Songwriting nach Baukastensystem

Wenn ich einen neuen Song brauch, dann nehme ich keinen Song aus der „Schublade“. Ich schreibe neu. Denn ganz im Ernst, meine Songs aus der Schublade will niemand hören! Das sind die, die einfach nichts taugen. Das waren eher Übungseinheiten oder Problembewältigungsaktionen. Jedenfalls will ich meine Schubladenexemplare niemandem zumuten. Wie aber schreibe ich Songs, wenn ich bei Null anfangen muss? Mal davon abgesehen, dass es Songs gibt, die einem „zufliegen“ und plötzlich „da“ sind, kann man auch nach dem Baukastensystem vorgehen.

Songwriting nach Baukastensystem

Baukasten – nicht Klaukasten!

Wenn ich von Baukastensystem beim Songwriting spreche, meine ich nicht, ganze Sätze oder Strophenteile zu klauen oder gar ganze Lieder. Macht sowieso keiner??? Leider doch! Zumindest habe ich schon Kollegen kennengelernt, die tatsächlich so drauf waren und die diese Werke als ihre ureigensten Ideen ausgegeben haben. Ich weiß nicht, ob man sich dann noch selber im Spiegel ansehen kann. Aber darum soll es jetzt nicht gehen. Wir wollen ja eine legale Variante finden und unsere eigenen Kunstwerke kreieren. Das „Baukastensystem“ wär eine Möglichkeit.

Ideen aus Musik heraus hören

Beim Baukastensystem sucht man sich einfach verschiedene Teile, die bereits in irgendeiner Form vorhanden sind und macht etwas Neues daraus. Das können kurze Zeilen aus einem Text sein, aber auch Musik. Ich lass mich gern von Musik anderer Künstler inspirieren, die mir selber gefällt. Musikhören kann helfen, wenn man mit dem Songwriting beginnen will und noch gar keine Idee hat. Dabei kann man sich die Details notieren, die einem am gehörten Lied speziell gefallen. Wenn man dabei einen Beat toll findet, schreibt man sich das Lied als Beispiel auf. Wenn der Basssound oder Teile der Basslinie gefallen, der Effekt auf dem Gesang, der Gitarre oder die Akkordfolge geil ist, dann wird das einfach erst mal mit notiert. Von Kopieren ist nicht die Rede, eher von Inspiration!

Man kann das Rad nicht neu erfinden!

Die Anzahl der Töne auf der Tonleiter sind bekanntlich begrenzt. Sicher sind fast alle Melodien auch schon in irgendeiner Form mal da gewesen. Neue Akkorde zu erfinden, ist ähnlich aussichtslos, wie sich zum Alphabet neue Buchstaben zu überlegen. Daher greift man auf das zurück, was bereits existiert. Und da nicht alle Akkorde miteinander harmonieren, wiederholen sich ebenso die Akkordfolgen in verschiedenen bekannten Songs immer öfter. Ich bin mir sicher, Dir fallen sofort einige Lieder ein, die man mit >> Em – C – G – D << begleiten könnte.

Doch man kann ja versuchen, wenigstens in den eigenen Songs etwas Abwechslung zu schaffen. Zum Beispiel kann man versuchen, unterschiedliche Akkordfolgen oder Gesangsmelodien für seine Songs zu verwenden, damit nicht jeder Song gleich klingt, sofern der Sound und die verwendeten Instrumente nicht schon für nötige Abwechslung sorgen.

Textbaukasten

Vielleicht ist eine Formulierung in einem bekannten oder weniger bekannten Song eines Künstlers besonders toll gewesen. Eventuell hat auch ein Vergleich oder die bildliche Beschreibung in einem Lied (oder auch Gedicht) gefallen. Dann kann man auch das für sich notieren. Ich würde jedoch zu Abwandlungen raten, nicht eins zu eins kopieren (- vor allem nicht zu viel) und ich empfehle, diese Teile so weit wie möglich zu verändern, wenn man sie wirklich im eigenen Song verwenden will. Zumindest dann, wenn es sich um bekannte oder tragende Textfragmente und Zeilen aus Songs handelt, die auch einen gewissen Wiedererkennungswert haben. „Atemlos durch die Nacht“ oder „kurz die Welt retten“ zum Beispiel kann mittlerweile jeder zuordnen. „Nachts auf der Flucht“ oder „nebenbei ne Katastrophe verhindert“ hab ich bisher aber noch nicht gehört. (Spaß)

Eigene Ideen für den Baukasten sammeln.

Wie ich an anderer Stelle schon erwähnt habe, schreibe ich mir Songideen in einem kleinen Notizbuch auf. Manchmal hat man selber plötzlich eine schöne Zeile im Kopf oder eine tolle Idee für einen Text, aber für eine ganze Strophe oder einen ganzen Song reicht es gerade noch nicht. Dann schreibt man sich diese kleinen Ideen trotzdem auf. Wenn beim nächsten Mal wieder ein anderer Geistesblitz zu einem völlig anderen Thema aufblitzt, dann wird der separat notiert. Und irgendwann hat man eine schöne Sammlung an Textbausteinen. Diese könnten sich auch später gut in einem neuen Song miteinander verbinden lassen. – Besonders wenn man Textideen aus ähnlichen Themen nutzt oder die Phrasen eher allgemein gehalten sind.

Hier ein paar meiner Beispiele für Kurznotizen:

„Alle sind hier mega in Eile. Keiner nimmt sich wirklich mehr Zeit.“

„Du musst ja nicht so rasen. Leg dich lieber auf den Rasen. Nur dein Herzrasen kann ich nicht mähen.“

„Aus unzähligen Geschichten von Dir, mach ich mir mein eigenes Bild. Ich hab keine Kategorie dafür. Ich nehm es hin. – Nicht weiter wild.“

„Die leise Angst sitzt Dir im Nacken, jetzt was falsch zu machen und mit nem ungeplanten Schritt das Höllenfeuer zu entfachen.“

Es geht ans Puzzeln…

Die vielen unterschiedlichen Kurznotizen werden oft nicht immer in der Länge zueinanderpassen. Auch das Thema wird selten identisch sein – es sei denn, Dich beschäftigt immer das gleiche Thema. Manches reimt sich auch gar nicht und war einfach eine Redewendung oder ein Gedanke, der schön war. Es ist egal. Denn diese Notizen können trotzdem wahre Schätze sein. Daran kann man sich bedienen, wenn man schreiben will. Und wie ich schon verraten habe, das Geheimnis ist oft, einfach mit dem Schreiben anzufangen. Sei es, wenn man nur versucht, zwei einzelne Fragmente zu verbinden und so anzupassen, dass sie einen Sinn und eine Form ergeben. Die Notizen sind ja nicht in Stein gemeißelt, man kann sie verändern und richten, wie man sie braucht.

Der Schmipanski-Song

Ein witziges, noch recht aktuelles Beispiel für das Erstellen eines Songs nach dem Baukastensystem, liefert der Song von Jim Pandzko feat. Jan Böhmermann – „Menschen Leben Tanzen Welt“. Was es damit auf sich hat, erfährst Du hier. Der Song enthält kurze Slogans, Tweets und beliebte Wörter, die in Popsongs oft vorkommen. Eine gewisse Auswahl an Phrasen hat es am Ende in den Song geschafft. Dabei hat zwar wenig vom Text wirklich Sinn ergeben. Aber wenn man sich etwas Mühe geben würde und die Auswahl nicht Schimpansen überlassen hätte, wär bestimmt auch etwas Sinnvolles entstanden.

Wie weit die Verwendung der verwendeten Slogans, die zum großen Teil auch aus der täglichen Fernsehwerbung stammen, rechtlich erlaubt ist, kann ich nicht sagen. In diesem Fall ging es ja zum einen um eine Satireaktion, andererseits wird vermutlich eine Rechtsabteilung vorher eventuelle Marken- oder Urheberrechtsverletzungen geprüft haben.

Phrasen fortsetzen

Und abschließend will ich noch erwähnen, dass die eigenen Notizen, selbst wenn sie nicht ins aktuelle Songpuzzle passen, auch zu einem anderen Zeitpunkt weitergeschrieben und gedichtet werden können. Das Sammeln von eigenen Textbausteinen und Ideen für Musik ist also eher als langfristige Hilfe geeignet. Ähnlich wie ein Poesiealbum. Mit ein wenig Zeitabstand fällt einem vielleicht genau zu dem Thema erst später etwas ein, womit man den Text fortsetzen kann. Wie schreibst Du Deine Songs? Hast Du es schon mal nach dem Baukastenprinzip versucht? Schreib gern einen Kommentar dazu. Ich freue mich, dass Du auf musifiziert.de vorbeigeschaut hast. Bis bald.

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