bzw. auch körperliche Einschränkungen. Als wenn man sich auf der Bühne nicht schon um genug Sachen Gedanken machen muss (Stimme, Begleitung, Abläufe etc.), kommen auch noch solche Dinge dazu, die mit der Musik gar nichts zu tun haben. Bei mir sind es zum Beispiel Hüftbeschwerden bei zu langem Stehen oder die Augen, die bei Müdigkeit irgendwann chamäleonartig in der Weltgeschichte herum starren. Mir geht es heute jedoch um ein ganz anderes, echt lästiges Phänomen, was mich besonders beim Singen doch arg einschränkt. Es nennt sich „klaffende Tube“ oder auch „offene Ohrtrompete“. Und was es damit auf sich hat, verrate ich in diesem Artikel.

Was ist die klaffende Tube?

Vielleicht kennst Du das Gefühl, wenn Du gähnen musst und Du Dich für einen kurzen Moment von innen sehr lauf hörst. Es ist, als wenn im Ohr eine Klappe aufgeht und Luft reinkommt. Bei der klaffenden Tube bleibt die Ohrtrompete zeitweise oder dauerhaft offen. Und ich meine dabei nicht das Gefühl, wie wenn man im Flugzeug sitzt oder in die Berge fährt und diesen (Unter-)Druck in den Ohren hat. Das wäre nämlich das Gegenteil dazu, eine Tubenbelüftungsstörung. Da hilft es, durch Lutschen eines Bonbons oder durch Zuhalten der Nase und Schnauben wieder einen Ausgleich im Ohr zu schaffen. Bei der klaffenden Tube hingegen funktionieren diese Tricks leider nicht. In beiden Fällen handelt es sich um Funktionsstörung der Eustachischen Röhre (Tuba auditiva).

Worin liegt das Problem beim Musikmachen?

Die klaffende Tube begleitet mich nicht den ganzen Tag, sondern nur zeitweise. Wenn ich jedoch gerade Musik mache und singen möchte, ist das sehr unangenehm. Ich höre mich dann von innen sehr laut. (Autophonie) Bereits das Atmen ist schon so unangenehm laut, dass man somit oft auch beim Sprechen oder Singen automatisch leiser wird. Gleichzeitig hört man die Umgebungsgeräusche in dem Moment nicht ganz so gut, da sie ja von den inneren Geräuschen übertönt werden. Mich verunsichert die klaffende Tube dadurch sehr oft, weil ich dann nicht mehr zu hundert Prozent die Kontrolle über meine Intonation habe. Jedenfalls fühlt es sich an, wie ein Blindflug ins Blaue, weil ich nicht weiß, ob ich noch in der richtigen Tonlage zur Musik singe.

Ein Vorteil?

Ich habe mir auch schon versucht, einen Vorteil darauf einzubilden. Denn gerade wenn man auf der Bühne oder bei Bandproben ein eher mäßiges Monitoring hat und seine Stimme über die Lautsprecher nicht gut hört, dann müsste es ja theoretisch sogar helfen, wenn man sich innen durch die klaffende Tube lauter hört. Doch das ist nur eine Theorie. Ob das wirklich so ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Es fühlt sich dennoch sehr unsicher an und ich konnte es im Anschluss z.Bsp. über Aufnahmen bisher nicht ausreichend prüfen. Zudem singt man in dem Moment etwas leiser, weil es von innen eben extrem laut klingt. Also es könnte ggf. ein Vorteil sein, wenn man bei schlechtem Monitoring zufällig eine klaffende Tube hat. Doch das gilt nur, wenn die klaffende Tube einseitig, also nur auf einem Ohr auftritt. Ich hatte auch schon den Fall, dass ich plötzlich beidseitig betroffen war. Dann habe ich mich innen noch lauter gehört, jedoch außen alles nur sehr gedämpft wahrgenommen. Es ist dann ein wenig so, als ob man unter einer Glocke hockt, die einen von der Außenwelt abschirmt und man nur noch sich selber hört.

Ärztlich behandeln?

Klar war ich damit natürlich auch beim Arzt und habe meine Probleme diesbezüglich geschildert. Meine klaffende Tube hat sich in diesem Moment leider weder beim Hausarzt noch beim HNO-Arzt gezeigt. Das heißt, in dem Moment war alles normal. – Vorführeffekt! War nichts zu sehen und der Hörtest war auch in Ordnung. Trotzdem hatten die Ärzte schon mal davon gehört und nahmen meine Beschwerden in ihre Kartei auf. „Da kann man nichts machen!“ hieß es. Es kommt wohl auch sehr selten vor. Und eine Behandlung dafür gibt es leider nicht. Es wurde mir so erklärt, dass ein kleiner Muskel im Ohr für die Schließung und Öffnung der Ohrtrompete zuständig sei. Und wenn der Muskel angespannt ist, dann bleibt diese offen. Das erklärt auch, warum es besonders oft in Situationen passiert, in denen ich sowieso aufgeregt oder angespannt bin. Jedoch ebenfalls zu Hause, wo ich eigentlich entspannt bin. Es gäbe auch Versuche, Silikon oder Kollagen einzuspritzen sowie operative Eingriffe, die jedoch nicht zuverlässig wären bzw. nicht regelmäßig zum Erfolg führten. Aktuell ist dieses Phänomen scheinbar wenig bekannt und erforscht. Und da es auch eher lästig, als schmerzhaft ist, besteht vermutlich auch wenig Handlungsbedarf.

Meine Gegenmaßnahmen

Ich muss mir also weiterhin selber helfen! Wenn ich mal wieder von der klaffenden Tube heimgesucht werde, dann helfen mir oft folgende Maßnahmen weiter: Zum einen muss ich darauf achten, dass ich ausreichend getrunken und gegessen habe. Es ist hilfreich, wenn ich entspannen kann oder mich „runterfahren“ kann. Wenn ich meinen Kopf nach unten halte und kurz etwas sage oder einen Laut von mir gebe, hilft es auch direkt. – Oft jedoch nur kurz. Und den besten Erfolg beim Beseitigen der klaffenden Tube für einen Moment habe ich, wenn ich mir (klingt jetzt blöd) am Hals für ein paar Sekunden auf die Halsschlagader drücke. Das sorgt dann für einen „Druckausgleich“ und alles ist wieder normal. Sieht halt nur immer blöd aus und die Leute fragen, ob man Halsweh hat. Manchmal drücke ich an der falschen Stelle, dann klappt es nicht gleich oder es dauert eine ganze Weile. Manchmal bin ich einfach auch komplett verspannt (wie nach einem Auftritt, wenn der Tag zuvor sehr lang war), dann geht es auch nicht, sondern erst, wenn ich zur Ruhe komme.

Recherchen

Ich habe natürlich viele Recherchen im Netz betrieben, um etwas mehr darüber herauszufinden. Doch viele hilfreiche Tipps oder Behandlungsmöglichkeiten dazu gibt es nicht. Manche Betroffene tragen enge Rollkragenpullis oder ein Halstuch. Ich glaube auch mal gelesen zu haben, dass in bestimmten Situationen ein Glas Sekt hilft, weil dieses Phänomen besonders bei schlanken Menschen mit niedrigem Blutdruck auftritt. Da könnte tatsächlich etwas dran sein. Nun kann ich ja deswegen nicht zum Alkoholiker werden.

Ich suche Betroffene, die auch singen.

Da mich diese klaffende Tube oft echt quält und gerade bei Auftritten sehr verunsichert und nervt, suche ich nach Menschen, die selber von der klaffenden Tube betroffen sind und vielleicht auch singen oder Musik machen. Wie geht ihr damit um, wenn Ihr auf der Bühne steht oder wenn Ihr gerade Aufnahmen machen wollt? Kennt Ihr noch weitere Tricks, die offene Trompete im Ohr zu schließen oder sogar eine wirkungsvolle Behandlungsmethode? Dann meldet Euch gern und hinterlasst einen Kommentar oder sendet mir eine E-Mail. Und weil wir einmal über Gesundheit sprechen, was quält Dich denn sonst so, wenn Du auf der Bühne stehst? Oder was hindert Dich an Deiner Performance und was tust Du dagegen? Schreib es gern und teile Deine Erfahrungen. Ich freue mich, dass Du wieder auf musifiziert.de vorbeigeschaut hast. Bis bald.

5 Responses to “Klaffende Tube beim Singen

  • Ha! Ich bin Sängerin und kenne das Problem! -allerdings nicht in der Stärke wie du. Bei mir tritt es immer auf, ,wenn ich relativ schnell 2-3kg abgenommen habe…. liegt wohl daran, dass da dann ein nü an mm an fett fehlt…. wenn ich mich dann bücke, das Blut mir in den Kopf steigt geht die Tube kurzfristig wieder zu…. ähnlich, wie wenn du deine Halsschlagader zuhältst…..
    momentan habe ich keine Probleme, dafür kneifen die Hosen- haha!

  • Das Problem einer klaffenden Tube begleitet mich schon mehr als 55 (fünfundfünfzig) Jahre! Alle versuche, es in den Griff zu bekommen, sind fehlgeschlagen. Will die einzelnen Eingriffe und Behandlungen hier nicht aufzählen, weil alle nichts gebracht haben. Helfe mir zur Zeit damit, besonders vor dem Singen im Chor, mit einem Wattestäbchen in der Nase kitzelnd, einen Niessreflex aus zu lösen. Mit dem dann ausströmenden Druck pustet der Überdruck aus der Tube auch raus und ich hab, mit ein wenig Glück, eine Zeitlang Ruhe. Während den Proben liegen meine Noten immer vor mir auf dem Boden, sodass ich gezwungen bin, mich ständig nach ihnen vornüber zu bücken. Auch das schafft dann gegebenenfalls wieder eine Zeitlang Erleichterung. Hab mich im übrigen auf der Plattform „Pagewizz“ schon ausführlich unter dem Pseudonym „Hexagon“ über dieses Thema ausgelassen. Lieder ist dies Seite ohne Einwahl nicht mehr öffentlich, der Grund für das Einstellen meiner Kommentare!

    • Das mit dem Niesen kenne ich noch nicht. Vielleicht versuch ich das auch mal. Aber das mit den Noten auf dem Boden ist eine clevere Idee. 🙂 Ich habe beobachtet, dass es bei mir weniger auftritt, wenn ich statt im Stehen im Sitzen singe. Und mein Unterkiefer (falsches Öffnen beim Singen) sowie das Heben des Gaumens spielt irgendwie auch eine Rolle. Manchmal schaffe ich es schon, durch bewusste Veränderung die Tube wieder zu schließen. Aber das kann auch Zufall gewesen sein. Ich teste weiter, denn so richtig hilft es eben leider nicht…und schon gar nicht beim Auftritt, wenn man sowieso angespannt ist.

  • Ja stimmt genau, kann alles was Sie darüber geschrieben haben voll bestätigen. Im besonderen auch Ihr Erstkommentar trifft den Nagel auf den Kopf. Will noch eine Anmerkung zu meinem Verlauf der Probleme beitragen. Beim letzten Eingriff im HNO Bereich ist die Nasenmuschel, mittel`s Laser, verkleinert worden. Damit sollte eine bessere Belüftung in diesem Bereich verfolgt werden. Die Nasenatmung hat sich danach auch wirklich verbessert, selbst bei einem Schnupfen setzt sie sich nicht mehr zu. Der große Nachteil aber ist wie folgt: „Vor dem Eingriff konnte ich mir bei starken Beschwerden (klaffende offene Tube) durch flaches hinlegen sofort Erleichterung verschaffen. Das geht nun nicht mehr, das Gegenteil ist der Fall“. Werde nun nachts regelmäßig darüber wach, weil meine Atmung voll über die Ohren (Tube) geht. Das Rauschen ist dann nur über den Niesreflex wieder zu beseitigen! Noch etwas ist mir wichtig Ihnen mit zu teilen. Hab immer Bonbon`s in meiner Nähe, weil durch`s Lutschen ein Schluckreflex entsteht, der die Tube dann wieder schließt! Bei Chorproben hab ich mir im übrigen angewöhnt, das Kinn immer nach unten Richtung Brust zu nehmen. Dadurch entsteht eine angenehme Spannung auf Nacken und Hinterkopf, welche die Tube oft zu hält! Heute bin ich, nach so vielen Jahren der Probleme, fest davon überzeugt, das die Ursache der klaffenden Tube Verspannungen an Nacken und Hinterkopf sind!

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